Arbouretum – Song of the Rose

von am 25. März 2017 in Album

Arbouretum – Song of the Rose

Dass seit dem Vorgänger Coming Out of the Fog bereits vier Jahre sowie ein gelungenes Soloalbum von Bandchef Dave Heuman vergangen sind, hört man Song of the Rose in keiner Weise an: Arbouretum speisen schließlich auch das siebente Studioalbum aus ihrem unverkennbar zeitlosen Sound.

Insofern fällt es auch nicht ins Gewicht, dass Heumann, seine Rhythmussektion Corey Allender und Brian Carey sowie der dezent wie immer agierende Keyboarder Matthew Pierce diesmal länger als die üblichen paar Tage, sondern Wochen im Studio für die Aufnahmen gebraucht haben, um ihren auch auf Song of the Rose nach üblichen Mustern arbeitenden Kosmos zwischen stoneraffinen Folk, Americana und Classic Rock zu erschaffen.
Arbouretum-Platten leben schließlich auch im 15. Bandjahr primär (vielleicht sogar mehr denn je) von ihrer warmen und sanften Ausstrahlung. Von der sie innig umgebenden Atmosphäre, die sich so vertraut um die betörende Stimme von Heumann bettet. Von fließenden Melodien, die geradezu spirituell, mit einer innerer Ruhe und Frieden, vorbeitreiben. Nostalgie und Melancholie gehen da im Einklang, streicheln die Seele mit Fuzz und einer Ehrlichkeit, die etwas ewiges und zutiefst intimes in sich trägt.
Derart frei schwebende Strukturen manifestieren nun auch das mit sich selbst im Einklang stehenden Songwriting von Song of the Rose, das konzeptionell neben Song of the Nile von The Gathering nicht nur den bisherigen Karriere-Zenit Song of the Pearl (speziell dessen Titelsong) von 2009 aufgreift, sondern mit poetischer Verwurzelung (speziell: The Rose von Richard Lovelace – laut Thrill Jockey-Pressetext gar ein direkter Vorfahr Heumanns) auch philosophische Fragen aufgreift und musikalisch wieder etwas näher an die Frühphase der Band rückt.

At the root of the songs and compositions on Song of the Rose is the concept of balance. As is true for the movements of Tai Chi, of which Dave Heumann is an avid practitioner, each motion both musical and lyrical has an equal but opposite motion, that works together harmoniously.“ Balance und Harmonie sind dabei gute Schlüsselworte für Song of the Rose.
Wie jede Platte von Arbouretum nach und nach hinter dem typischen Sound der Band seine charakterlichen Eigenheiten offenbart, korrigiert Song of the Rose mit seiner getrageneren, phasenweise feierlich anmutend, balladeskeren Ausrichtung den rückblickend doch zu verhalten sich selbst verwaltenden Vorgänger Coming Out of the Fog, und schöpft seine individuelle Stärke auch aus der tiefschürfenden Produktion.
In dem weichen, angenehm gefühlvollen Klangspektrum darf man sich unmittelbar heimelig und zuhause fühlen – selbst die zupackenden Momente scheinen von einer wohlige Wattierung umgeben zu sein. Steve Wright, der das Profil der Band diesmal schärfer zu inszenieren versteht, und Kurt Vile-Mixer Kyle Spence haben hier einen grandiosen Job erledigt – Song of the Rose ist sphärisch enorm räumlich und weitscheifend ausgefallen, kommt aber stets mit einer akzentuierten Klarheit auf den Punkt.
Trotz eines allgegenwärtigen Déjà-vu-Faktors (man meint all die Melodien und Harmonien so ähnlich schon des Öfteren von Heumann und Co. gehört zu haben) bewahrt sich Song of the Rose dabei stets die nötige Frische und Unbeschwertheit, um auch alleine über sein unspektakulär zuverlässiges Songwriting unmittelbar in den Bann zu ziehen.

Call Opon the Fire eröffnet geradezu klassisch das bisherige Arbouretum-Werk bediened als Midtempo-Song über subtilem Country-Flair, brutzelt im wuchtiger aufmachenden Refrain etwas mehr und gönnt sich ein langes, ätherisches Auspendeln – verlässt sich aber vor allem auf Heumanns ätherisches Organ und sein zwischen großen Riffs und bescheidender Geste den Horizont absuchendes Gitarrenspiel. Comanche Moon nimmt sich dagegen weiter zurück, treibt ohne jede Eile, wie ein langer, natürlicher Jam, der dem texturierenden Piano-Synthie weniger Aufmerksamkeit schenkt, als dem ausfransenden Solo.
Ein solches krönt auch den traumwandelnd psychedelischen Rausch, in den der Titelsong verfällt. Eine Schwere liegt hier unter Arbouretum, ohne tatsächlich heavy zu werden – eine massive Gravitation, der die Gezeiten wenig anhaben kann. Dort knüpft auch der reverbschwangere Effekt auf Heumanns Stimme im (zu abrupt bemessenen) Absolution Song an, während die Band mit Unterstützung von Drums of Live einen feierlich-perkussiven Master Musicians of Bukkake-Vibe beschwören. Das akustisch sparsame Dirt Trails baut dagegen auf seine soulig grundierende Blues-Orgel, bevor die pochende Gangart des absolut wundervollen Fall From an Eyrie eine heroische Dramatik in sich trägt.
Das (leider kaum essentielle) verwaschen aus dem Off kommende, rhythmuslastige Space-Intermezzo Mind Awake, Body Asleep gibt dann weniger ein Mantra der Platte vor, als dass es das erst tröstende perlende, später immer majestätischer anwachsende Woke Up on the Move vorbereitet. Da braucht es im Gegensatz zu vergangenen Platten keine meisterhaften Cover-Arbeiten mehr, um aus dem kohärenten Gesamtwerk hervorzustechen. Arbouretum ziehen ein erhebenden Schlusspunkt für eine Platte groß, die in ihrem mediativen, dynamischen Fluss mehr noch als seine direkten Vorgänger reklamiert, zu einem unaufdringlichen, jedoch umso nachhaltigeren Begleiter zu werden.

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