Cloud Rat & Crevasse – Split

von am 11. April 2017 in EP, Sonstiges

Cloud Rat & Crevasse – Split

Und weiter geht es (digital via Bandcamp und physisch über Contraszt bzw. Halo of Flies) mit dem atemlos daherkommenden Reigen an Cloud Rat-Split-Veröffentlichungen im Jahr 2017. Nach dem imposanten Doppel mit Moloch diesmal im Verbund mit der Deutsch-Niederländischen Abrissbirne Crevasse – und wieder einer Überraschung als Rausschmeißer.

Davor übt sich das reformierte Trio aus Michigan allerdings in einer Spurensuche an den eigenen Anfängen: „These were the first songs that we wrote with Brandon on drums. We wanted to step back and revisit our more frantic side with these tracks. Lyrically, the songs touch upon love/loss/manipulation, and self-loathing; distractions while the war machine continues its march, foaming at the mouth for more despair with each step.
Aus dem sekundenkurzen elektronischen Brodeln und Köcheln heraus, welches den eröffnenden Hassbatzen Harpy  gebiert, nähern sich Cloud Rat vor allem soundtechnisch ihren Wurzeln. Die gerade einmal sechs Minuten ihrer Split-Seite speist die Band aus einem dumpfen, ungeschönt brachialen Klangbild, wie seit der Compilation Fever Dreams wahrscheinlich nicht. Irritierend verwaschen und am Lo-Fi randalierend speien Cloud Rat ihr Gebräu zwischen den etablierten Grindcore/Powerviolence/Crust-Fronten heraus, während die anachronistischen Gitarren wie die pure Verrohung einer Proto-Grunge-Peinigung klingen.
Das macht auch im zwischen den Geschwindigkeitsstufen umhersprintenden Drain Pipe ebenso viel mitreißenden Sinn wie im von Sludge-Eindrücken gepeinigten Ringelspiel Papusza (und ergibt in Summe drei rundum gelungene, solide auf den Putz hauende Tracks, die unheimlich zweckeffizient vielleicht nicht unbedingt anstandslos den triumphalsten Cloud Rat-Szenen standhaltend) funktioniert jedoch am erstaunlichsten im abschließenden Fish in a Pool – einem launigen Cover des Electric DeadsOriginals, inklusive cleaner Vocals und einem zutiefst melodischem Bedürftnis im versifften Gewand. Ungewohnt, überraschend – großartig.

We also did our first punk cover, ‚Fish in a Pool‘ by Danish punks Electric Deads. We changed it a bit and probably fucked it up… sorry, super fun to do though.“ Diesen Spaß hört man dem großartig gelungenen Tribut an, zumal die Perspektiven freilich aggressiv und kompromisslos bleiben. Es tut jedoch einfach so enorm gut zu hören, wie hungrig Cloud Rat in kreativer Hinsicht nach wie vor sind, wie natürlich sich ihr Aktionsradius weiterhin ausdehnt, dass das Trio an diesen steten neuen Herausforderungen beständig wächst – und ihre Songs perfekt selektiert als rundum stimmige Split-Kollaborationen einzusetzen versteht.
Dass die wie die Faust aufs Auge als Ergänzung passenden Crevasse neben einer der besten Bands des Genres nicht den Anschluss verlieren, spricht dann nur für die furiosen Punk-Derwische aus Leipzig/Nijmegen, die den amerikanischen Kollegen zwei bärenstarke Knüppler hinterherschicken ohne Gefangene zu nehmen.
Infinite Regress ist so herrlich heavy wie rauh, dreckig und räudig – ein Hardcore-Oldschool-Getümmel mit ranziger Kante, rasenden Abfahrten und wendigen Hackenschlägen. Wäre das nicht derart böse, nihilistisch und finster, dürfte man alleine schon wegen des heißer keifenden Organs am Mikro durchaus an zeitlose Dischord-Heydays denken. Noch besser gerät dann sogar das folgende Dead Body, das über eine groovendere Rockkante den selben Weg nicht nur noch zwingender pressend einschlägt, sondern seine fiese Riffarbeit über dem giftigen Getümmel zusätzlich schärft: Der vergleichsweise straight nach vorne gehende Radau steht der transnationalen Truppe ausgezeichnet und skizziert das explosive Potential ideal.
„‚Dead Body‘ is one of the last songs we wrote. It is weird and grim—definitely the direction we wanna go musically from now on.“ sagen Crevasse dann und machen einem insofern den Mund hinsichtlich der Zukunft wässrig. Wo Cloud Rat eine unfehlbare Instanz bleiben, sind diese zwei Tracks aber gleichzeitig auch die endgültige Erinnerung daran, dem bisherigen Backkatalog der Kombo die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Unabhängig davon gilt: Als Genrefan ist auch diese Split wieder Pflicht.

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