Cro – Raop

von am 10. Juli 2012 in Album

Cro – Raop

Nach eigens kreierten Mc Donalds-Burger und hippen Positionierungen in den Charts folgt das Album zum Hit ‚Easy‚: unangestrengte, als Rap verkleidete Popnummern, die keinem wehtun, niemanden fordern und eigentlich zu dummdrollig sind, um als wirkliches Ärgernis empfunden zu werden.

Unverfänglich und eingängig gestaltet Carlo Waibel seine freundlichen Songs, charmant irgendwie gar, abseits der gewohnten Genrehärte, aber natürlich mit Megalomanie und der (nötigen?) Arroganz. Sommer und Sonne überall, Partylaune natürlich: „diese Welt ist geil!Cro macht kein Geheimnis daraus, dass er wohl lieber bei Markus Lanz auf der Wettcouch sitzen würde, als im nächsten (Bu)s(h)ido-Film mitzuspielen. ‚Raop‚ heißt zu Recht wie es heißt, weil es eigentlich viel zu poppig für Rap ist, damit aber leider auch die möglichst anspruchloseste Form von massentauglicher Populärmusik meint: hier gibt es nichts zu entdecken, das ist nicht anspruchsvoll, bleibt oberflächlich, und noch nicht einmal immer elegant genug, um nicht vollends plakativ und stupide zu sein. Anders gesagt: Man kann ‚Raop‚ aus genau den selben Gründen belanglos und flach finden, anhand derer einen ‚Easy‚ begeistern konnte.

Wird der Ball doch konsequent weitergespielt. Cro sampelt, stibitzt und klaut nicht mehr ganz so ungeniert, wie auf seinen Vorabmixtapes, neben Boney M. haben es trotzdem noch die Kilians (‚Fight the Start‚) auf die Platte geschafft, ‚Wir Waren Hier‚ schielt über Iggy Pops ‚Passenger‚ dann gar zu unverfroren Richtung aufgesetzter Jugendhymne. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist bereits klar: Zu sagen oder erzählen hat der Anfang-Zwanzigjährige nicht wirklich etwas Essentielles, dass sich eklatant von Frauengeschichten, hippen Klamotten, Tralala und einer immer superpassabler Befindlichkeit entfernt. Stattdessen sollen sich die Jungs hierzu lieber am Strand zuprosten, die Mädels verliebte Äuglein bekommen, sich Szenepolizisten darüber mokieren und trotzdem ‚Raop‚ hören. Drei Songs lang ist soviel Banalität auch beinahe erfrischend, danach stellen sich aber erste Ermüdungserscheinungen ein. Dass die Texte dabei zudem irritierend unausgefeilt daher kommen, unterstreicht wohl den unterschwelligen Druck, der auf ‚Raop‚ lastete, die Erwartungshaltungen möglichst im Zeitfenster der Aufmerksamkeit zu erfüllen und damit an die Spitze der Charts zu preschen.

Dass Cro aber doch ein nicht nur talentierter Rapper abseits der Geschmeidigkeit ist, das macht er gleich im ‚Intro‚ klar, es bleibt allerdings bei der einmaligen Geschwindigkeitsandeutung. Das er ein noch besserer Produzent sein kann, zeigen trotz vieler abgenutzter Beats einige der folgenden, immer mundgerecht servierten (je nach Version) zwölf bis achtzehn Stücke, wenn er etwa ‚Einmal Um Die Welt‚ mit schmissigem Shufflebeat ausstattet, ‚Genauso‚ mit wohligen Soul-Orgeln füttert, ‚Meine Zeit‚ fröhlich am Piano hüpfen lässt oder ‚Nie Mehr‚ nach Thees Uhlmann klingen lässt, ohne den Hamburger featuren zu müssen. Dass sich ein Großteil der Songs auf geschmachtet-friedliebende Refrains verlässt oder nicht nur ‚Du‚ auf ecklige Synthies zurückgreift, kann man dann mitunter aber fast nicht gut, sondern allzu sehr auf die Liebe der Massen zu seichter Eingängigkeit kalkulierend finden. Plötzlich wirkt da sogar Kritikerliebling Casper betont düster und unangepasst. ‚Raop‚ geht trotz (oder gerade durch) die geradezu ärgerliche Bedeutungslosigkeit der Songs runter wie Öl. Auf Dauer wird die permanente Leichtigkeit, die allzu forcierte Eingängigkeit und die zelebrierte Belanglosigkeit jedoch beinahe unerträglich – und wehtun tut Cro-hören mit seinem Wohlfühl-Poprock trotzdem selbst dann noch immer nicht.

Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Print article

1 Trackback

  • Nuke Festival 2015 - […] unnahbar und distanziert. Was keineswegs bedeutet, dass der selbsternannte Erfinder des ‚Raop’s keine gute Show bot oder seine Songs…

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen