Dan Auerbach – Waiting On a Song

von am 6. Juli 2017 in Album

Dan Auerbach – Waiting On a Song

So produktiv der 38 Jährige auf all seinen Veröffentlichungsplattformen auch sein mag, war das Solodebüt Keep it Hid (abseits seiner Produzentenarbeiten) das letzte tatsächlich herausragende Album, das Dan Auerbach gelungen ist. Dessen Nachfolger Waiting on a Song könnte acht Jahre später als sein wahrscheinlich Bestes seit damals durchgehen – vermisst man nicht den Blues, zumindest ein bisschen Schmutz oder den Ansatz von jedweden Tiefgangs.

Wäre es nicht ohnedies seit jeher klar, macht nun spätestens das 70er affine Vintage-Artwork zu Waiting on a Song deutlich: Dan Auerbach ist stets auf der Suche nach der Zeitlosigkeit im Pop und Rock, wenn man so will dem nostalgisch funktionierenden Anachronismus in Sound und Gestik.
Nicht erst seit den beiden jüngsten The Black Keys-Werken El Camino und Turn Blue, sowie mehr noch dem hierfür als Initialzündung angesehen werden könnenden The Arcs-Debüt Yours, Dreamely,, weiß man allerdings ebenso: Auerbach versteht darunter längst ein kontinuierliches Abschleifen aller Ecken und Kanten sowie eine Hochglanz-Professionalität im Umfeld seiner virtuosen Vollprofi-Musiker-Buddies aus Nashville, in der sein Songwriting so harmlos wie effektiv aus einem scheinbar niemals versiegenden Pool der Eingängigkeit schöpfen kann.

Eine Entwicklung, die mit Waiting on a Song nun eben ihren bisherigen Höhepunkt findet und ein aalglattes, irgendwo verdammt belangloses, aber dann eben doch auch wieder so unheimlich catchy plätscherndes Schaulaufen zutiefst routinierter Songwriter-Klasse in formvollendeter Handwerkskunst abwirft. Auerbach huldigt mit einer imposanten Gästeliste (unter anderem Bobby Wood, John Prine, Duane Eddy oder Mark Knopfler) dem Soft Rock und R&B der 60er, Galionsfiguren wie George Harrison, Bill Withers, Van Morrison, Dexys oder den Beach Boys, und hat, wenn man so will, im warmen Analog-Sound eine freundliche Hommage entworfen.
Diese ist auf liebenswert nebensächliche Art leichtgängig, lebt optimistisch ihre Freiheiten aus, hat die Sonne beschwingt im Rücken und wird als radiotauglicher Konsens einige harmlose Ohrwürmer am reibungslosen Soundtrack durch den Sommer stellen.

Der Titelsong gleicht unbekümmert einer entspannnten Bahnfahrt durch eine bunte Landschaft, die von keinem Wölkchen getrübt wird, hat eine Melodie, die man schon immer zu kennen glaubt – nur eben in unverbindlich. Livin‘ in Sin ist eine schmissige Country-Annäherung mit Rockabilly-Slickness und das schöne King of a One Horse Town legt sich in ein verträumtes Soul-Flair ala Motown oder Dusty Springfield. Das hartnäckig-flapsige Shine on Me penetriert dagegen mit einem fast schon dümmlich-durchsichtigen Refrain der Eindimensionalität – ein Hit.
Das shakende Cherrybomb flirtet dann mit tropikal trillierenden Pfeifen und das liebenswer-naive Never in My Wildest Dreams wächst subtil mit seinen grandios in Szene gesetzten Bläsern. Überhaupt ist es vor allem der relaxte Groove der grandiosen Musiker, der Sound der Produktion und das beeindruckend elegante Händchen des meisterhaften Arrangeurs Auerbach (alleine wieviel Gefühl und Optimismus in der Innenausstattung von Malibu Man steckt, wie wunderbar erhaben sich die luftige Blue Eyed Soul-Fingerübung Show Me an ihre Streicher und Backinggesänge schmiegt!), die Waiting on a Song eine grundlegende Klasse injizieren und die Platte so angenehm durchlaufen lassen.
Nur eben: selbst während dieser nonchalanten Highlights funktioniert die durch und durch nette, so prägnante wie brave und im Endeffekt charakterlos gefällige Popplatte Waiting on a Song (nicht zuletzt auch aufgrund der substanzlos bleibenden Lyrics) stets nach dem Aus-den-Ohren-aus-dem-Sinn-Prinzip. Das Ziel der Zeitlosigkeit wird insofern in gwisser Weise erreicht – allerdings auf Kosten der Nachhaltigkeit.

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