Elder Devil – Graves Among The Roots

von am 26. Juni 2017 in EP

Elder Devil – Graves Among The Roots

Während das Doom-Duo Keeper seit ihrer fantastischen 2015er-Pestbeule The Space Between Your Teeth auf neues Material warten lässt, tobt sich deren eine Hälfte Jacob Lee nicht mehr nur mit Skull Incision oder ¯\_(ツ)_/¯ aus, sondern legt im Verbund mit Graves Among the Roots nun auch die erste EP von Elder Devil vor.

Darauf reißen die beiden Fresno-Kumpanen Lee und Stephen B. (Cabin Fire) mit beachtlicher Konsequenz eine klaffende Wunde zwischen das Martyrium aus bestialischem Crust, rasendem Grindcore und ungemütlichem Noiserock, der an der Grenze zum Hardcore eskaliert.
Der Opener Deep Vices gebiert seinen wirsche Unmut erst nach und nach aus dissonantem Feedback, Stephen schreit sich analytisch in Rage. Ein vor dem Ausbruch lauernder Malstrom, der mit ein wenig Fantasie an Ansätze von Young Widow oder Ion Dissonance erinnert, bevor das dystopische Ungetüm doch noch zum Aufplatzen gezwungen wird und Graves Among the Roots in seine Duracell-Spur findet – zwischen den (eher stimmungstechnischen, als unbedingt stilistischen) Einflüssen von Pig Destroyer, Full of Hell, Nails oder Cult Leader, wenn man so will.
The Collected bolzt mit stoischem Blastbeat und vergifteten Gitarren nach vorne, bremst sich irgendwann jedoch zum angerührten Riffstrudel aus, während New Gods kompromisslos die bretternde Agressionsspirale gibt. After Flesh gönnt der klaustrophobisch schiebenden Heavyness hinten raus eine gegen den Strich gebürsteten Walze mit ordentlich Feedback im Nacken, bevor sich das tollwütige Speechless ein fast schon episches ausgebreitetes Szenario erknüppelt und Needles den Spannungsbogen dieses Einstandes in der relativen Ausführlichkeit von drei Minuten rund zu Ende denkt.

Viele Perspektiven gönnen sich Elder Devil dabei genau genommen vielleicht nicht, aber verdammt, macht das süchtig. Das atemlose, beinahe stakkatohaft rezitierte Gebrüll von Stephen sowie das archaische Schlagzeug dominieren den Sound, die Gitarre speit den restlichen Raum mit einer dreckigen Rohheit zu. Die rohe DIY-Ästhetik der Studio-Kombo spielt der kotzend randalierenden Produktion dazu unbarmherzig in die Karten: Das ist, als würde man in immer neuen Spannungsintervallen mit dem Schädel gegen die Tischplatte donnern – und dabei zumindest als Genre-Fan verflucht gut unterhalten werden.
Knackige 15 Minuten mutieren so zum sich selbst geißelnden Rausch, der praktisch permanent brutalst aggressiv bolzt, schabt und würgt, sich niemals zurücknimmt, obwohl Elder Devil auch innerhalb der einzelnen Songs stets geschickt das Tempo und die Dynamik variieren, unberechenbar bleiben.
Weswegen Graves Among the Roots im Gesamten entlang seiner tiefschwarzen, nihilistischen Atmosphäre genau genommen auch mehr Eindruck hinterlässt, als es etwaige einzelne Szenen der EP für sich genommen tun – um die Konturen ihres Songwritings zu schärfen hat das junge Duo aber trotz Luft nach oben nicht nur noch reichlich Zeit, sondern auch das nötige Talent. Bis dahin funktionieren Elder Devil aber ohnedies bereits extrem zielgerichtet. Und können (nicht nur durch die erarbeitete Reputation der restlichen Projekte von B. und Lee) auf den zusätzlichen wohlwollenden Funken bauen – dafür sorgt schließlich alleine schon das tolle Artwork von Ethan Lee McCarthy.

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