Future of the Left – The Plot Against Common Sense

von am 10. Juni 2012 in Album, Heavy Rotation

Future of the Left – The Plot Against Common Sense

The Plot Against Common Sense‚ ist eine klassische „Einer Gegen Alle(s)„-Platte für Bandkopf Andy Falkous geworden. Dass die Songs dabei in erster Linie als Vehikel dienen, um Gift und Galle gegen Gott, die Welt und Robocop zu spucken, geschieht nicht zu ihrem Nachteil.

Andy Falkous ist angepisst, vielleicht mehr denn je. Abseits der dritten Future of the Left Platte zwar auch, wirklich streitsüchtig wird er aber doch erst richtig  zwischen all den blind zuzuordnenden Um-die-Ecke-und-in-die-Fresse Hymnen seiner mittlerweile zum Quartett aufgestockten Band: „Pirates of the caribbean 47/Johnny Depp stars as the robot pirate/Who (loses) his wife in a game of poker/ And tries to win her back with hilarious consequences /At least Harry Potter has a proper story /In the sense that the characters crave an ending /If (only) to release poor Billy Corgan/ From his role as the titular character’s nemesis /Robocop 4 is in pre-production / Like Robocop 3 wasn’t bad enough /And George Lucas won’t be kicking his heels/ Til he makes some money from Howard the Duck“ visiert Falco etwa in ‚Robocop 4: Fuck Off Robocop die Unsitte Holywoods an, selbst den größten Schrottfilm bei entsprechenden Einnahmen mit nachfolgenden Teilen zu torpedieren. Unterlegt vom klassich unhandlichen Noise Rock seiner Band verliert das jegliche Komik, wird zur Drohung, Falco selbst zum alten Hausmeister, der den zu lauten Nachbarn mit dem Stock Prügel androht. „State of love and bliss / Brought to you by wish lists / Of eight year old boys who only crave explosions/Why?/Well,being eight they have an excuse – they are eight! /And giant robots cannot distract them from their fate / Middle aged men on a movie date- committed to mortal shame!“ Nicht nur Katzen sind für Falkous Pussies, sondern praktisch alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

The Plot Against Common Sense‚ ist auf der einen Seite noch deutlicher eine Platte geworden, bei der Falkous aus seinem Schützengraben die Grenze zwischen amüsantem Sarkasmus und blank-boßhaftem Zynismus so mutwillig torpediert, dazu die eine oder andere Weisheit in petto hat („Civilized people don’t fuck bears/ Civilized people don’t play fair“ oder „I have seen into the future/ Everyone is slightly older“ oder „Never underestimate the power of cock!“ oder…..). Auf der anderen Seite aber ist das dritte Album der Band trotz aller um die Textlastigkeit arrangierten Rocker auch mehr als ein hasserfülltes Pamphlet ihres Sängers und Vorstehers geworden – es ist ein weiterer, sogar der bisher konsequenteste Versuch, sich endgültig aus dem langen, übermächtigen Schatten McLusky’s zu lösen. Die Personalaufstockung seit der vornewegmarschierenden und dabei die Richtung vorgebenden EP ‚Polymers Are Forever‚ schlägt sich im Gesamtsound eben markant nieder: Julia Ruzicka stemmt mit ihrem tiefmalenden, schabenden Knochenbassmelodien neben Jack Egglestones umständlichem Schlagzeugspiel die meisten Kompositionen, Falco und Jimmy Watkins grätschen mit ihren Minimalriffs und großartigen Simpel-Melodien dazwischen, wenn es sein muß – dass hyperventilierend-stichelnde Synthesizer scharfkantig über Songs wie ‚Cosmo’s Ladder‚ derart bestimmend herfallen, ist dann aber doch eine Tugend der jüngeren Future of the Left-Geschichte. Das vermengt sich zum bisher dichtesten Sound der Historie, einer fiesen Noiseattacke mit Garagenflair, die ihre Schrammen mit geballten Fäusten vor sich her trägt. Als Säulenheilige haben The Jesus Lizard die Pixies eben längst abgelöst.

Da ist es nur nachdrücklich, dass Future of the Left den von ‚Travels with Myself and Another‚ so begeisterten Medien nicht das Vergnügen bereiten, vergleichbare direkte Hits wie ‚Arming Eritrea‚ oder ‚Chin Music‚ allzu frontal zu servieren – mag man auch mit einem unmissverständlich direkten Punker wie ‚Sheena Is A T-shirt Salesman‚ starten und hastige Hits wie ‚Goals In Slow Motion‚ oder ‚I Am The Least Of Your Problems‚ dazwischenstreuen. In Summe verweigern sich Future of the Left doch merklich einem Erfolg (obwohl das keine Ausmaße von ‚The Difference Between Me and You Is that I’m Not on Fire‚ annimmt, annehmen kann), den sie dank dem Vorgänger hierbei wohl mit weitaus mehr Leichtigkeit einfahren hätten können – indem sie ihre Songs noch verquerer und kratzbürstiger anlegen, den Wahnsinn alter Tage gegen eine durchdachtere, weniger spontane Unordnung getauscht haben und zudem in die minimalistische Breite steuern – allein die enternde Marschdudelsackkapelle in ‚City Of Exploded Childern‚ oder die immens gestiegene Spielzeit der Platte sollten da Bände sprechen. Es legt aber ohnedies nicht darauf an, von allen gemocht zu werden, wer gleich zu Beginn mit Songs wie einem ‚Failed Olympic Bid‚ aufgeigt, einem Noise-Glanzpunkt, der nie so richtig Fahrt aufnahmen will, stattdessen lieber alles andere ausbremst und eben Falcos Texte in den Mittelpunkt nimmt. Dass dabei auf die ultimativen Hooklines nicht vollends vergessen wird, unterstreicht ‚Beneath The Waves An Ocean‚ unmittelbar danach indem es seinen Witz mit Monsterrefrain erzählt und dabei noch die ultimative Pointe als As im Ärmel hat („No / Way / You’ll never find peace / Never find peace / With the name they gave you”).

Dass ein gewisser Teil der auf ‚Travels with Myself and Another‚ wiedererlangten Leichtigkeit dem Entwicklungsprozess geopfert wird, kann unter sinnvollen Wachstumsschmerzen einsortiert werden. Der Erstindruck einer zu lang gerateten Platte mit einem Gutteil an „nur“ gelungenen Standardsongs zwischen herausragenden Highlights bestätigt sich auf Dauer zudem nicht: ‚The Plot of Common Sense‚ ist ein Bastardbrocken von einem Grower, der für die Waliser verehrungswürdige Tademarks (Die Songtitel! Die slogantauglichen Textpassagen! Die monströse Hymnenhaftigkeit in den giftigen Melodien!) mit neu eröffneten Perspektiven vermengt. Und die wahrscheinlich beste Noise Rock Band da draußen, das bleiben Future of the Left hiermit außerdem qausi nebenbei.

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