Iroha – Shepherds & Angels

von am 8. Dezember 2012 in Album

Iroha – Shepherds & Angels

Schon paradox: wo der so gerne herbeizitierte Reduktion auf den vermeindlichen „Jesu-Klon“ Iroha weiterhin klar unter Wert verkauft, schmeichelt die offensichtlichste Referenz auf Albumlänge dann aber doch wieder eine Spur zu sehr.

Wo der elegischen Langsamkeit von ‚Sheperds & Angels‚ beinahe etwas ätherisches innewohnt, kennt Iroha-Mastermind Andy Swan abseits seiner Platten offenbar keine Geschwindigkeitsbegrenzungen: nach dem selbstbetitelten ersten Album 2011 sowie der interimistischen ‚End of an Era‚-EP  gönnen sich der ehemalige Final-Mitarbeiter mit seinen Kollegen Dominic Crane (auch bei Rumblefish aktiv) und Diarmuid Dalton (nebenher Basser von: Jesu!) keine Pause und knüpft begonnene Faden behände weiter. Iroha suchen also wieder nach betörender Schönheit in weicher Härte, sie verweben schwere Gitarrenwände und walzende Riffwellen mit schwelgenden Melodien und Swans‘ verträumt-gehauchten Flüstergesang, der niemals laut sein will, aber immer von einem märchenhaften Schleier umgeben wird. ‚Shepherds & Angels‚ operiert irgendwo in der Grauzone zwischen Brutalität und Zärtlichkeit; ist gleichzeitig Drone, Doom, Symthie-Ambient, Metal, Post-Rock, Sadcore und Dream-Pop.

In seinen besten Momenten – also vor allem zu Beginn der Platte –  entfaltet das zweite Studioalbum der Band aus Birmingham in diesem Kraftfeld eine hypnotische Sogwirkung, nicht weit von 50 Watt Sun und  natürlich im unmittelbaren Umfeld von Jesu. Da Iroha ihren Spagat zwischen den Stilen und Einflüssen aber doch eigenwillig genug vollziehen, um die immer wieder gern provozierten Plagiatsvorwürfe zu entkräften, muss man gar nicht erst mit dem Argument hausieren gehen, dass gut kopiert immer noch besser als schlecht selbst gemacht ist. Zumal diese Feststellung hier wieder leicht ohnedies hinken würde. Denn wieder gelingt es Iroha nicht, auf Albumlänge einen ultimativ zwingenden Spannungsbogen zu erzeugen, durchgängig zu fesseln. Zu monoton ist der nebulöse Heavy-Schönklang, oft fehlt schlicht der Biss, ‚Shepherds & Angels‚ schafft es nicht, aus gefälligen Mustern auszubrechen – Songs wie der Titeltrack ziehen sich zudem weit über Gebühr in die Länge. Den meditativen Metal von Iroha zu hören kommt damit einer langen Zugfahrten durch die Abenddämmerung auf gerader Strecke sehr nahe: das kann als wunderbar entschleunigte Reise mit direkter Wirkung aufs Unterbewusstsein empfunden werden – oder als nicht unangenehme, aber ermüdende eintönige Odyssee in die Langweilig.

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