Jasta – The Lost Chapters

von am 8. April 2017 in Compilation

Jasta – The Lost Chapters

Wohl beinahe ausnahmslos für seine treuesten Anhänger unbedingt relevant: Brüllwürfel Jamey Jasta kompiliert auf The Lost Chapter 9 Songs, die sich seit seinem auch schon wieder sechs Jahre zurückliegenden Solodebüt nebenbei angesammelt haben.

Obwohl sich der Frontmann von Hatebreed (und Kingdom of Sorrow-Kompagnon) darauf immer wieder (vor allem gleich im so generisch wie wunderbar fett eröffnenden Brecher This is Your Life) relativ nahe am Sound seiner Stammband bewegt, könnten die im breitbeinig knüppelnden Spannungsfeld aus Bollo-Hardcore und Metal/Moshcore daherkommenden 32 Minuten jedoch selbst jene vor Schwierigkeiten stellen, die der bisweilen prollig und stumpf niederprügelnden Gangart von Jastas Projekten an sich durchaus etwas abgewinnen können.
Denn wo Songs wie der trockene Groove Metal von Parasitic, die Tough Guy-Attitüde The Same Flame samt mahnendem Zeigefinger, oder das thrashig-starke Deadly Business mit ihren agressionsgeladenen Powerriffs (ob nun von der Stange oder nicht), gnadenlos heavy tackernd daherkommenden Rhythmen und dem zuverlässig aggressiven Geshoute mindestens enorm solide das altbekannte Schlachtfeld beackern, folgt Jasta abseits derartiger Machtdemonstrationen bei der Sammlung digitaler Singles und Compilation-Beiträge doch gerade auch explizit den schwächsten Momenten seines selbstbetitelten 2011er Solodebüts.

Soll heißen: Der 39 Jährige gibt immer wieder beinahe holzschnittartig dem Verlangen nach plakativen Strukturen und melodiösen Refrains nach, versucht permanent den Klargesang in seinem Repertoire zu etablieren. Am eklatantesten ist dieser Hang etwa im an sich sehr fein Druck machenden Until We Bleed Again zu beobachten, das nach einem anfänglichen Tritt aufs Gaspedal mit stadiontauglichen Ohoho-Chören dröhnt. Oder im seinen plakativen Chorus bis zum Erbrechen wiederholenden The Immortal (wie lange können 3 gröhlende Minuten sein?). Dem etwas zu versöhnlich abflachenden Back to What Matters, sowie vor allem Chasing Demons, in dem Jasta den prätentiös-theatralischen Gesang von Howard Jones (Ex-Killswitch Engage) mit der Brechstangen in seine routiniert die Nackenmuskulatur beanspruchende Komposition presst.
Zwar dürfte Jasta gerade hier dem am nächsten kommen, was er sich selbst von der Ausrichtung seines Soloprojektes verspricht, doch prostituiert sich der Könner zu billig und verleibt seinem Songwriting etwas frankensteinartig erzwungenes ein.

Das aus dieser regelrecht unnatürlichen Justierung resultierende Problem kennt man in weniger gravierenden Ausmaßen eben bereits: Das Zündet in der Regel kaum derart groß, dramatisch oder hymnisch, wie Jasta sich das wohl grundsätzlich vorstellt, sondern frustriert entlang seiner handwerklichen und effektiven Stärke durch die penetrante Vorhersehbarkeit der schwachen Refrains, die den drumherum liegenden, an sich absolut überzeugenden Level der energiegeladenen Sprengkraft untergraben und Jastas beachtliches Händchen für muskulöse Genresongs verwässert. The Lost Chapters vertändelt sich so in einem überall lauernden Gefühl der Anbiederung und determiniert seinen Status als Ausschusswaren-Sammelsurium, in dem sich Jasta nach der Decke streckend über Gebühr verhebt und seine Trademarks und seine immer wieder stark aufzeigenden Kompetenzen im Umkehrschluss unter Wert verkauft.
Dass das Black Sabbath-Cover Burried Alive als stimmungsvolles Tribut in dem nichtsdestotrotz enorm kohärenten Gesamtfluss den rundesten Eindruck hinterlässt, ist insofern bezeichnend für eine Platte, die alles andere als ein Rohrkrepierer ist, aber nahezu all ihr Potential verschenkt. Das wird zumindest dadurch relativiert, dass sich Jasta des Stellenwertes dieser Compilation wohl durchaus bewusst ist. Mehr oder minder auf eigene Faust via Martyrstore veröffentlichend bietet er seinen treuesten Fans hier die Gelegenheit, sich bisher rein digital erhältliche Tracks unter dem Banner The Lost Chapters auch physisch in die Sammlung zu stellen. Kann man machen, muss man aber nicht.

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