Jeff Tweedy – Together at Last

von am 25. Juni 2017 in Album

Jeff Tweedy – Together at Last

Jeff Tweedy setzt die akustisch zurückgenommene Gangart der unaufgeregten Schönheit Schmilco fünfzehn Jahre nach Chelsea Walls auf seinem tatsächlich ersten richtigen Studio-Soloalbum Together at Last konsequent fort und wandelt mit sparsamer Instrumentarium durch den Wilco-Backkatalog – inklusive einzelner Besuche bei Loose Fur und Golden Smog.

Um Songs aus verschiedenen Jahren, Alben und eben auch Projekten im kohärenten Fluss unter einen Folk-Hut zu bekommen, genügen Tweedy (in bester Bob Dylan– oder mehr noch Neil Young-Manier) neben einem geschickten Händchen für das Selektieren also ausnahmslos seine so charismatische Zaubersttimme, eine unprätentiös ihren Dienst verrichtende Akustikgitarre sowie eine gelegentlich aufflackernde Mundharmonika.
Eine minimalistisch Ausrichtung, die sich – typisch für derartig veranlagte Platten – natürlich grundsätzlich als ambivalent erweisen muss. Immerhin gelingt es selbst Meister Tweedy nicht gänzlich, seine Acoustic-Aufarbeitungen aus der Crux zu winden, dass sich über (die nichtsdestotrotz enorm kurzweiligen) 38 Minuten von Together at Last ein dezentes Gefühl der Gleichförmigkeit einstellen kann. Eine reduzierte Perspektive auf anders gewichtete Facetten auftuend weichen die Dinge eben auch nur hinsichtlich der Inszenierung und des damit verbundenen Spannungniveaus von den Originalversionen ab (man höre etwa die nonchalante Lieblichkeit Dawned on Me), variieren ihre Form dabei allerdings zwangsläufig nicht und stellen ohne die mitunter sperrigen Wilco-Arrangements sowie deren zusätzliches virtuoses Instrumentarium niemals die Intensität der originalen Versionen her.

Sei es drum. Auf der anderen Seite schafft es der 49 Jährige auf Together at Last nämlich spielend, quasi zu den entschlackten und ursprünglichen Kernen der elf Song-Juwelen vorzudringen und diese durch die unheimliche Intimität und ausgeglichen Ruhe der Performance vielleicht sogar zärtlicher denn je strahlen zu lassen: Das gefühlvolle Together at Last lebt von der Nahbarkeit der erzeugten melancholischen Atmosphäre, von der fast schon verletzlichen Stimmung, die Tweedy zaubert. Vor allem aber führt das spartanische Gewand einmal mehr vor, welche unheimliche Anmut doch in den zeitlos bezaubernden Melodien von Songs wie dem elegant gezupften Muzzle of Bees oder dem betörenden Ashes of American Flags stecken, während verdientermaßen der große Lyriker Tweedy mehr Raum bekommt. Das Wiederhören des alle Zeit der Welt habenden Laminated Cat (aus dem Loose Fur-Fundus) sowie des bluesig-berührenden Lost Love (Golden Smog) geraten dann zu einer fast schon nostalgischen Sternstunde.
Überhaupt stellt Together at Last ohnedies weniger den Anspruch, eine essentielle Bereicherung für Tweedy’s Katalog zu sein, als dass die Platte für Wilco-Jünger viel eher wie das Wiedersehen mit einem alten Freund funktioniert – während sie Neulingen einen einfacheren Zugang zu Kompositionen bietet, die mit sich selbst zu jedem Zeitpunkt im Reinen zu sein scheinen.

Die Frage nach dem Mehrwert von Together at Last klärt sich jedenfalls ohnedies spätestens, wenn das unsterbliche Via Chicago weicher denn je seine Seelenpein ausbreitet und sich Hummingbird auch ohne von Wilco angetauscht werden zu müssen einfach eines pfeift, während  I Am Trying To Break Your Heart auf das Wesentliche hinuntergebrochen strahlt und sich Sky Blue Sky fragil bis zur Zerbrechlichkeit präsentiert.
Und natürlich auch ganz allgemein dann, wenn Together at Last sich generell zu jedem Zeitpunkt so angenehm konsumierbar geradezu unspektakulär hingebungsvoll ausbreitet, den Hintergrund mit seiner unaufdringlichen Schönheit ebenso entspannt beschallt, wie es anhand dieser tröstenden Kleinode immer wieder zu Herzen geht.
Das macht aus Together at Last vielleicht noch immer keine Platte, die es per se unbedingt gebraucht hätte. Aber eben zu einer, die man heimlich, still und leise doch nicht mehr missen möchte. (Ob es deswegen allerdings tatsächlich noch weitere Platten der selben Gangart benötigt, darf nichtsdestotrotz einstweilen dahingestellt sein).

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