Mando Diao – Good Times

von am 25. August 2017 in Album

Mando Diao – Good Times

Gustaf Norén hat Mando Diao verlassen, während die kruden Synthie-Spinnereien von Ælita von einem Give Me Fire!-Sound-Rückschritt domestiziert worden. Das macht hinter einem neuerlichen Augenkrebs-Artwork den Weg für eine ambitionslose Anbiederung an die chartstürmenden Tage der Band frei, Good Times aber eben beileibe noch zu keinem guten Album.

Man konnte von den Platten nach den furiosen ersten Jahren der Schweden freilich halten, was man will. Was sich Mando Diao anhand der charmanten Intimität Never Seen The Light of Day, des eigenwilligen Gedichtbandes Infruset oder des geschmacklosen Ælita allerdings zumindest stets auf die Fahnen schreiben konnten, war eine gewisse charakterstarke Bereitschaft sich zu verändern, mit ihrem Sound zu experimentieren. Im Guten wie (zumeist dann doch) im Schlechten wich die Band kreativen Sackgassen aus, kaschierte das immer blasser werdende Songwriting und korrigierte ihre Ausrichtung über bisweilen diffuse Entscheidungen für andere Käuferschichten.
Diese relative Tugend opfern Björn Dixgård, Carl-Johan Fogelklou und ihr Erfüllungsgehilfen nun jedoch zugunsten einer ohne erkennbare Ambitionen im Kielwasser des Megasellers Give Me Fire! dümpelnden Sicherheitsplatte; einer eklektisch-solide Stangenware, die keinerlei Wagnisse eingehen will.

Ganz ähnlich also, wie es Shake als konturlose Vorabsingle bereits ankündigte, indem die Konkursmasse von Mando Diao Dance With Somebody nach Black Saturday einmal mehr blutleer und formelhaft aufwärmen, schielt Good Times generell immer wieder auf die generischen Indie-Ausläufer der Disco.
In eine ähnlich Formatradiolinie rund um zackige Achtel-Gitarren, blasse Streicher aus der Dose und tanzbare (anhand der immer wieder gleich arbeitende) Rhythmen schlagen dann auch Songs wie der Titelsong (ein Depeche Mode-Verschnitt wird zu einem hypernervigen Wave-Gequake mit penetranter Brechstangen-Hook), die elektronisch pulsierende Nichtigkeit One Two Three sowie das eindruckslose Dancing All the Way to Hell oder ein nach Baukastennormen für Drive sorgendes All the Things – allesamt nebensächliche Bagatellen für den blickenden Dancefloor, die sich in eingängiger Gefälligkeit im banalen Mittelmaß und latenter Überraschungsarmut ausruhen, dümpeln.
Das Gespür der Band für unmittelbare Eingängigkeit kann in dieser Austauschbarkeit keinerlei Nachhaltigkeit generieren, die Platte verschwimmt zu einem beliebigen, schlichtweg schnell vergessenen Einerlei, das niemandem wehtun möchte, aber durchaus angenehm nebenbei zu konsumieren ist. Mag Good Times sich in dieser Ausrichtung auch durchaus versöhnlich an den Massenmarkt anbiedern, verwischt die Platte inmitten ihres gesichtslosen Auftretens und dem eindimensionalen Sound der Produktion selbst denn vielversprechendsten Songs grundlegendes Potential.

Das funky Watch Me Now hätte mit seinem schmissigen Songwriting und jubilierenden Gitarren eine noch weitaus bessere Nummer werden können, wenn Mando Dio sie nicht derart risikobefreit in eine gleichförmige Identitätslosigkeit tanzen lassen würden. Die zurückgenommene Klavierballade Break Us gibt sich dagegen rauchig dem puren Pathos hin, doch irgendwann geht dem Opener die Inspiration und Luft aus, auch wenn Streicher in die Nummer kriechen und der stimmlich über die Jahre arg angeschlagene Dixgård immer lauter singt (und damit Dramatik missversteht). Das bluesig geklampfte Hit Me With a Bottle plätschert so stimmungsvoll wie ohne relevanten Geistesblitz und auch das soulig ausgebreitete Brother bringt die PS seines Danger Mouse-Western-Flairs nicht auf den Boden.
Es wäre frustrierend, wäre es nicht derart egal. Irgendwo in Good Times schlummert eine überzeugende groovende Platte mit gefühlvollen Spurenelementen, doch lässt sich diese ohne jedwede Ecken und Kanten in der überall lauernden Glätte nur schwer ausmachen. Das stößt nur selten wirklich störend auf und lässt nicht einmal das Wechselspiel mit Norén wirklich vermissen  – dafür ist das achte Album der Schweden gerade in seinem letzten Drittel entlang der immer selben Zutaten, austauschbaren Inszenierungen und flachen Strukturen schlichtweg zu mutlos, konventiell und bald vergessen.
Dass Good Times damit zwar besser als sein Ruf geworden ist, macht diese sich selbst kopierende Rekapitulation jedoch kaum besser. Im Gegenteil zu den bisweilen grotesken Vorgängen blickt man der Zukunft der Band nunmehr schließlich sogar nicht mehr nur mit einer latenten Gleichgültigkeit, sondern auch vollkommen unaufregenden Langeweile entgegen.

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