Melvins – A Walk With Love & Death

von am 7. August 2017 in Album

Melvins – A Walk With Love & Death

Mit A Walk with Love & Death gelingt den Sludge-Gründungsvätern nach knapp dreieinhalb Dekaden wieder einmal eine Premiere: Das erste Doppelalbum einer kompromisslosen Karriere vereint verspulten Soundtrack-Irrsinn (Life) mit klassischer Melvins-Handarbeit (Death).

Zu Beginn der (zähltechnisch wohl irgendwo in der Nähe von Studioalbum Nummer 25 zu verortenden) zweiteiligen Veröffentlichung lassen King Buzzo und Dale Crover erst einmal ordentlich knabbern: 14 avantgardistische Ambient-Tracks stemmen den Love-Part von A Walk of Love & Death – nominell der experimentelle Soundtrack zum gleichnamigen Kurzfilm von Jesse Nieminen, irgendwo zwischen mäandernden Klanginstallationen und Hirnwichse.
Das ist dann selbst für Melvins-geeichte Ohren eine kleine Herausforderung, wenn von Aim High als mutmaßliche Vernissage-Field Recording mit verträumtem Piano-Plätschern über den pochenden Feedback-Strudel (Queen Powder Party) und ein nervenzerfetzend kreischendes Gitarrentuning (Street Level St. Paul) immer weiter in einer interessanten, aber doch auch schwer genießbaren Ansammlung an verstörenden, atmosphärischen Soundscapes abdriftet.
Wie oft man zu diesen kuriosen, anstrengenden und mitunter auch mit enorm kurzweilig mit Geistesblitzen (der 60s-Swing von Give It To Me etwa) liebäugelnden 44 Minuten zurückkehren wird, bleibt insofern fraglich. Ein Punkt, der dann auch die Durchschnittswertung am Ende ein stärker senkt, als A Walk of Love & Death dies in Summe grundsätzlich verdient hätte.

Deutlich höher fällt nämlich der Wiederhörwert bei dem konventioneller veranlagten Death aus: Auf den ersten Blick ein weiterer souveräner Melvins-Standard und Fanservice. Auf den zweiten entpuppt sich der zweite Part von A Walk with Love & Death jedoch als stärkstes Album, das Osborne und Crover seit mindestens dem Ende der Big Business-Phase rausgehauen haben.
Bis auf wenige stilistisch auflockernde Ausreißer (das schwach aus der Reihe tanzende What’s Wrong with You mutiert mit McDonald am Mikro zum lauen Pop-Punkrock, Christ Hammer blickt gut gelaunt in den kantigen Flowerpower-Spacerock) baut Death nämlich auf einen atemberaubend dichten Fluss, der seine dickflüssige Melange aus Sludge, Rock und Stoner wie aus einem Guss entfaltet.
Songs wie das unterschwellig sinister lauernde Black Heath (schielen die Melvins hier gar in den wandernden Parts zu Earth?) oder der wuchtig-beschwörende Slo-Mo-Hardrock von Euthanasia zelebrieren ihre Routine mit einer unheimlich entspannten Selbstsicherheit, wirken wie aus der Hüfte geschüttelte Jam-Stücke, die in Verbindung mit der luftdicht atmenden Produktion eine träge drückende Trance-Hypno-Stimmung erzeugen, die ebenso heavy schleppend wie locker-leger aufgeht und über eine schwül-relaxte Abgehangenheit quasi eine nonchalant-schamanenhafte Formvollendung des Melvins-Sounds beschwört.

Plötzlich ist das ungeachtet einiger kakophonischer Ausbrüche der ideale Psycho-Soundtrack, um von der Veranda aus der Sonne am Horizont beim Untergehen zuzusehen und entlang einer friedlichen Doom-Odysse in eine gewisse Zeitlosigkeit zu versinken: Melvins-Mediation, irgendwie.
Das neue Line-Up mit Red Kross bzw. Off!-Bassist Steven McDonald scheint den Melvins jedenfalls so maßgeschneidert zu sitzen, wie Basses Loaded es bereits in Aussicht stellte. Die nahtlos integrierte Gästeliste um Gitarrist Joey Santiago (Pixies) und die beiden Sängerinnen Anna Waronker (that dog.) sowie die Le Butcherettes-Chefin/ Crystal Fairy-Kumpanin Teri Gender Bender tut dann ihr übriges, um die Angelegenheiten der Melvins vielleicht nicht restlos spannend zu halten, aber die Discografie der Legende aus Montesano auch nach all den Jahrzehnten immer noch makellos auszubauen.

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