Mikal Cronin – MCII

von am 16. Mai 2013 in Album

Mikal Cronin – MCII

Der vielbeschäftigte Mikal Cronin zerbricht sich auch auf seinem zweiten Album den Kopf mit allgemeingültigen Existenzfragen und findet die Antworten darauf gleich selbst: in leichtfüßig rockenden Powerpop-Songs für einen unbeschwerten Sommer.

Am I Wrong?“ fragt der Fixpunkt der San Francisco-Szene und ist dabei eigentlich ja gar nicht so unsicher: „I Don’t Think So!„. Dazu passend wissen auch die kurzweilig zusammengefassten 10 Songs genau was sie wollen: den Retro-Rock von Ty Segall in den Sonnenschein von Real Estate zu ziehen, das Händchen für poppige Melodien dabei in die Auslage stellen und sich prägnant von Hookline zu Hookline treiben lassen. Gleich ‚Weight‚ mutiert so zu einem wahren Monstrum von Hit, wie ihn Yuck wohl nicht mehr zustande bringen werden und J Mascis irgendwie ohnedies nie derart unumständlich schreiben wollte.  Zu gefällig inszeniert Cronin seine sonnentauglichen kleinen Ohrwürmer allerdings nie: wenn nötig (und das ist es oft!) fährt die E-Gitarre rotzig durch das Szenario (oder wird fahren gelassen: Cronins alter Buddy und Bandkollege Ty Segall schaut für ein paar zerschlissene Saitenlängen vorbei), immer wieder definiert der Allroundmusiker Cronin, inwiefern er den Arrangements der Songs mehr Beachtung schenken konnte, als es auf den 2 Jahre alten, selbstbetitelten Debütalbum noch der Fall war.

MCII‚ ist die ideale Platte geworden um ihren Erschaffer dabei abzulichten wie er wächst, versierter wird und seine Stärken deutlicher ausarbeitet. Vor allem aber: ‚MCII‚ macht schlichtweg zu jedem Zeitpunkt unbedenklich Spaß. Egal ob zurückgelehnt im Liegestuhl oder beim ausgelassenen Wohnungsputz in der Rockstarpose. Wie da etwa über die hipiesken „Uh Uh UH“’s und Handclaps in ‚Shout it Out‚ mit durchgedrehtenem Pedal hinweggefegt wird treibt Weezer heutzutage den Neid ins Gesicht, ‚Am I Wrong‚ strampelt sogar noch unbeirrter nach vorne und hat trotzdem Platz für ein Bluespiano, während die hemmungslose Gitarrensoloexplosion in ‚See it My Way‚ den Fingerabdruck von Segall trägt.

Wie man die Sache nicht nur unheimlich Mixtape-verdächtig sondern auch spannend und abwechslungsreich hält hat Cronin mittlerweile einwandfrei gelernt. ‚Peace of Mind‚ ist noch ein Stück zurückgelehnter als der Rest und spätestens wenn die Fidel in den Slide-Gitarren-Song tanzt die Countrynummer der Platte. ‚Don’t Let Me Go‚ macht die Akustikexkursion in Cronins Schlafzimmer und ‚Turn Away‚ steigert sich dafür umso ausladender bis zu seinem streichergetränkten Finale: der Pop triumphiert hier in all seiner Aufbruchsstimmung eben trotz allem jederzeit über all den Grunge, den Noise und die fett bratzenden Shoegaze-Fuzz-Orgasmen im so sorgsam texturierten und ausstaffierten Rock’n’Roll-Ring.

Das beste hat sich Cronin dennoch bis zum Schluß aufgehoben: ‚Piano Mantra‚ beginnt als zu Tode betrübte – natürlich – Pianoballade, welche die allgegenwärtige beständige Melancholie und Sehnsucht konzentrierter auf den Punkt bringt als alle anderen Momente der Platte – ehe sich die Arrangements in die Breite zu ziehen beginnen und Cronin letztendlich doch mit fetter California X-Gitarre und frischem Frühlingswind durch das allzu majestätische Szenario pflügt. Hier präsentiert sich ‚MCII‚ in Hochform und nicht „nur“ als überdurchschnittliche Ohrwurmschleuder und Dauerparker in der Rotationsliste aller sommerlicher Playlisten: der Sprung vom Talent zum unangestrengten Vorzeige-Lieferanten ist geglückt, die Meisterprüfung sollte unmittelbar bevor stehen. Und aus dem Schatten Segalls dürfte Cronin spätestens hiermit ohnedies und definitiv getreten sein.

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1 Trackback

  • Mikal Cronin - MCIII - HeavyPop.at - […] einigen dezenten Korrekturen könnte man im ersten Moment gar dazu tendieren, den Text zu ‘MCII‘ zu weiten Teilen einfach…

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