OM – Advaitic Songs

von am 9. August 2012 in Album, Heavy Rotation

OM – Advaitic Songs

OM als musikalische Wegbereiter durch meditative Glaubensfelder mit spirituellem Groove: Al Cisneros ist mit ‚Advaitic Songs‚ dort angekommen, wo er in dieser Vollkommenheit wohl seit sieben Jahren hinwollte.

Damals, 2005, als OM ihren ersten aber bis heute durchvariierenden Chant aufnahmen, saß noch Chris Hakius auf dem Schlagzeugschemmel, Cisneros‘ alter Rhythmusgruppenbuddy aus drogenverhangenen Doom- und Stonerzeiten bei Sleep. Vier Alben später ist der Hakius ersetzende Emil Amos längst nicht mehr der Neue, man kommt mittlerweile nicht umher zu bemerken, dass OM seit ‚God is Good‚ in vielerlei Hinsicht zusätzlich an Tiefe gewonnen und an Härte verloren haben. Klassischer Doom oder dunkle Stonermomente finden sich auf ‚Advaitic Songs‚ jedenfalls kaum noch, die walzende Dichte von ‚State Of Non-Return‘ bleibt ein dramaturgisches Druckgebiet in der Nähe der übermächtigen Shrinebuilder. In Momenten wie dem überragenden ‚Gethsemane‘ entfaltet sich die Gewissheit, dass Cisneros mit Amos weitaus näher an den Sound kommt, der ihm wohl immer schon vorgeschwebt sein muss, der mit Hakius wohl nicht möglich war: freier, leichter und ohne Metal sein zu müssen auch drückender, aber befreiter im unkonventionellen Spielstil.

Zudem ist der Einfluss, den Amos von seiner Stammband, den überragenden Grails mitgebracht hat unüberhörbar: OM stoßen die Grenze zum Weltmusik-erfahrenen Postrock auf, zum Orient und Westen gleichermaßen, öffnen transzendentale Tore wie die Master Musicians of Bukkake, nur weitaus unmittelbarer. So werden die ausladenden Kompositionen viel eher noch als je zuvor zu halluzinierenden Meditationen über einen übergeordneten Glauben. Denn darum geht es OM auch auf ‚Advaitic Songs‚ wieder, einen Glauen an sich, nicht notwendigerweise die Religion(en) dahinter. Deswegen ist es auch kein Widerspruch, dass auf dem Albumcover Johannes der Täufer prangert, während der Albumtitel konkret auf die hinduistische Advaita Vedanta hinweist, Kate Ramsey im Opener ‚Addis‚ das Mahamrityunjava ausbreitet. Al Cisnersos öffnet dazu im unverkennbaren Tanceballanceakt zwischen Gesang und schwerfälligen Sprechrezitation seine Schwingen, manifestiert undefinierbare Prophezeiungen: „Traveler now reach the stream/ The astral flight adapter/From the pain-sheath life ascends – the Non-returner sees.“ Was der Hörer aus dieser Sogwirkung an Spiritualität und Geistlichkeit aufnimmt, wohin ihn die Reise trägt, überlassen Cisneros und Amos jedem selbst, sie formulieren mit OM nur den musikalischen Leitfaden, das Mantra ins Nirwana.

Dabei öffnen sie sich immer weiter den Stilmöglihkeiten: die doomige Metalwalze von ‚State Of Non-Return‚ ist irgendwann zu brachial für die erhabene Violinen und Klaviermelodie, die es beherbergt, dem Cello haben OM mittlerweile in jedem Song einen prominenten Platz eingeräumt. Flöten dösen und das indische Tabla allein sorgt für Mystik, einzelne Beckenschläge durchdringen die eindringliche Atmosphäre schwerfällig, Bässe dröhnen hypnotisch. Von Beginn an verfällt ‚Advaitic Songs‘ in einen Rausch, das abschließende  Trio ‚Gethsemane‘, ‚Sinai‚ und ‚Haqq al-Yaqin‚ treibt die Intensität trotzdem noch auf die Spitze, teilt sich gar brüderlich 32 Minuten, in denen OM ihr eigenes Genre näher zur Perfektion gedeihen lassen: die fernöstlichen Einflüsse erschaffen einen ganzheitlichen Strudel, ‚Advaitic Songs‚ wird mit bedrohlicher und gleichsam freidfertiger Atmosphäre eine spirituelle musikalische Erfahrung in die  fließende Stoner- und Doomewigkeit. ‚Advaitic Songs‚ löst damit auch das Versprechen ein, das ‚God is Good‚ vor drei Jahren gegeben hat: Mit Cisneros und Amis hat zusammengefunden, was zusammengehört, OM sind auf dem vorläufigen Zenit ihrer Schaffenskraft angelangt.

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