Superfood – Bambino

von am 7. Oktober 2017 in Album

Superfood – Bambino

Zurück auf Start: Superfood positionieren sich mit ihrem Zweitwerk – oder eher ihrem zweiten Debüt? – Bambino als Vertreter einer Generation, für die die 90er bereits Retro sind und ein bunt zusammengewürfeltes Songsammelsurium im Streaming-Zeitalter über dem kohärenten Albumfluss stehen darf.

Damit es so weit kommen konnte, mussten die Engländer jedoch erst einmal ihr erstes Album Don’t Say That überleben: Chronische Pleite und Streitigkeiten mit der Plattenfirma führten nicht nur zum Ausstieg der halben Kombo, sondern auch zu einer markanten Stil-Neujustierung, die Dom Ganderton und Ryan Malcolm als Idealisten mit langem Atem ein ganzes Stück weit hinaus aus der gitarrenlastigen Indie-Ecke führen sollte.
Klar klingen Superfood auch auf Bambino dann und wann noch nach dem Debüt (Need a Little Spider lüftet seinen Madchester Drive etwa mit infektiös-entwaffnendem Zug), auch ganz grundsätzlich findet sich die hippiesk-lässige Leichtigkeit von Birmingham Kumpels wie Peace (zum Beispiel in der verträumten Pop-Skizze Lov), wo das bekannte Gespür für griffige Refrains und catchy Melodien ohnedies weiterhin um jede Ecke schwanzelt.

Aber es ist dann eben doch ein ziemlich erfrischender Zugang zu neuen Eindrücken, mit dem Superfood ihren bisherigen MO auflockern, mit zahlreichen Samples und umgänglichen Club-Field Recordings spielen, eklektische Referenzen nicht nur am passgenauen Artwork verflechten, sondern das Spektrum ganz generell um deutliche Ska-, Dub- und grundsätzlich tanzbarere Elemente erweitern – Bambino springt in dieser Auslage munter zwischen seinen Vorlieben und Genres umher.
Where’s the Bass Amp? klingt deswegen funky groovend wie Beck’s Sex Laws, feiert betont unbeschwert, überzeichnet und kunterbunt, bevor I Can`t See mit tropikaler Entspanntheit den reggae-affinen 90er-Hit und nonchalant aus der Hüfte tröpfelnder Ohrwurm macht, oder der hibbelige Shaker Unstoppable mit Harmonika wie eine frühe Gorillaz-Nummer die Charts knackt.
Es gibt geschmeidige Singalong-Trips mit kurzweiligen Disco-Licks, Handclaps, Sonnenschein und Kinderchor (Natural Supersoul) ebenso selbstverständlich wie relaxten Nostalgie-Lounge-Pop, der durch die 70er bis zu Hip Hop-Ansätzen schlendert und dann doch in den Abendhimmel tanzt (Raindance), oder geschmeidige Trip Hop-Versatzstücke, die jedes Indieradio um den Finger wickeln sollten (Double Dutch).
Einen Hehl aus seinen Vorbildern macht das freigeistige Songwriting und ungebremste Soundamalgam dabei nie: Shadow ist ein bassgrummelnd getriebener Dancerocker, den Kasabian nie derart niedlich ausgeleuchtet streicheln würden – Jagwar Ma hingegen schon; Witness kennt die frühen BlurAlben auswendig und hat sogar eine Art Solo im Ärmel; Clo Park steht offen zu seinem Faible für Tame Impala.

All diese Impressionen mögen dabei vielleicht manchmal spielzeittechnisch entweder zu ausführlich der allgegenwärtigen Eingängigkeit fröhnen, an anderer Stelle wieder nicht immer restlos befriedigend zu Ende gedacht sein, sondern hier und da etwas zu unentschlossen und beliebig der unangestrengten Spontanität folgen, wo ganz allgemein eine merkliche Spannbreite bezüglich  der Qualität der Songs vorhanden ist.
Der große Trumpf einer hinsichtlich seiner variablen Unbändigkeit nichtsdestotrotz relativ homogenen Platte (inklusive den Gesamteindruck abrundenden Spielereien wie dem pluckernden Elektro-Interludes des verspultes Wibble Mtn oder die tiefenentspannte Slap Bass-Träumerei C is for Colour, die durchaus etwas vom Intermission-Charakter des Thundercat-Space Jazz offenbahrt) ist aber ihr so herrlich gelöster Umgang mit all den ungezwungen aufgetanen Freiheiten.
Bambino klingt wie der übermütige Erkundungstrip einer so talentiert wie ballastfrei aufspielenden Band, die sich zwischen all den anachronistischen Perspektiven nicht entscheiden will (und eigentlich auch nicht muss), grundsätzlich aber keine Präferenzen nach marktwirtschaftlich Motivationen verfolgt, sondern die Fell Good-Hits und Sommer-Ohrwürmer angenehm naiv wie nebenbei abzuwerfen scheint – ohne, dass der mangelnde Tiefgang dabei auch nur ansatzweise stören würde, weil Bambino einfach Spaß macht. Alleine insofern sehr schön, dass Superfood überlebt haben.

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