The Evens – The Odds

von am 23. November 2012 in Album

The Evens – The Odds

The Odds‚ sagt mit den Mitteln des Folk noch fromvollendeter als all seine Vorgänger ja zum „Post-Post-Hardcore„. The Evens reklamieren hiermit endgültig einen Platz in der Reihe der rundum erhabenen Ian MacKaye-Bands für sich.

Wahrscheinlich haben einen ‚The Evens‚ und ‚Get Evens‚ einst einfach ein wenig auf dem falschen Fuß erwischt. 2005 bzw. ein Jahr später schien eine neue Fugazi-Platte eben nicht derart abwegig, wie das über ein Jahrzehnt nach ‚The Argument‚ der Fall ist, vielleicht war man deswegen von der spartanisch inszenierten Interessen-Überkreuzung von knarzigen Folk(pop) und umständlichen Waldhütten-Hardcore ein wenig enttäuscht. 6 Jahre nach der letzten Platte und knapp zwölf Monate nach der Ankündigung mittel ‚2 Songs‚, dass da auch im dritten Anlauf ziemlich sicher (wieder) Großes folgen würde, hat die Euphorie, welche ‚The Odds‚ empfängt nun auch so gar nichts mit geschrumpften Erwartungshaltungen zu tun, sondern eher mit dem stillen Wachstum der bisherigen The Evens-Platten in der Zwischenzeit zu tun.

Vor allem trifft ‚The Odds‚ deswegen auf offene Ohren, auch und vor allem, weil nahezu alles beim alten für das gemischtgeschlechtliche Liebes-Duo geblieben ist: Straight Edge-und-Mehr-Ikone MacKaye schrammelt drängende Hinerrücks-Melodien auf seiner tiefen Bariton-Gitarre, die immer noch stets die Vermutung zulassen, dass da mit gar nicht soviel mehr Willen zum Konsens richtig feine Popsongs heraus geschaut hätten. Die ehemalige The Warmers-Schlagzeugerin Amy Farina unterbaut diese mit Rhythmen, die mehr nach versierten und ausgefuchsten Stolpern klingen, denn nach White Stripes-Rock, aber insgeheim mindestens genauso effektiv sind  – überhaupt wäre der Weg zu Fugazi damit in Summe kein allzu weiter. Gemeinsam trägt das Paar ihr politisch motiviertes Herz immer noch auf der Zunge; er auf der charakteristisch aufgeraut nölenden; sie auf der betörend kontakarierend eleganten. Verschmilzt das wie im  einleitenden ‚King of Kings‚, entfalten The Evens nach wie vor eine besondere, unnachahmliche Strahlkraft. Und dennoch: so homogen, stringent und mit zwingenden Ideen vollgestopft haben die beiden das selbst auf den vor allem im Rückblick ganz fantastischen Vorgängern nicht hinbekommen.

Das sanfte Barpianogeklimper samt nachsetzenden Trompetenphrasierungen hätte es im funkig groovenden ‚Competing with the Till‚ also gar nicht gebraucht um die Aufmerksamkeitsspanne permanent aufrecht zu halten, eine auflockernde und willkommene Exkursion in den loungigen Partysaal ist es dennoch. Doch auch abseits davon bleibt ‚The Odds‚ stets spannend, gar fordernd, und variiert mit durch die Bank grandiosem Songwriting das eigentlich eng gesteckte Soundkorsett: ‚I Do Myself‚ schleppt sich tottraurig nahe am Blues vorbei, ausgerechnet der ausladende Jam des filigran stampfenden‘Broken Finger‚ macht seine Sache dagegen geradezu frontal agierend. Dass die bekannten ‚Warble Factor‚ und der Melancholiefeger ‚Timothy Wright‚ heimliche, aber umso bissigere und aufs wesentliche reduzierte „Folkrockhits“ (nun ja) sind, weiß man eben schon länger, dass der Rest in Sachen Melodiereichtun, Spielwitz und Dringlichkeit mindestens mithalten kann, darf dann aber doch begeistern, wenn schon nicht überraschen. Ebenso wie die Epiphanie, dass The Evens in der in jüngerer Vergangenheit anhaltenden Schwemme aus folkigen Reduktionsrock mühelos an vorderster Front voran. Und Ian MacKaye damit sogar vor sieben Jahren eigentlich wieder einmal seiner Zeit voraus war.

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