The Futureheads – Rant

von am 4. April 2012 in Album

The Futureheads – Rant

Die Futureheads machen Nägeln mit Köpfen und werfen alle Instrumente für ein Acapella-Album über Bord, das neben eigenen Stücken das Talent der Engländer unterstreicht, Fremdkompositionen eindrucksvoll zu assimilieren.

Ein wenig können einem die Futureheads doch tatsächlich leid tun: Mit dem so famosen selbstbetitelten Debütalbum preschte man 2004 als ADS-Fall des sogenannten „England Brennt„-Zeitgefühls nicht nur dank ‚Hounds of Love‚ in die erste Riege britischer Jungspunde, die es wissen wollte. Dass ‚News and Tributes‚ dann ein verfahrener Schnellschuß ohne großartige Substanz war, hat der brav im Zweijahresrhythmus folgenden Veröffentlichungsschiene der Band wohl nachhaltig geschadet, weil: Schlecht waren weder ‚This is Not The World‚ noch ‚The Chaos‚ beileibe nicht, tatsächlich sogar wieder eine phasenweise Annäherung an die sensationellen Anfangstage der Band, nur – interessiert hat das da schlicht schon kaum mehr jemanden. Um die Sache wieder zu richten, dafür ist ‚Rant‚ nun natürlich alleine aufgrund seiner Konzeption viel zu schrullig und mit dem Massengeschmack zu inkompatibel, wahrscheinlich ist es sogar das erste Album der Band, das keinen einzigen Song in den Charts landen wird.

Wie schon auf ‚The Futureheads‚ kann auf ‚Rant‚ keiner der vier Sunderlander seinen Mund halten, diesmal jedoch wird dies in letzter Konsequenz verweigert: Ein Acapella-Album also mit alten Hits wie ‚Meantime‚, dem jedweder instrumentale Background ausgezupft und durch Harmoniegesang und chorale Ausflüge ersetzt wurde. Ganz famos gelingt das im passend betitelten ‚Acapella‚, in dem die vier Stimmen Beat- und Melodie gleichzeitig stemmen und freudig strahlend vor sich her strampeln. Oh-Ohs und Ah-Ahs an allen Ecken. Das ist großer Sport und die Futureheads wissen genau was sie tun, da ist immer wieder die Hektik, welche die Engländer über ihre Instrumente gerne praktizieren, handwerklich perfekt gemacht und über die natürlich zwangsläufig folgende Monotonie der Platte doch erstaunlich vielschichtig und kurzweilig über die erste Überraschung unterhaltend. Man höre nur das abschließende Glanzstück ‚Man Ray‚ mit seinen Handclaps und Beatboxansätzen – Zeit, mal wieder ‚The Futureheads‚ rauszukramen, eigentlich.

Wobei ‚Rant‚ natürlich abseits der stimmlichen Spielereien das Songwriting seiner Bestandteile hervorkehrt: Dass ‚Thursday‚ der beste Song auf ‚News and Tributes‚ war und ist, muss man eigentlich nicht noch einmal erwähnen, bekommt die Erkenntnis jedoch 2012 noch einmal aufs neue vor den Latz geknallt. ‚Robot‚ verliert auch in destilierter Form nichts von seinem Sturm und Drang, ‚Beeswing‚, no na, swingt an den Comedian Harmonists vorbei. Und natürlich sind es neben eigenen Nummern die Coverversionen, die ‚Rant‚ auszeichnen: Egal ob Traditionals (‚Summer is Icumen In‚) oder Sparks-Poprock (‚The Number One Song in Heaven‚) zu Grunde liegen, das passt perfekt ins Konzept. Manchmal sogar mehr als nur das, denn wenn ein Black Eyed Peas Song wie ‚Meet Me Halfway‚ auf einmal wie die wunderbarste Melancholiesuhle der Welt erscheint, dann ist das eigentlich schon wieder richtig große Kunst. Und leid brauchen die Futureheads dafür natürlich niemanden zu tun.

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