The Kooks – The Best Of… So Far

von am 29. Juni 2017 in Best of

The Kooks – The Best Of… So Far

Die Kooks mögen jahreszeitentechnisch den nahezu idealen Zeitpunkt gewählt haben, um ihr (optimistisch bloß als vorläufige Zusammenfassung deklariertes) Best of aufzufahren, können jedoch auch mit den Vorzügen eines sonnigen Sommers im Rücken kaum kaschieren, das ihnen nach ihrem Debüt nur noch wenig nachhaltig Relevantes gelungen ist.

Die besten Phasen einer ihren Zweck als Best of/Greatest Hits-Sammlung absolut effektiv erfüllenden Compilation mag es zwar durchaus gelingen, diese markanten Schönheitsfehler der Kooks-Discografie bis zu einem gewissen Grad zu kaschieren, doch genau genommen unterstreicht The Best of… So Far die Tatsache sogar noch einmal, dass es mit den ambitionierten Indie-Poppern nach ihrem traumhaft entwaffnenden Einstand von 2006 leider schnell bergab ging.
Immerhin stammen mit Naïve, She Moves in Her Own Way, Sofa Song, You Don’t Love Me, Ooh La, Eddie’s Gun sowie den beiden Non-Single-Ohrwürmern Seaside und Matchbox nicht nur die klar besten Songs dieser Compilation allesamt von der bis heute erfrischend unbeschwert daherkommenden Hitschleuder Inside In/Inside Out – sie stemmen auch gleich einen Großteil der 18 Song starken Trackliste von The Best of… So Far. Eine Gewichtung mit Aussagekraft.

Das restliche Quasi-Füllmaterial präsentiert sich rund um Semihits wie Always Where I Need to Be oder Shine on im stimmig zusammengestellte Fluss von The Best of… So Far zwar absolut gefällig, doch können die versammelten Songs des bemühten Konk (2008), des verkrampften Junk of the Heart (2011) und des verzweifelten Funk-Elektro-Unfalles Listen (2014) trotz einiger starker Szenen allesamt nicht das Niveau von Inside In/Inside Out halten und drücken die Qualität der Songsammlung.
Freilich: Die Melodien bleiben zwar stets eingängig und liefern nahezu ausschließlich solide Ohrwürmer, doch zünden sie nicht mehr derart unbeschwert, erfrischend, unschuldig, nonchalant und liebenswert, sondern dümpeln vielmehr zwischen einer belanglosen Beliebigkeit und einer an der Aufdringlichkeit schrammenden Egalität.
Symptomatisch steht dafür auch Be Who You Are, die erste von insgesamt zwei neuen Nummern: Der Versuch Pritchards „den alten Sound der Band zu reproduzieren“ scheitert, weil es den Kooks trotz catchy am Reißbrett zusammengeschraubter Brechstangenfröhlichkeit mittlerweile eben an jeder Leichtigkeit fehlt. Da wirkt das ohne ansteckende Inspiration bluesig in die Richtung von Listen stampfende Broken Vow doch deutlich solider und authetischer.

Ohne all die restlichen ermüdenden Ausfälle, die sich auf den vergangenen drei Kooks-Studioalben sonst noch angesammelt haben, funktionieren deren hier aufgefahrene Highlights im Kontext von The Best of… So Far sogar durchaus besser, als man die Nummern in der Erinnerung abgespeichert hat – sie laufen als notwendiges, niemandem wehtuendes Übel souverän durch den Hintergrund, während die Inside In/Inside Out-Vertreter die Glückhormon-Skala auch heute noch nach oben schießen lassen.
Weswegen die Zielgruppe der Compilation schnell geklärt ist: Wo die beiden neuen Songs von The Best of… So Far als bestenfalls enorm durchschnittliche Nostalgie-Momentaufnahmen Langzeitfans keinen gewichtigen Kaufanreiz bieten, sorgt dafür wahlweise eher die nette Beigabe der zweiten Deluxe Edition-Disc, die mit 20 Demoversionen und Alternative Takes bekannter Songs aufwartet.
Neueinsteiger können sich hingegen vom zweckdienlich abliefernden, viel regulären Leerlauf obsolet machenden The Best of… So Far leicht anfixen lassen – man bekommt rund um Stimmungsmacher wir Forgive & Forget die stärksten Songs der Kooks-Geschichte ab 2008, das schadet nicht. Nichtsdestotrotz würde aber stattdessen die ausschließliche Investition in Inside In/Inside Out noch ökonomischer ausfallen.

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