The Offspring – Days Go By

von am 24. Juni 2012 in Reviews

The Offspring – Days Go By

Das neunte Studioalbum der Altpunker ist überraschenderweise zu keinem Zeitpunkt derartig grottig, wie es die Vollkatastrophe ‚Cruising California (Bumpin‘ in My Trunk)‚ vorab versprochen hat. Nichtsdestotrotz gehen im Mittelteil die Pferden mit The Offspring durch. Darum herum klauen die Kalifornier dreist bei Rise Against, den Foo Fighters, Rebekka Black und nicht zuletzte im eigenen Schaffensfundus.

Fünf Songs lang halten The Offspring sich erstaunlich wacker. Zumindest so wacker, wie man das angesichts der ausgekoppelten Vorboten nicht von ‚Days Go By‚ erwarten hätte können. Gut, der Titelsong ist ein einziger Affront gegen die Foo Fighters, ein dreister Diebstahl von ‚Times Like These‚, dem die Flucht in Punkgefilde nicht gelingen will, weswegen man einfach auch einen bedächtigen Stadionrocker im Mid-Tempodraus macht – und obwohl man den Gänsehautfaktor wegknipst unterstreicht, dass diese Band ohnedies nie nur im Punk funktioniert hat. ‚Secrets From The Underground‚ borgt derartig viele Ideen vom eigenen ‚The Kids Aren’t Alright‘, dass The Offspring sich praktisch selbst erfolgreich verklagen könnten – aber darum herum ist das die Art unbekümmert aufgespielter Konsenspunkrock für Formatradiohörer, wie man ihn auf ‚Rise and Fall, Rage and Grace‚ und eigentlich auch auf ‚Splinter‚ zu kaum einem Zeitpunkt mehr erzwingen konnte. Da ist die Frage, ob das noch so gut wie in den 90ern sein kann ebenso obsolet, wie der Gedanke nach dem letztendlichen Mehrwert und der gern gestellt Frage: „Ist das noch Punkrock?„.

Bis zur fünften Nummer schon (auch), denn solange schrammt der zelebrierte, unverbindliche Songreigen an hittauglichem B-Seiten Niveau und potentiellem Großtatenaufguss vorbei, vermengt schon bei ‚The Future Is Now‚ eine gewaltige Portion Rise Against mit dem schon länger hinkendem The Offspring Know-How, für ‚Turning Into You‚ kommen gar noch eingängige Elektronikbeatandeutungen hinzu,  aber eben: das unterhält. Aufgewärmt und eigentlich inspirationslos, klar, aber nicht zuletzt aufgrund der aufgebauten Erwartungshaltung ist das poppiger Punkrock, der niemandem Wehtut und es sich unpeinlich im Schatten alter Klassiker bequem macht. Das funktioniert sogar soweit, dass man ausblendet, was sich da zwangsläufig noch angekündigt hat. Was sich The Offspring bei Cruising California (Bumpin‘ In My Trunk)‚ gedacht haben, wird hoffentlich auf ewig ein Geheimnis bleiben, peinlicher als es die auf Sommerhit getrimmte Partygurke bei Katy Perry, den Black Eyed Peas und all derenAutotune-Kollegen tut, kann man nicht am billigsten Radiopopairplay anklopfen. Was da fälschlicherweise als Parodie missgedeutet werden könnte, ist schlußendlich ein beschämender Schuß vor den eigenen Bug.

Für The Offspring selbst wahrscheinlich aber eher Ausdruck einer künstlerischen Entwicklung, das mit dem Augenzwinkern hat ja auch bei ‚Pretty Fly (For a White Guy)‚ so gut hingehauen und überhaupt könnte das potentiell wirklich einschlagen. Wo Grenzen schonmal überschritten sind, packen sie für ‚All I Have Left Is You‚ lange fünf Minuten an balladesk gestikulierenden Alternativepoprock der weigespültesten Sorte aus, breiten die Melodie über den sich gemächlich aufbauenden Bastelkastenaufbau aus und schaffen mit dem zweiten Eckpunkt des ‚Days Go By‚-eigenen Bermuda-Dreiecks einen idealen Rückzugspunkt für Menschen, denen die schmachtende Schnittmenge aus Linkin Park-Beliebigkeit und tranigen Neuzeit-Green Day Tränen der Glückseligkeit in die Augen treiben würde. ‚OC Guns‚ bringt schließlich Gorillaz-Beats und Mariachi Gezupfe unter der spanglishen Kiffermütze von Cypress Hill zusammen – eine interessante Konstellation, die in einem guten Song durchaus funktionieren hätte könne. Das qualitative Tal hat ‚Days Go By‚ damit hinter sich, den sinnlosesten Song allerdings noch nicht: ‚Dirty Magic‚ ist ‚Dirty Magic‚ von ‚Ignition, der Sinn hinter der Neuaufnahme des zwanzig Jahre alten Songs bleibt im Dunkeln – besser als 1992 machen The Offspring 2012 jedenfalls nichts.

Was die letzten 8 Minuten der Platte freizügig unterschreiben und damit großzügig die Kurve kratzen. Dreimal gibt es ein Dacapo der eingangs eingeführten Punkrockverträglichkeit, inklusive leicht fett-blutleerer Bob Rock Produktion und sterilem Schlagzeugsound, für den auch Studiowizard Josh Freese vorbeigeschaut hat. Da zimmern sie dann alle gemeinsam an ohrwurmtauglichen Hits, schrauben sogar noch ein kleines Highlight am Gaspedal zusammen (‚Dividing By Zero‚) und rücken Kalifornien weiter nach Chicago, als das Tim McIlrath Recht sein kann. Dabei gelingt Dexter Holland und Noodles der Kunstgriff, nostalgische veranlagte Fans mit der hochgekochten Erinnerung an alte Glanztaten an eine Platte zu fesseln, die genau das macht, was The Offspring Alben im Idealfall immer schon gemacht haben: unverfänglichen Spaß – weitestgehend zumindest. Alle weniger verklärten Hörer hingegen prangern den frechen Ideenklau an und finden die Bestätigung, dass die Hochphase dieser unwiederbringlich schon lange vorbei ist.

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