Wear Your Wounds – Dunedevil

von am 18. Juni 2017 in Album

Wear Your Wounds – Dunedevil

Allround-Künstler Jacob Bannon serviert als Companion-Piece zu seinem Bilderband Dunedevil den gleichnamigen Soundtrack, musikalisch zudem den reduzierteren Nachsatz zum erst vor wenigen Wear Your WoundsDebüt WYW.

Eine Woche lang hat sich Bannon in den C-Scape Dune Shack im Peaked Hill Bars National Register Historical District in Provincetown, Massachusetts zurückgezogen und in der poetischen, archaischen Umgebung Inspiration auf vielerlei Ebenen gefunden.
Der Aufenthalt hat neben dem knapp 300 Seite starken Bildband Dunedevil auch den dazugehörigen, gleichnamigen Soundtrack geboren: „Each day, the skeleton of a song was recorded using a portable recording device powered by a Goal Zero solar power setup. The sounds were captured through an Apogee Duet using a Critter & Guitari mini piano, Martin Jr. guitar, assorted effects pedals, and a Shure SM7B microphone. Mike Mckenzie graciously played additional guitar on “Be Still My Heart” at a later date. All songs were then refined and mixed during the winter of 2016, and mastered by Brad Boatright at Audiosiege.

Dass Dunedevil nun als kontextbasierter (aber auch gelöst vom Buch konsumierbarer) Score verstanden werden will, jedoch als Wear Your Wounds-Platte – und nicht etwa unter dem Irons-Banner oder nominelle Soloplatte – deklariert geführt wird, macht durchaus Sinn, führen die experimentell veranlagten 29 Minuten doch die abstrakte Ambient-Klangmalerei von WYW stilistisch praktisch nahtlos weiter.
Invitation lädt als unwirkliche Melange aus Field Recordings, einer hypnotisch repetierten Pianomotiv und Akustikgitarrenakkorden ein und gibt damit die Ausrichtung der melancholischen Ambientmusik vor. Auch Great White döst mollschwer über den Tasten, so dass man trotz des leise aufkommenden Noise-Hintergrunds an Joe Hisaishi im A Whisper in the Noise-Modus denken darf. Elegische, geisterhaft anmutige Klangmeere (Insects) umspülen danach unbehagliche Schönheiten (Steps) – Outsiders fühlt sich als Highlight gar an, als würde man unter Wasser treibend nach oben in den  trügerischen Sonnenschein blicken.

Dennoch lassen sich aufgrund der Entstehungsgeschichte fein nuancierte Unterschiede zwischen den Kompositionen von WYW und Dunedevil ausmachen – man meint den sieben „neuen“ Stücken die nachdenkliche Einsamkeit der Dünen förmlich anhören zu können, die Dinge bleiben minimalistisch, balladesker und unkonkret schwebend.
Die vordergründig rein instrumental gehaltenen Nummern (nur der abschließende, ein wenig aus dem restlichen Gefüge fallende Appendix Be Still my Heart klampft mit Bannons lethargischer Stimme zum Slowcore) bauen reduzierter konzipiert primär auf entschleunigte Pianoklänge außerhalb des Postrock-Universums, agieren noch gelöster von gängigen Strukturen und wirken weniger ausformuliert, stattdessen improvisierter und in sich selbst ruhend. Bannon arbeitet in der Abgeschiedenheit gelöster und freier im Wear Your Wounds-Kosmos, verliert sich dadurch allerdings auch noch weniger griffig in die Tiefen seiner Einsamkeit, driftet mit geschlossenen Augen durch ein atmosphärisches Kopfkino.
Das kann Bannon – und auch Dunedevil funktioniert damit ähnlich einnehmend gestrickt wie schon WYW. Dennoch ist dieser klanglich homogener gehaltene Nachsatz als pure Stimmungsmusik noch deutlicher auf die entsprechende Verfassung des Rezipienten angewiesen, um den Balanceakt zu schaffen: Was mit meditativer Dichte regelrecht hypnotisch in seinen Bann ziehen kann, läuft diesmal phasenweise auch öfter Gefahr, als ziellose Nabelschau zu mäandern.

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