Wolves In The Throne Room – Thrice Woven

von am 24. September 2017 in Album

Wolves In The Throne Room – Thrice Woven

Die Ambientwelten, die die Weaver Brüder 2014 auf Celestite erkundeten, haben zwar in Nuancen ihre Spuren hinterlassen, allerdings finden Wolves in the Throne Room mit Thrice Woven wieder zurück zum spirituellen Black Metal.

Dass dem autarken Gespann aus Washington die Perspektiven in angestammten Gefilden ausgegangen zu sein schienen, konnte man ihnen kaum verübeln – was sollte nach der furiosen Stafette aus Two Hunters, Black Cascade und Celestial Lineage (2011) auch noch kommen?
Erst über die Richtung Ulver meets Brian Eno blickende – wohl eben auch schlichtweg notwendige -Verschnaufpause Celestite (2014) konnten Wolves in the Throne Room wieder Blut lecken und zurück zur Lust auf die Schönheit von weitschweifenden Black Metal-Landschaften finden. Am Ende wird deswegen nach relativen 6 Jahren Auszeit vom Black Metal eine regelrecht klassische Platte der Band stehen: eine nahtlose Verdichtung von Trademarks, Motiven und bekannten Elementen, aber auch eine Hinwendung zu mehr Aggressivität zwischen den Zeilen, zielstrebiger agierenden Hebelbewegugen und 90er-Schmutz im Sound.
Bevor die Platte jedoch restlos in dieser Schiene arbeitet, holt sich Thrice Woven Inspiration von Außen, macht deutlich, dass das um Kody Keyworth markant zum Trio erweiterte Brüderduo Weaver mehr als eine Roots-Rückkehr doch auch neue Ansätze finden konnte, indem es sein angestammtes Soundbild neuen Impulsen aussetzt hat und gerade eingangs am stärksten überzeugt, indem die Band Starthilfe annimmt: Anders als auf ihren bisherigen Werken assimilieren Wolves in the Throne Room den Input ihrer Gäste diesmal nämlich weniger nahtlos in die DNA ihrer Kompositionen, sondern richten ihr Songwriting nach den Präferenzen der beiden geladenen Kooperationspartner.

Born from the Serpent’s Eye ist etwa geprägt von der andersweltartigen Anmut der Anna von Hausswolff, auch wenn Wolves in The Throne Room mit typischen Mitteln arbeiten: Weitläufig texturierte, kompakt repetierende Melodiebögen, die sich über die umschlungenen Gitarrenlagen und subtil verzierende Synthieteppiche legen, präzise von unten kommendes Schlagzeugspiel und kasteiendes Geschrei. Born from the Serpent’s Eye bolzt insofern zwar mit Blastbeats, Gekreine und Gefauche ordentlich los, fächert seine stellaren Gitarrenflächen dramatisch dröhnend auf und kippt seine epische Breite irgendwann in einen dreckig angerührten Morast aus Thrash-Elementen mit latenten Hardcore-Vibe.
Von Hausswolff lichtet diese Hässlichkeit jedoch mit ihrem ätherischen Feengesang, treibt mit verstörender Friedlichkeit durch entrückte Ambientkosmen und schwelgende Synth-Harmonien, hebt den gen Myrkur-driftenden Song auf ein anderes Niveau, bevor Wolves in the Throne Room das Terrain wieder an sich zu reißen versuchen. Noch einmal keift und böllert und tackert der Epos, schürft sich scharfkantig am Noise auf, wird aber letztendlich versöhnlich eingerahmt.

Ebenso vielschichtig und bereichernd wie die Symbiose mit von Hausswolff gerät gleich darauf die Zusammenarbeit mit Neurosis-Waldschratt Scott Kelly, der Wolves in the Throne Room für The Old Ones Are With Us an sein beklemmend glimmernder Doom-Folk Lagerfeuer einlädt, mit rostiger Akustikgitarre und wettergegärbter Stimme über Mythen vergangener Zeiten sinniert. Das ist so dunkel, beklemmend und finster wie dennoch tröstend anziehend, weil die Intimität von Kellys Stimme alleine derart nahbar in ihren wärmenden Bannkreis zieht: „Winter is dying/ The sun is returning/ The ice is receding/ The rivers are flowing„.
Trotz des grundlegendes Tempos wirkt der drückend düstere Songmonolith deswegen auch elegisch, getragen und weihevoll, bevor sich The Old Ones Are With Us mit majestätischen Streichern und pathetischen Synthies erhebt, hintergründig dick aufzutragen beginnt. Das ist großes Kino, atmosphärisch unwerfend stimmungsvoll.
Nach dieser imposanten Startphase (die zum mitunter besten gehören, was die Band bisher geschaffen hat) spielen Wolves in the Throne Room Thrice Woven beinahe im Alleingang nach Hause – nur das Interlude Mother Owl, Father Ocean äugt noch einmal zurück zu Anna von Hausswolff und sieht eine mit Harfen verkleidete Landschaft, die an die Celestite-Dystopien erinnert. Allerdings kann das sechste Studioalbum der Band das über die ersten beiden Tracks – oder 19 Minuten – etablierte Level in dieser Phase bereits nicht mehr gänzlich halten, scheitert aber eben nur an sich selbst und den installierten Standards.

Angrboda hat einen garstigen Zug mit apokalyptischen Psychose-Gitarren, folgt einem dissonanten Wellengang und schwillt pestbeulenartiug an und ebbt wieder ab, eine simple Melodiefolge kriecht über schimmernden Synthies in die Ethno-Passage des nordischen Songs, bevor sich Wolves in the Throne Room sinister durch den für sich genommen organischst gewachsenen Songfluss schleppen. Fires Roar in the Palace of the Moon poltert dagegen umso martialischer los, liebäugelt klaustrophobisch galoppierend mit einer 80er-Industrial-Kante, bevor der Closer doomig, episch und elegant auszubluten darf, im Grunde aber über knapp 12 Minuten nie wirklich zu einer unbedingt befriedigenden Epiphanie finden will und seine verschiedenen Parts (wie Thrice Woven phasenweise generell) nicht restlos homogen überleitend und ohne abrupt erkennbare Schweißnähte arrangieren kann.
Auch dank der gewohnt starken, seltsam verwaschenen und undurchsichtig schimmernden Randall Dunn-Produktion sind selbst diese beiden Songmonolithen freilich mühelos überzeugende Wolves in the Throne Room-Heimspiele, die das Repertoire der Band variabel deklinieren und scheinbar auf Autopilot antauchen. Jedoch verschwimmen die Konturen durch die strukturell immer ähnlich scheinende Beschaffenheit der Songs gleichförmig und etwas zu vorhersehbar, das überwältigend spezielle Momentum will sich nicht einstellen. Vielleicht lassen sie hinten raus aber auch einfach nur die Überraschungen fehlen, die Thrice Woven als neuerlichen Triumphzug der Band eingangs in Aussicht stellte, letztendlich aber eben „nur“ als rundum starke Discografie-Ergänzung und enorm effektive Rückkehr zur alten Form (und im Detail darüber hinaus) einlöst.

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