Wovenhand – The Laughing Stalk

von am 10. September 2012 in Album

Wovenhand – The Laughing Stalk

Die Phase der Rekapitulation ist vorbei, David Eugene Edwards unterzieht Wovenhand im zehnten Jahr einer massiven Frischzellenkur und erfindet seine Band so ein Stück weit als kraftvolle Rockband neu.

Natürlich ist das noch zu jeder Sekunde unverkennbar Wovenhand, jene Band, die einem nun schon seit einer Dekade über das Ableben von Sixteen Horsepower hinwegtröstet. ‚The Laughing Stalk‚ aber ist nun auch die Initialzündung, um entgültig aus deren Schatten zu treten, selbst, wenn es vielleicht nie möglich sein wird, über Wovenhand zu schreiben, ohne jene Band und Blaupause für alle apokalyptischen Country-Gruppierungen da draußen zu erwähnen, aus deren Asche einem Phoenix gleich die zweite große Kombo im Leben des Wanderpredigers David Eugene Edwards entstiegen ist. Was auch nicht zwangsläufig notwendig ist, bedenkt man, das nicht zuletzt Edwards selbst diesbezüglich keineswegs klare Trennlinien zieht, wovon allein die Setlisten seiner spirituell verankert dargebotenen, musikalischen Messdiensten gleichkommenden, intensiv zelebrierten Liveauftritte bezeugen.

Genau an diesem Punkt will ‚The Laughing Stalk‚ nun ansetzen, indem es die Live-Wucht der Band auf Tonträger bannen soll. Unter diesem Vorsatz ist das siebte Album der Band nun tatsächlich ein markanter Einschnitt in der Discographie des drahtigen Mannes aus Colorado geworden: nie hat eine seiner Platten direkter zugepackt, kräftiger in die Vollen gelangt und ja, nie hat er eine derart unverhohlen rockende Platte abgeliefert. Aber eben freilich alles nach Wovenhand-Maßstäben. So ist der Rock hier kantiger Nährboden für Edwards, um seine Country- und Americana-Aplträume – die wieder inbrünstig von Tod und Verderben, von Schuld und Sühne, von Hoffnung und Vergebung erzählen – über denen die predigende Stimme des rastlosen Gottesmannes nach wie vor unheilschwanger thront, in weitere Gefilde auszudehnen und neue Einflüsse zuzulassen in den roh ausstaffierten Songs.

Dafür mitverantwortlich: Einstürzende Neubauten-Mann Alexander Hacke wurde als Produzent an Bord geholt, hat Songs wie dem mit Metalgitarre um die Ecke biegenden ‚King O King‚ im warm ausladend aber doch aufs notwendigste reduzierten Klang eine psychedelische Schlagseite gegeben, die Rockabilly Ausrichtung der Sechssaiters in ‚Long Horn‚ uneigennützig in die Auslage gestellt. Der Neuzugang am Produzentenstuhl vervollständigt die Neuerfindung Wovenhands abseits der endgültig veränderten Namensschreibweise, Edwards war beinahe in letzter Konsequenz beinhart, hat von seiner bisherigen Band nur Schlagzeuger Ordy Garrison in der Band behalten, Langzeitweggefährte Pascal Humbert sowie Jeff Linsenmeier gegen Chuck French und Gregory Garcia Jr.ausgetauscht. Die Auswirkungen auf die Schwerpunkte sind eklatant: die Gitarren heulen schonmal auf, bratzen gegeneinander ausgemergelt an. In keiner Konstellation zuvor war jedoch der Rhythmus derart wichtig und prägnant im Vordergrund, wie spätestens das fulminante Trio aus dem auf dem treibenden Schlagzeug fußenden und an OM heranreichenden ‚Closer‚, dem pianountergrabenen Schamanentanz ‚Maize‚ und dem stoisch, nicht zuletzt an die dominierende Percussion von ‚Live at Roepaen‚ angelehnte ‚Coup Stick‚ – welches ihm Hintergrund gar einen Wall-of-Sound-Shoegaze-Auflauf der Gitarren andeutet- vorführt, . Im überschwänglich galoppierenden ‚In the Temple‚ manifestiert sich demgegenüber handfester Orgel-Soul in einer selten gehörten Unbefangenheit, ‚As Wool‚ kurbelt das Soundbild mit schweren Stoner-Gitarren und polternder Punkfärbung an.

Es ist eine homogene und vollkommen nachvollziehbare Facettenneufärbung die auf ‚The Laughing Stock‚ stattfindet, sie verlangt dabei nur marginales Umdenken und entwickelt doch die größtmögliche Effizienz. Diese neu freigesetzte Energie, die David Eugene Edwards und seine Gefolgsmänner auf ‚The Laughing Stock‚ vermitteln, die Wovenhand zwei Jahre nach ‚The Threshingfloor‚ und einem eindringlich unter die Haut gehenden Livealbum sowie der annähernd als Best-of funktionierenden Textsammlung und Songumdeutung ‚Black of the Ink‚ ist es, die einer drastischen Zäsur das bisher kurzweiligste Wovenhand-Album  folgen lässt. ‚Glistening Black‚ überblickt die Errungenschaften von ‚The Laughing Stalk‚ zusammenfassend, ist eindrucksvoller Schlußpunkt und entlässt aus einer einnehmenden Frischzellenkur, einem beinahe experimentellen Werk für Edwards. Die Zukunft für Wovenhand ist dabei vielleicht noch immer vom Staub der verbrannten Erde verdeckt und stockdunkel – aber auch spannender, als je zuvor.

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