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2021: 20 Kurzformate

Kurzformate

Zwei Plätze hier müssten theoretisch für Beach House und ihre bisherigen Teilstücke von Once Twice Melody reserviert sein – praktisch aber erfolgt an dieser Stelle diesbezüglich nur die Anmerkung, wie fein es ist, dass sich der gerade 2020 oft bemerkbare Trend, seine Alben vorab in EP-Häppchen zu veröffentlichen, dieses Jahr gefühlt nicht durchgesetzt hat.

Wo derartig portionierte Releases von etwa Beach House oder aber auch Turnstile hier trotz ihrer Qualitäten ebenso außen vor bleiben wie starke Singles von u.a. Chelsea Wolfe & Emma Ruth Rundle oder Billy Strings & FencesVUG, Cloud Rat, Devil’s Witches, American Football oder den sensationellen, bisher sträflich übersehenen Leafdrinker, gab es am Sektor des kontextuell grundsätzlich auf kompakte Spielzeiten ausgelegten Formates 2021 auch so einige tolle Veröffentlichungen – wenn auch subjektiv nicht in einer derartigen Fülle wie in den vergangenen Jahren.

| HM | Kurzformate  | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 – 01  |

Ashbreather – „Ow, My Eye“

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Ist das groteske Artwork von “Ow, My Eye” womöglich das seriöseste Element einer Platte, die ihren progressiven Sludge Metal mit avantgardistischer Kante bis zum Funk und Crossover-Rap dirigiert und dabei gefühlt vom Nu Metal- über Death-Versatzstücke unzählige Elemente assimiliert? Keine Ahnung, aber es funktioniert mit humoristischem Ernst und kaum zu bändigender Kreativität absolut eigenwillig und zwingend: Diese Kanadier haben einfach ein Auge für unkonventionelle Tabubrüche.

Benny the Butcher & Harry Fraud – The Plugs I Met 2

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The Plugs I Met 2 dreht sich keinen Strick daraus, dass das eigentlich auf Albumformat stattfindende Sequel dem Original von 2019 nicht ganz auf Augenhöhe begegnet: Die Kooperation von (einem wie meistens herausragenden) Benny the Butcher und Harry Fraud, der diesmal für die gesamte Produktion verantwortlich zeichnet, lehnt sich auf einem smoothen Level zurück und liefert mit dem entspannt unspektakulären East Coast Gangsta Rap vor der Scarface-Skyline einen elementaren Baustein für ein ereignisreiches Jahr der Griselda-Bande.

Cult of Luna – The Raging River

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Mit dem Engagement von Mark Lanegan haben Cult of Luna sich einen lange gehegten Traum erfüllt. Dennoch ist Inside of a Dream die relative Schwachstelle von The Raging River (auf dem das Niveau des überragenden A Dawn to Fear von 2019 beinahe gehalten wird). Warum scheint logisch: Auch wenn Fans von Mariner das bestreiten werden, haben die Schweden ihre Formel als aktuell beste Band des Genres einfach derart perfekt verinnerlicht, dass externe gesangliche Einflüsse die zuverlässige Effektivität ihres Post Metal höchstens verwässern kann. Die angekündigten Features auf dem kommenden The Long Road North machen einem da trotzdem (oder gerade angesichts der Verortung von Colin Stetson und Mariam Wallentin) keinerlei Sorgen.

Five Pebbles – forgetmenot

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Was ist dran, am elf Tage vor Weihnachten erschienenen rym-Hype aus dem Umfeld des schwedischen Mysteriums Sputnik (Weatherday, Lola’s Pocket PC, Rana Plastic Bubbles): Scharfkantig im LoFi dröhnender Shoegaze und Noisepop, der mit der Indietronica-Breitwandorchestrierung beinahe ebenso sehr liebäugelt, wie mit einer melancholischen Euphorie in den bittersüß himmelstürmenden Melodien sowie einer immanenten japanophilen Ästhetik. Also wider Erwarten doch sehr viel.

Fossilization – He Whose Name Was Long Forgotten

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Was man bei dem malträtierenden Death Doom dieses Jupiterian-Nebenprojektes neben all den sludgigen Melodiebögen, dem bedrohlichen Basssound, der ebenso misanthropisch schleppenden wie zäh rasenden Geschwindigkeit sowie dem auswringenden Cave-Gebrülle beinahe übersehen kann, ist die poetische Ader, mit der Fossilization sich in der Apokalypse suhlen.

Heka – (a)

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Ambient im LoFi verwaschenen Bedroom Folk-Pop kann die längst in London lebende Italienerin Francesca Brierley aka Heka einfach mit bezaubernd unangestrengt wirkender Nonchalance und Zuverlässigkeit – auf (a) sogar mit einem noch homogeneren, ganzheitlicheren Spannungsbogen ausgestattet als bisher. Unspektakulär wundervoll, distanzlos.

Jungstötter – Massifs of Me

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Fabian Altstötter alias Jungstötter setzt sich für zwei neue Songs sowie zwei Love Is-Interpretationen ans Piano und vermittelt einen Eindruck davon, wie Black Midi in ihren ruhigen Momenten mit der Hingabe an die melancholische Schönheit klingen könnten – oder gar eine alternative Zeitlinie für Scott Walker erträumend?
Dabei braucht es die Krücken der ständigen adelnden Vergleiche eigentlich längst nicht mehr – Massifs of Me ist ganz für sich stehend einfach zum Niederknien geraten.

Keeper – MMXXI

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Keeper entledigen sich angestauter Altlasten aus dem Jahr 2017, die andere Bands keine Sekunde in den Archiven versauern lassen würden: Die zwei bockstarken Songs von MMXXI bedienen den Standard der Band absolut mühelos und rufen praktisch aus dem staubfreien Stand heraus in Erinnerung, warum Penny Keats uns Jacob Lee seit jeder einen tonnenschweren Stein im Doom-Brett haben.

Knocked Loose – A Tear in the Fabric of Life

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Knocked Loose machen den Spagat, indem sie ihre bisherigen Stärken mit destillierender Intensität fokussieren, ihren Sound gleichzeitig aber auch auf eine breitere Basis heben und das Spektrum, in denen sich ihr Metalcore bewegt, eindrucksvoll erweitern.
Spätestens jetzt gilt (freilich auch in Anbetracht der Umstände): Sollten Every Time I Die tatsächlich Nachfolger auf dem Thron benötigen…

Takafumi Matsubara – Mortalized (Poison EP)

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Takafumi Matsubara nimmt sich sechs Song-Ideen noch einmal zur Brust, die ihm in ihrem unvollendeten Zustand nach dem Aus von Mortalized keine Ruhe gelassen haben und vollendet sie mit einer befreundeten Allstar-Riege um Mitglieder von Palm, Swarrrm, Wormrot oder Gridlink. Und am Ende steht plötzlich keine Ausschussware (wobei: gibt es sowas bei Matsubara überhaupt?) sondern ein absolutes Grindcore-Juwel der Sonderklasse.

Miguel – Art Dealer Chic Vol. 4

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Über vier Jahre sind seit War & Leisure mittlerweile vergangen – ein längerer Zeitraum, als je zuvor zwischen zwei Miguel-Alben. Da kommt zumindest die Fortsetzung der Art Dealer Chic-Reihe als Methadonprogramm gerade recht, auch wenn vier Ohrwürmern (zumindest die Hälfte davon auch potentielle Singles) etwas im Schatten der Überhits des Schwerenöters stehen – und die eigentlichen Hauptdarsteller hier sowieso ziemlich deutlich Julia Roberts und Clive Owen sind.

Emma Ruth Rundle & Thou – The Helm of Sorrow

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Thou und Emma Ruth Rundle hätten also noch das nötige Material in der Hinterhand gehabt, um das 2020er-Highlight May Our Chambers be Full aufzufüllen. Dass es die drei Originalsongs plus eine Erinnerung daran, wie gut die Cranberries waren, leicht verspätet (bzw. editionsbedingt simultan) und separat veröffentlicht gab, geht aber absolut klar.

Serpent Column – Katartisis

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Serpent Column sind auch auf Albumlänge eine furiose Band (?), doch es ist das EP-Format, in dem Theophilos und Maya Chun ihren herausragenden Status im math-affinen Black Metal zementieren. Dass das den Screamo und die strukturelle Vertraulichkeit mit harschen Sound-Entscheidungen attackierende Katartisis zudem auch noch den mutmaßlichen Schwanengesang einer bestechenden Diskografie darstellen könnte, würde nur sein Übriges zum mysteriös anvisierten Legendenstatus des Gespanns beitragen.

Sivert Høyem – Roses of Neurosis

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Bevor wir uns wieder in die vorsichtige Vorab-Euphorie ob der anstehenden Rückkehr von Madrugada zuwenden, sollte noch einmal in Erinnerung gerufen werden, dass Høyem hier zwischen Father John Misty und Beach House romantisierend die Latte für das Comeback seiner Stammband nicht nur ziemlich hoch gelegt hat, sondern mit Queen of My Heart mindestens einen der schönsten Songs des Jahres (wenn nicht gar seiner ganzen Karriere) aufgenommen hat.

Soul Glo – DisNigga, Vol. 2

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Den auflodernden Hype um Songs to Yeet at the Sun aus dem Vorjahr konnten Soul Glo trotz konstant bleibender Releasefrequenz gefühlt nicht halten. Dass das DisNiggaDoppel mit markant reduzierter (medialer) Aufmerksamkeit bedacht wurde, ist aber ein nicht zu verzeihendes Versäumnis. Immerhin zeigt gerade der zweite Teil der beiden EPs die Hardcoreband aus Philadelphia auf der Höhe ihrer Kunst, ohne stilistische Ablenkungen abseits des aggressiven Ventils.

Sour Widows – Crossing Over

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Der irgendwo getätigte, absolut zutreffende und deswegen an dieser Stelle auch einfach übernommene Vergleich, dass Sour Widows auf ihrer zweiten EP wie das Ziehkind von Duster und Big Thief auftreten, adelt das Songwriting des kalifornischen Trios genau genommen schon merklich über Gebühr. Daher die tatsächlich vorhandene Qualität dabei aber nichtsdestotrotz mehr als stimmt, und Sour Widows sich seit ihrer Gründung auch im merklichen Wachstum befinden, ist das einfach nicht die schlechteste Verortung.

Spirit Adrift – Forge Your Future

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Während Gatecreeper früh im Jahr aus den Boxen geplatzt sind, setzen Nate Garrett und Marcus Bryant den mit Enlightened in Eternity begonnenen neuen Lebensabschnitt von Spirit Adrift ohne falsche Hast fort und schmieden sich eine Zukunft, die weit vom angestammten Doom Metal strahlt: Heavy Metal mit epischer Klasse, geschult von Ozzy und Maiden, geht Spirit Adrift mittlerweile so selbstverständlich von der Hand, dass es schlichtweg zeitlos ist.

Subterrenean – A Myriad of Eyes

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Auch in einem eindrucksvolleren Funeral Doom-Jahrgang als dem ernüchternden 2021 wäre A Myriad of Eyes als Highlight hervorgestochen. Und das, obwohl die zweite EP von Lykos unter diesem Banner nach über sieben Jahren Wartezeit genau genommen wieder nur als Demo firmiert.
Aber ganz imEernst: So lehrbuchmäßig diese beiden Kaskaden aus ihrem modrigen Grab gezogen werden, ist es eigentlich ohnedies vollkommen egal, welche Format-Kategorisierung Subterrenean vorschreibt.

Trhä – Ihum Jolduc

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Das (Luxus)Problem von Endlhëtonëg ist, dass die kurz zuvor veröffentlichte lhum jolhduc-EP als bisheriges Schmuckstück der innerhalb kürzester Zeit überbordenden Atmospheric Black Metal-Trhä-Diskografie sogar noch einmal um das kleine Quäntchen besser (aber eben auch: anders gewichtet) ist.
Ob Enigma Thét Älëf dabei wirklich eine weitere neue Identität für Dauerveröffentlicher Damián Antón Ojeda (u.a. Sadness) darstellt, spielt dann eigentlich keine Rolle – würde die exzellente Quote aus Quantität und Qualität des auf die letzten Jahresmeter ja auch noch eine weitere EP und Split augespukt habenden Projektes aber freilich noch beeindruckender machen.

Witch Vomit – Abhorrent Rapture

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Ohne den bisherigen Output der Portlander rund um das famose zweite Studioalbum  Buried Deep in a Bottomless Grave unter Wert verkaufen zu wollen, klingen Witch Vomit jedoch erst mit dem Elemente aus dem War Metal, Caverncore und Oldschool Refugium auf den Death-Scheiterhaufen werfenden  Abhorrent Rapture wirklich so fies und verdammt gut, wie es ihr Bandname schon immer versprochen hat.

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