HeavyPop.at

Acausal Intrusion – Nulitas

Acausal Intrusion - Nulitas

Wenn es einer Metal Spielart nicht an modernen Vertretern mangelt, dann dem seit Jahren in Mode gekommenen Death im weiterleitenden Spannungsfeld aus Tech-, Doom und Dissonant-Sprengmienen. Acausal Intrusion fühlen sich mit Nulitas als weiterer Tropfen in diesem überquellenden Fass wohl.

Was ist bitte mit der Produktion von Nulitas los? Die hat zwar eine halbwegs annehmbare dynamische Spannweite, ist aber genüsslich morastartig verwaschen und unpräzise ausgefallen. Manche Gitarrenspuren dümpeln irgendwo durch den Mix, vermengen sich mit dem röchelnden Caverncore-Growls, während eine trockene, fast hölzerne und dumpf klingende Snare (als das Trademark der Platte!) gefühlt omnipräsent wirbelnd über alle anderen Elemente tackert, die Aufmerksamkeit von den weitestgehend wirklich starken Riffspitzen penetrant auf sich zieht.
Das Soundbild der Platte ist an sich jedenfalls konfrontativ, unorthodox, eigenwillig – trotzdem oder gerade deswegen aber elementar für den Charakter einer Platte, die sich auch so eine Nische im Epigonenfeld zwischen Referenzen wie Ad Nauseam, Ulcerate, Suffering Hour, Alterage oder Portal erkämpft.

Aus einem bizarren, spastischen Wechselbalg züchten Cave Ritual (hier Zuständig für drums, vocals sowie “rhythmic eroding disruptions” – und einmal die Frage klären, ob der Typ jemals genug Spielwiesen für seine Produktivität haben wird) sowie Nythroth (guitar, bass, keyboards, backing vocals, chants und “sinister spells of chaos”) einen atmosphärischen Organismus, einen Veitstanz am schmalen Grat zur Übersättigung mit ästhetisch klar definierter Basis, die es im Songwriting in die Fläche zieht, dabei aber doch viele richtig starke Ideen im unberechenbar würgenden, zerrenden und ausreißenden, sich selbst zermalmenden Konglomerat zerfleischt, selbst wenn die Platte mit 59 Minuten in dieser Verortung (und mit den drei klaustrophobisch im Suspence heulenden, etwas atmenden Raum schaffenden Ambient-Bindemitteln Corpus, Animus und Nomen) doch auch eine beinahe auf Stimmungsrausch-Durchzug schalten lassende Länge zeigt.

Der MO ist dabei schnell etabliert. In Transcending the Veil täuschen die Gitarren eine düstere Grunge-Ästhetik an, freilich bald konterkariert von vertrackten Drum-Pattern. Das Duo schichtet verwobene Spannungen in Zeitlupe auf, würgt und schiebt, bevor die Tendenden sich mit eruptiven Zuckungen, unberechenbaren Geschwindigkeitsexzessen und manischen Stimmungswechseln, thrashig zum Hardcore ausbrechenden Gitarren und atonalen Noise-Mustern, auf keine Kompromisse einigen wollen. Die Synergie der Instrumente ist eine in Einklang befindliche Hassliebe, in der jeder seine eigenen Visionen verfolgt und doch ein gemeinsames Ziel im Fleischwolf steht. Das beißt und presst aggressiv, tickt hirnwütig aus – und Nebulous Ceremonial Temple, das epische Elegien antäuscht und zumindest eine relativ kompakt-straighte Dichte anbietet, wird dieses Rahmen zuletzt auch wieder schließen.

Dazwischen erzwingt Nexious Shapeshifters in seiner Mitte eine beschwörende Dramatik, Manifesting Rites zerstört jede Hymnik mit Grind-Sprengsätzen und Tetrahedron Quartz geißelt hyperventilierend deb Drone Metal, erfindet sich als kasteiendes Riff-Sperrfeuer mit enigmatische Impulsivität neu.
Qabbalistic Conjoining Existence ist ein zersprengtes Inferno aus Repetition und vermeintlicher Willkür, eine Trance und Rausch, der keine Spannungsbögen pflegt, sondern schreckliche Verkettungen nihilistischer Passagen ins Segment drangsaliert. Es macht keinen Sinn Durchblick in diesem desorientierenden Wahnsinn finden zu wollen, wiederkehrende Motive lassen dennoch nicht an reine Wahllosigkeit glauben und halten die Hoffnung aufrecht, sich in den labyrinthischem Konstruktionen zurecht zu finden. Ein Zweckoptimismus, den jedoch nur Invocations Apprehension übersetzt – ein tackerndes Geflecht, bollernd und heulend, eine Horror-Schlachtplatte, die jedoch über den Ansammlung starker individueller Funken hinausgeht, eine Linie erkennen lässt, und am kohärentesten strukturiert zum Herzstück von Nulitas wird. Und hääte dieses Debüt sonst keine Qualitäten – alleine wegen dieser knackigen 5 Minuten an menscheinfeindlicher Destillation ist der Einstand von Acausal Intrusion kein Jump the Shark-Moment für das satte Genre, sondern ein kleiner Festschmauß mit vernachlässigbaren Kinderkrankheiten.

Die mobile Version verlassen