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Algiers – Live in Dublin, 8 Feb 2020 / Amsterdam, 13 Feb 2020

Algiers rühren mit dem Auftakt einer Serie von Live-Mitschnitten sicher auch die Werbetrommel für ihre aktuell laufende Tour, predigen über den Auftakt Live in Dublin, 8 Feb 2020 aber im Grunde wohl vorerst ausnahmslos den Bekehrten.

Die Postpunker befindet sich ja noch bis Anfang Mai 2020 auf einer umfangreichen Tour durch Europa und die USA – am 22. Februar gastiert die Band auf dieser übrigens auch im Flex in Wien.
Was – bei 5 Dollar pro via Bandcamp aufgelegtem Livealbum – für Sammler (und nur diese) eventuell eine teure Angelegenheit werden könnte….allerdings nicht zwangsläufig muß.

Alles an dieser nur digital veröffentlichten Konzert-Dokumentation (Teil 1: Live at Whelan’s in Dublin, Ireland. 8 Feb, 2020. „Another lively and raucous Dublin show on the eve of Irish elections.“) schreit schließlich danach primär und wohl auch exklusiv für Hardcore-Fans interessant zu sein. Was beim wirklich suboptimalen Sound („Mixed and recorded by Evan Devine„) beginnt, der tatsächlich bestenfalls Lo-Fi-Sub-Standards bedient (das scheppernd-rasselnden Schlagzeug übertönt all die anderen Instrumente, die in einem dumpfen Raum stattzufinden scheinen, während sich die Klasse von Franklin James Fisher bestenfalls skizziert) und setzt sich bei der Setlist fort, die auf den Smash-Hit The Underside of Power ebenso selbstsicher verzichtet, wie auf prominente Ausreißer aus dem eigenen Kanon: das erst wenige Wochen alte There Is No Year stemmt den Großteil der Setliste, das Zweitwerk von 2017 folgt knapp dahinter und lässt noch Platz für zwei Songs des selbstbetitelten Debüts.

Dennoch ist der Effekt der klanglich so verschenkten Veröffentlichung ein faszinierender. Man wird über eine grandios in sich geschlossene, ungeachtet der limitierten Hitdichte kurzweilig fesselnden Setlist durchaus angefixt, den noch ausstehenden Tourdaten nicht Fernbleiben zu wollen. Spätestens, wenn sich das überragende Hour of Furnances von der gespenstischen Klavierballade zur aggressiv unterspülten Größe aufbaut (obgleich hier die im Drone badende Leerstelle zur Zugabe durchaus ein bisschen editiert werden hätte können) und sich die experimentelle, düstere Verweigerungshaltung des Sets im bedrückenden Finale eines hypnotischen Death March knapp zwölf Minuten lang in die psychedelische Trance destilliert. Die Energie und der Leidenschaft der Band isthier stets  mindestens zu erahnen, die Atmosphäre trotz allem beklemmend dicht – man will diese Spannung hiernnach selbst erleben.
Dennoch bleibt das leider frustrierend dünne Zeugnis einer herausragenden Liveband gerade so kurz nach dem (mehr Abstand zum Geschehen brauchenden, aber auch eine deutlich bessere Konservierung pflegenden) King Gizzard and the Lizard Wizard-Marathon eine enttäuschende Angelegenheit für Komplettisten.

Essentieller erweist sich übrigens der bereits nachgelegte zweite Teil der Serie aus den Niederlanden, das den Mund vollnimmt: „Live set at the legendary Paradiso. The crowd was lively and the band was quite focused and on a mission after a particularly draining day. A tour highlight.
Zwar ist das Klangbild leider ebenso minimalistisch gehalten wie der Mitschnitt aus Irland, doch haben Algiers hier ihre Setlist variiert. Neben der generellen Reihenfolge wurde beispielsweise Hymn for an Average Man gegen The Underside of Power getauscht, dazu gibt es anstelle des zuvor gebrachten deliranten Saxofon-Intro-Nebels sowie des Klassikers Blood eine wunderbar dringlich an den Tasten nach vorne schwelgende Interpretation des Outkast-Songs Liberation – welches absolut grandios gerät, selbst wenn man sogar auf der Aufnahme vereinzelte Besucher quatschen hören kann.
Der Gelegenheitshörer wird jedoch auch dieses Zeugnis kaum in der digitalen Sammlung brauchen – und selbst mit Fanbrille wird die abschließende Bewertung trotz des schwachen Sounddesigns und eher nur wegen des unverzichtbaren Coversongs mit Bauchweh aufgewertet.

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