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Alto Arc – Nocebo

Was für eine unwahrscheinliche Konstellation mit maximal desorientierten Ergebnis: Elektro-Produzent Danny L Harle hat sich für die Single Nocebo unter dem Banner Alto Arc mit George Clarke (Deafheaven), Trayer Tryon (Hundred Waters) und Make Up-Künstlerin Isamaya Ffrench zusammengetan.

Während es spannend zu sehen sein wird, wie Deafheaven das aktuelle Album Infinite Granite mit ihrem älteren Blackgaze-Material zusammenzubringen werden (auch, weil die bisher einzige Show der Band im Jahr 2021 die Antwort auf diese Frage schuldig geblieben ist), macht der stilistische Paradigmenwechsel der Platte natürlich auch neugierig auf eine explizitere Wurzelsuche des darauf bedienten Sounds.
Nicht helfen kann insofern das bereits im Jänner 2021 veröffentlichte (und bisher zugegebenermaßen einfach übersehene) mutmaßliche Standalone-Stück Nocebo. Denn das bedient eine gänzlich andere Baustelle und ist in etwa so versprengt, wie es der Blick auf die irritierend heterogene, praktisch keinen gemeinsamen Nenner bietende Kollaborationsliste eigentlich vorwegnimmt.

Das wohl für die zweite Special Episode von Euphoria aufgenommene Stück (das übrigens halboffiziell auch als Instrumental-Version existiert) dekonstruiert jedenfalls mit manischem Übermut experimentelle Versatzstücke aus dem Dark Ambient, Post Industrial oder Future Bass, bollert als vage Ahnung eines technoid übersteuerten Death Industrial ungefähr dorthin, wie Arca einen vom Metal befreiten Club-Remix von Liturgy als knapp sechsminütiges WTF-Kaleidoskop angefertigt. Jenseits der Konventionen und eigentlich auch Geschmäcker also.
Mal rezitiert das bemüht böse und setzt dann wider auf nervig gepichte Autotune-Stimmen, funkelt kristallin und wummert dunkel, ist anstrengend und reizvoll. Die Kontraste müssen stets radikal sein, die Ambivalenz unbedingt. Immer wenn sich die Nummer in Bewegung setzt, bremst sie sich sich sofort wieder aus, frustriert in permanenter Verweigerung und zelebriert ihr chaotisches kreatives Sperrfeuer.
Kurzum: Was ist das für ein irrer Clusterfuck, herrlich irre und penetrant willkürlich, faszinierend eigenwillig und katastrophal, eigentlich unhörbar (weil zumindest ohne Kontext nicht entlohnend) und gerade deswegen spannend. Oder: Infinity Granite sollte eigentlich wirklich von niemanden als harscher Bruch mit der Vergangenheit aufgefasst werden.

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