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Baroness ‎– Live at Maida Vale BBC – Vol. II

Sieben Jahre nach dem ersten Besuch von Baroness in den legendären Londoner BBC-Studios erscheint mit Live at Maida Vale BBC – Vol. II die Nachfolge-EP, offiziell im Rahmen des diesjährigen Record Store Day, aufgenommen im September 2019.

Damals, vor knapp einem Jahr, hatte sich die (aufgrund der allgemeinen Entwicklung der Band auch mit einer gewissen Teilnahmslosigkeit betriebene) Aufregung über Gold & Grey noch immer nicht gänzlich gelegt: Wo ausreichend darüber geschimpft worden war, was für ein unzumutbares Desaster der Sound des fünften Studioalbums von Baroness war, trat langsam auch in das Interesse, dass die Songs dahinter zudem ebenfalls einfach nicht besonders viel konnten. Eine Wahrnehmung, die Live at Maida Vale: Vol. II nun zumindest ein wenig korrigieren kann.

Ausnahmslos auf Songs von Gold & Grey zurückgreifend, ist die Produktion der Platte (natürlich) besser, als auf der ursprünglichen Studioversion. Der (Loudness War-)Mix stellt vom dringlichen Throw Me an Anchor weg die Rhythmussektion und gerade den rollenden Bass prägnant als Korpus in Szene, die Gitarrenarbeit nimmt eher sporadisch zwingenden Zugriff auf das Geschehen, nutzt gerade die Frischzellenkur in Person von Gena Gleason.
Wenn man die Band von ihrem Sludge-Erbe freispricht und als konsumfreundlichen Alternative/ Stoner Rock klassifiziert, hat die Performance also durchaus Biss, auch wenn die Melodien und Hooks freilich austauschbar bleiben. Doch das funktioniert nun überzeugend.

Borderlines gnödelt erst entschleunigt, dann knubbelig in der Lavalampen-Lounge träumenden samt etwas zu behäbigen Space-Groove, dem ab dem ersten Solo der Knopf aufgeht. I’m Already Gone eröffnet mit postpunkig angehauchten Ambiente, das sich so entspannt bauchig und elegisch entfaltet, irgendwann aber zu gleichen Teilen auch dort mäandert, wo etwa Elder dem Prog interessante Facetten abringen. Am besten – hinsichtlich des Mehrwertes wohl auch essentiellsten – ist dann der abschließende, nahtlos vorwendend Hybrid aus Tourniquet und Can Oscura. Was als schön Gitarren-Ballade mit 80er-Duett-Ästhetik beginnt (schade: Beazley bleibt als eindimensionaler und limitierter Sänger die Leadstimme, Gleason darf nur den Background anreichern) zeigt hinten raus, was für ein abenteuerlustiger Biest in dem Song steckten könnte, entscheidet sich aber für enervierend ausgedehnte Exkursionen, die den Klangkosmos eher nur als Selbstzweck erforschen.
Insofern bietet Live at Maida Vale: Vol. II im Rahmen seiner Gegebenheiten einen weiterhin ambivalenten, aber dennoch versöhnlichen Blick auf ein frustrierendes Bandkapitel, indem gefällige Song hungrige Impulse bekommen, passagenweise sogar etwas freigiebiger Richtung angedeuteten Jam flanieren, ohne abzudriften, und damit zumindest die Inszenierung nicht mehr vom eigentlichen Status Quo ablenken muß.

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