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Biffy Clyro – A Celebration of Endings

Biffy Clyro - A Celebration of Endings

Die Prognosen ob der Zukunft von Biffy Clyro gingen nach der rein kommerziell motivierten Abwärtsspirale Ellipsis sowie dem alte Stärken auffrischenden Balance, Not Symmetry ja deutlich auseinander. A Celebration of Endings zeigt nun (durchaus mit Symbolcharakter für den Zustand der Band) dass die Wahrheit allerdings in der verträglichen, unentschlossenen Mitte liegt.

Es lassen sich im groben drei eklatante neuralgische Punkte auf dem (je nachdem, ob man den erwähnten Soundtrack aus dem Jahr 2019 als reguläres Album zählt) achten Langspieler der drei Schotten mit den textilfreien Oberkörpern festmachen.
Da ist zum ersten Instant History, ein schlimmer Singalong-Baukasten aus der Grabbelkiste der Imagine Dragons; Ein charakterfrei das Formatradio bedienender, austauschbarer Synthpop-Song voller EDM-Stadion-Klischees, der alle Befürchtungen ob der weiteren Entwicklung von Biffy Clyro nach Ellipsis übertrifft und als absoluter Tiefpunkt der Platte das womöglich seelenloseste Stück Musik darstellt, dass die Band jemals kalkuliert hat.
Zum zweiten wäre Opaque als kompetente, aber rundum langweilige Ballade zu nennen, die wie eine blutleer-uninspirierte Copy/Paste-Erinnerung an ehemalige Feuerzeugmeere wie God & Satan oder Machines anmutet, welche einen ähnlichen Weg durchaus nachhaltiger und weniger formelhaft-ermüdend beschritten haben, als dieses ambitionslose Selbstimitat.
Und zum dritten wäre da ein Cop Syrup, passenderweise der Schluß- und Höhepunkt von A Celebration of Endings, in dem das Trio über die Mon the Biff-Wurzeln hinausschielt, die progressive Seite der Band hungrig zu immer neuen Ausbrüchen eilt, Riffs bratzen und die Streicher nach oben bis zu Fear of a Blank Planet eilen: Biffy Clyro brechen doch noch einmal halbwegs aus ihrer Komfortzone aus, ohne am Reißbrett die Trademarks der ersten vier Studioalben zu erzwingen.

In diesem Spektrum bewegt sich A Celebration of Endings nun ganz allgemein, obgleich verwässerte Déjà-vus näher liegen als neue Perspektiven und der Albumfluß gerade in der zweiten Hälfte zu unausgegoren-sprunghaft ausgelegt ist, obgleich den Dreien selbst nicht restlos klar zu sein scheint wohin sie aktuell wollen – oder können.
Es gibt jedenfalls einige rundum gute 08/15-Nummern wie Weird Leisure oder Worst Type of Best Possible, die ein bisschen weniger glatt auftreten als die Ellipsis-Kollegen, aber ohne wirklich hängen bleibende Melodien schnell vergessen sind, wo das offizielle Vorgängeralbum ärgerlich polarisierte. Dass die Costey-Produktion dem Ganzen keine Reibung geben kann, sich viel eher immer um Harmlosigkeit bemüht, wenn ohnedies nie zuviel Rock-Schweiß pumpen soll, tut (generell) sein übriges. Mit dieser standardisierten Ausgangslage ist ein Tiny Indoor Fireworks mit seinen pragmatischen „Heyheyhey“s und poppigen Tendenzen (sowie – was ebenfalls für zahlreiche Songs gilt – viel zu oft repetierten Refrains) zumindest eine unterhaltsam funktionierende Single mit unverfänglicher Eingängigkeit. Space will dann später eine schwelgende Anmut, die nicht unangenehm nebenbei zu konsumieren ist, und den Pathos selbst dann annehmbar dosiert, wenn das Finale mit Streichern zugekleistert wird. Das ambivalente The Champ ist davor ohnedies schon eine einzige Odyssee durch märchenhafte Orchesterwelten, durch den Kitsch und Bombast, obskur, selbst dabei aber niemals wirklich geschmacklos.
In all diesen Momenten, der Basis von A Celebration of Endings, wenn man so will, machen Biffy Clyro doch mehr richtig, als falsch – letztendlich aber eben auch nichts mehr wirklich euphorisierend. Sie entfachen keine Leidenschaft, geschweige denn Gänsehaut, entfesseln keine solch bedingungslosen Hits, denen man sich einfach nicht entziehen konnte. Selbst mit Fanbrille sind Biffy Clyro über weite Strecken eines kantenlosen Autopiloten (wenngleich das Niveau nach Ellipsis mittlerweile wieder merklich gestiegen ist) eben vor all der Zuverlässigkeit doch leider irgendwo ein ganzes Stück weit egal geworden.

Doch dann sind da noch einige wenige Ausreißer nach oben, die, wenngleich keine Über-Songs, unmissverständlich klar machen, warum man dem Release eines neuen Biffy Clyro-Albums ungeachtet jedweder verklärender Nostalgie immer noch freudig und guten Gewissens entgegenblicken kann.
Schon der Opener North of No South ist ein Schritt in die richtige Richtung, zackig und ein bisschen unberechenbarer übersprudelnd, diese Husarenritte aus Melodien und Hooks zünden auch heute noch knackig. End Of zeigt noch mehr Biss und sogar ein bisschen Geschrei, während The Pink Limit trotz strukturell zu forcierten Ohrwurm-Chorus keineswegs stromlinienförmig auftritt und diese himmelstrebende Klasse der Band in sich trägt.
Nicht davon erreicht vielleicht die Qualitäten der Highlights von Balance, Not Symmetry oder einzelner Tribut-Brecher, das nicht. Auch spielen Biffy Clyro sowieso längst in einer anderen Liga, als sie es mit Alben wie Puzzle (das unerreichbar mitunter wie ein Schatten über A Celebration of Endings als näheste hauseigene Referenz für viele Passagen der Platte liegt) oder Infinity Land noch taten, das muß wohl nicht mehr extra erwähnt werden.
Doch polieren Neil und die Johnston-Zwillinge den grundlegenden Status Quo auf und bieten eine durchaus versöhnliche Auftrittsfläche für die offenbar dritte Inkarnation der Band. Nämlich jener, die eine kaum radikale Symbiose aus der ungestümen Prog-Übermut-Frühphase und der Hymnen-Fließbandmaschine der Major-Jahre, beides in weniger funkensprühend und mit einigen Alibi-Haken aufgekocht dargeboten, als rundum solider Kompromiss einer Alternative Rockband zeigt. Das resultiert keineswegs im schwächsten, aber langfristig mutmaßlich  uninteressantesten Album von Biffy Clyro,  weil es seine Eigenschaften im positiven wie negativen nicht fokussiert vorlegt.

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