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Black Country, New Road – Track X (The Guest)

Black Country, New Road - Track X (The Guest)

Squid und (auch die Szene-Vorreiter) Black Midi profitieren gerade immens von dem Buzz, den Black Country, New Road Anfang des Jahres mit ihrem Debütalbum For the First Time losgetreten haben. Dmacht es schon Sinn, dass das Septett das Momentum auch noch einmal nutzen will, um nicht in die dritte Reihe gedrängt zu werden. Mit Track X (The Guest) gibt es deswegen eine unter das Bandbanner geschwindelte Quasi-Solonummer von Isaac Wood.

Die Wurzelsuche des besten Songs von For the First Time zeigt eine Version, die alleine mit Wood an der Acoustic-Gitarre auskommt, um mit einem etwas zu demonstrativ weinerlich-vibrierenden Gesang und abgekämpftem Geschrammel eine besonders wehklagend-melancholische Darbietung zu liefern, die praktisch direkt dem Vermächtnis der frühen Bright Eyes gedenkt.
Track X (The Guest) datiert dabei zurück auf das Jahr 2019, wie Wood sich erinnert: „I wrote that riff ages and ages ago, around the time I first heard World of Echo by Arthur Russell, which is possibly my favourite record of all time. I was playing around with the same sort of delay effects that he was using, trying to play some of his songs on guitar, sort of translate them from the cello. We didn’t play it for ages and ages, and then just before we recorded this album, we had the idea to resurrect it and put it together with an old story that I had written. It’s a love story—love and loss and all that’s in between. It just made sense for it to be something quieter, calmer. And because it was arranged most recently, it definitely gives the most glimpse of our new material.

Der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart zeigt dabei vor allem zwei Dinge. Zum ersten, wie gravierend der Einfluss der restlichen Bandmitglieder auf die Komposition(en) von Wood doch tatsächlich ist: Alleine die verspielt aufblühenden, jazzigen und süßlich-verträumten  Arrangements machen Track X musikalisch und stimmungstechnisch zu einem komplett anderen, raffinierteren Song, als die archaische The Guest-Version hier, die mit einer anderen Akkord- und Melodiefolge dafür deutlicher im Dienst der bekümmerten Traurigkeit und Resignation steht.
Zusammengehalten wird diese drastische Distanz von den Texten, die dann zweitens Löcher in den Lyrics stopfen, wenn Wood sich anstelle des unscheinbar verblassenden Finales einen immer wieder wiederholten Klimax gönnt: „Oh and I guess in some way“ sinniert nun „I’ve always been the guest“ zu Ende, nicht mehr bemüht, sondern entwaffnend und ergreifend, auf berührende Weise schön.
Track X (The Guest) ist insofern also sehr, sehr anders als die Studioversion des Albums – und genau genommen auch nicht ganz so gut, obgleich rein kompositionell runder – aber reklamiert mit anderen Stärken und Schwächen eben doch eine (nicht nur für Chronisten) essentielle Existenzberechtigung. Nur das Black Country, New Road-Banner ist dann eigentlich doch nur Etikettenschwindel.

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