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Bob Mould – Sunshine Rock

Bob Mould - Sunshine Rock

Sunshine Rock als neue Perspektive: Tatsächlich hat Bob Mould hat den Optimismus gefunden, zuversichtlicher und lockerer klang der ehemalige Hüsker Dü– und Sugar– Boss seit Jahrzehnten nicht.

Das zeigt sich schnell in Form und Inhalt: Moulds dreizehntes Solo-Studioalbum trägt den Sonnenschein bereits im Titel, artikuliert ihn im Laufe seiner 37 Minuten sogar ganze 27 Mal explizit, assoziiert im Artwork das klassische 70s Design von Capitol Records, stellt Namen wie Sunny Love Song in die Tracklist und hält Zeilen wie „My troubles, they have ended/ My sorrows ended, too“ parat, ein 18 köpfiges Orchester lässt (niemals kitschige) Streicher durch beinahe die Hälfte aller Songs wehen.
Wer hier ätzende Ironie vermutet, könnte falscher nicht liegen. Die mittlerweile in Berlin lebende Ikone hat persönliche Sorgen und Tragödien, den Frust über den sozialpolitischen Alltag in Amerika hinter sich zu lassen versucht, Happyness zum neuen künstlerischen Katalysator auserkoren: „I’m sincerely trying to keep things brighter these days as a way to stay alive“.

Mould schüttelt dazu zwei Jahre nach Patch the Sky und sieben nach der Renaissance Silver Age zwölf weitere typisch zwischen Alternative Rock und Powerpop rangierenden Kleinode so vertraut nonchalant aus den Ärmeln, gewohnt eingängig und vielleicht sogar noch zugänglicher auf das Momentum fixiert als zuletzt: Der Mann weiß einfach, wie man auch ohne Spektakel zeitlos komponiert, die neue Leichtigkeit des Seins impft dem Sound zudem eine erfreuliche Frische und Motivation ein.
Gleich das eröffnende Trio aus der Titelnummer, dem aufbrausenden What Do You Want Me to Do und eben dem Sunny Love Song etabliert den dringlich und energischen Charakter der Platte, schmissig und unterhaltsam, motiviert und hungrig, kennt kein Fett oder unnötige Ablenkungen, bevor I Fought sogar eine fast schon punkige Knackigkeit destilliert. Eine Stringenz, die das Wesen von Sunshine Rock definiert, auch immer wieder melancholische Schattierungen in den Texten zulässt, aber nur hinten raus mit dem eindimensionalen Shocking Blue-Cover Send Me a Postcard und dem zu gefälligen Western Sunset ein bisschen die Puste ausgeht, ohne deswegen gleich gravierende Ermüdungserscheinungen zu zeigen.

Dennoch ist Sunshine Rock klar auf den kurzweiligen Energieausstoß und Endorphinschub ausgelegt, will eine Frischzellenkur im Stile alter Tage: Qualitätskonstant gibt es praktisch kaum Ausbrüche nach oben oder unten, die Platte läuft als Ganzes toll durch. Allerdings sind die meisten Songs dadurch unmittelbar nach dem ansteckenden Genuss wieder leicht vergessen, wirklich nachhaltig hängen bleibt wenig – am ehesten ausgerechnet noch die getrageneren Szenen.
The Final Years nimmt das Tempo nach dem flotten Beginn etwa ein bisschen nostalgischer hinaus und Sin King nützt die Möglichkeiten des Midtempo, mehr in die Breite wachsen zu können. Und das zurückgenommene Klampfen im unverhohlen frohlockenden Camp Sunshine sticht in seiner fast schon karikierend philanthropischen Heile-Welt-Mentalität ohnedies hervor – das Symbol des Sommercamps als Ort des menschlicheren Miteinanders bleibt symptomatisch für die Zuversicht der Platte, die inhaltlich vielschichtiger ist, als es auf den ersten Blick scheint, ohne eine tatsächlich emotional packende Fallhöhe zu erzeugen.
Weswegen man Mould auch all die positiven Botenstoffe durchaus gönnt – mögen sie auch zu seinem nicht notwendigerweise schwächsten, aber doch dem enttäuschendsten (weil eher Mentalität als Substanz transportierenden) Album der 10er Jahre geführt haben.

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