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Bon Iver – PDLIF

Bon Iver - PDLIF

BI: Season 5, Episode 1, “PILOT”: Justin Vernon und Bon Iver bitten mit einem potenziellen Ausblick auf das fünfte Studioalbum als Charity-Aktion in aktuellen Zeiten der Corona-Pandemie einen Funken Hoffnung – PDLIF (Please Dont Live in Fear).

Die gesamten Einnahmen der Veröffentlichung gehen an Direct Relief, „a humanitarian aid organization working to protect workers and patients alike“. Ähnlich kollaborativ erweist sich auch die Entstehungsgeschichte von PDLIF selbst in Isolation un permanentem Datenaustausch aller Beteiligter: „After having been shown the latest Alabaster dePlume record by Drew Christopherson, Justin Vernon was immediately drawn to the track „Visit Croatia„. He shared the track with collaborator Jim-E Stack who chopped a beat from dePlume’s influential track. „PDLIF“ is based on that sample„.
Soviel zu den Hintergründen einer Nummer, die ästhetisch im Grunde den vagen Schulterschluß von i,i zu einer losen Erinnerung an 22, A Million findet.

Ein entschleunigter Beat schleppt sich dreigeteilt kreisend zu den verformten Saxofon-Schleifen des gesampelten Ankerpunktes. Vernon fistelt im Falsett die durchaus markante Hook, Kacy Hill steigt über dessen Grenzen gehend sehr verführerisch ein, doch der Vocoder bekommt dennoch Raum in einer balladesken Zeitlupe, die ätherisch schimmert, unkonktet bleibt, die Skizzen aus orchestralen Arrangements wie eine Collage um das zugrunde liegende Motiv anordnet, und dabei eine vage Hoffnung andeutet.

Diese zeigt so allerdings niemals konkrete Formen, führt den Song strukturell nicht aus dem Versprechen an potentiell kommendes Material von „Season 5“ – und funktioniert deswegen auf sich alleine gestellt wie ein unspektakulärer Einstieg mit vorerst leerem Ende. PDLIF ist also ein potentiell einnehmendes, aber frustrierend-ziellos entlassendes Mosaikteil, das ohne Kontext einnehmend in der Luft hängen lässt.
Wie die zu viele Szenen der Studioalben 22, A Million und i,i bekommt der Artpop von Bon Iver insofern auch über PDLIF nur einen vagen Zugriff auf die emotionale Ebene, bläht aber das Geschehen zumindest nicht unnötig verkopft auf. Schade halt, dass man Justin Vernon und seinen Kumpanen nach den prätentiösen Taten der vergangenen Jahre für ein bisschen optimistische, angenehm weich fließende Langeweile schon beinahe dankbar ist.

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