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Chastity – Home Made Satan: Live Additions

Chastity - Home Made Satan: Live Additions

Chastity-Mastermind Brandon Williams spendiert seinem (leider etwas unausgegorenem, aber potentiell nichtsdestotrotz sehr guten) Zweitwerk Home Made Satan aus dem vergangenen Jahr eine Handvoll an Live Additions.

So ganz schlau muß man aus dieser Veröffentlichung und vor allem ihrer Art und Weise nicht werden. Immerhin schaffen es die fünf Live-Aufnahmen aus dem Whitby Courthouse Theatre nur auf Streaming-Plattformen hinter das reguläre Studioalbum von 2019, nicht aber etwa auf Bandcamp, obgleich ohnedies eine eigenständige (physische) Veröffentlichung am feinsten gewesen wäre.
Dass das mindestens Mitte März angekündigte Releasedatum des Live Additions-Appendix mit April auch so oder so zu spät gesetzt gewesen wäre, um für die (leider Pandemie-bedingt ohnedies mittendrin abgeblasene) Support-Tour mit DIIVE die Werbetrommel zu rühren, und nur noch einige wenige Auftritte in den USA abgestanden wären, können marktwirtschaftlich findigere Geister eventuell nachvollziehen.

Sei es wie es sei, für Fans sind die zusätzlichen 13 Minuten eine durchaus schöne Ergänzung für den Kanon von Chastity. Was an der etwas differenzierten Bühnen-Adaption der Songs im Vergleich zu den Studioversionen liegt, mehr noch aber an dem anwesenden Streicher-Quartett (Viola, Cello, zwei Violinen), das die arrangementtechnische Ausleuchtung doch markant differenziert.
Sun Poisoning, das entspannte Heaven Hell Anywhere Else, Flames und Trepidation treten nun allesmat sentimentaler und wehmütiger, dafür weniger brachial und direkt auf, tauchen mit einem vorsichtigen Optimismus an, obgleich das Tempo getragener ist. Die fünfköpfige Kernband wandelt die Songs eben behutsam um, die Gitarren sind eher für Nuancen, nicht für die Kraft zuständig, der Bass schnepft im klaren Soundbild weit vorne durchhängend. Dass es dabei mutmaßlich nicht alle Nummern des gespielten Abends auf diese Live-Additions-Zusatz konserviert geschafft haben, ist dann aber auch für Komplettisten verschmerzbar: Die sparsam-orchestrale Umgebung ist etwas, das beispielsweise Songs wie Peroxide zwar zusätzliche Akzente verleiht, den Charakter von Chastity aber flächendeckend nicht unbedingt essentiell in der Entwicklung voranbringt.

Was sich so auch anhand eines neuen, exklusiven Songs nachvollziehen lässt: Cry High ist ein nachdenkliches Kleinod an der perlenden Gitarre, das sich in seiner Streicher-Umgebung sicherlich wohl fühlt, aber vor allem eine sanfte Ahnung davon gibt, dass da im Studio noch eine emotionale Großtat wachsen könnte, so traurig und skizziert die Komposition schon zauberhaft.
Williams dazu: „I was reading about opioids that our brains already come with, and the feeling of being high after we cry sometimes. I don’t think I know how to pronounce this right, but when we cry I guess we release leucine-enkephalin, which helps reduce our pain. This song’s about that. It’s new, and this was my first time playing it live, with the help of my friends and a string quartet in Whitby in January.
Insofern mag Home Made Satan: Live Additions also nicht gerade fanfreundlich aufbereitet sein, holt die entsprechende Zielgruppe aber ohne Euphorie ohne fahlen Beigeschmack ab.

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