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Chvrches – Love is Dead

Chvrches – Love is Dead

Manchmal sollte es doch erlaubt sein, eine Platte nach Artwork, Titel und Cover zu beurteilen. Zumindest im Falle von Love is Dead entpuppt sich die Musik hinter der Auftrittsfläche enttäuschenderweise nämlich tatsächlich weitestgehend als das adäquat penetrant zum Auftreten passende, eindimensional konstruierte Synthpop-Fast Food.

Eine Standortbestimmung, die sich so sicherlich auch ein wenig über die Entwicklung von The Bones of What You Believe hin zu Every Open Eye abzuzeichnen begann, die aber vor allem auch zu einem Gutteil der Hinzunahme von Megaseller Greg Kustin (als Produzent und Co-Songwriter) zuzuschreiben ist.
Immerhin sind die besten Songs von Love is Dead ausgerechnet jene, die das schottische Trio wieder in Alleinregie gebastelt hat. Das feine My Enemy funktioniert etwa als Duett mit Matt Berninger wie eine weiterführende Fusion mit dem aktuellen The National-Werk Sleep Well Beast, bleibt beinahe ein ätherisches Mysterium. Das von Martin Doherty gesungene God’s Plan ist dagegen eine seltsam entrückte, retrofuturistisch pumpende Skizze Richtung nervös flimmernder The Knife-Ausläufer, die sich eine innere Spannung bewahrt – was dem kantenlosen Love is Dead ansonsten abgeht. Und Really Gone wummert in einer niemals ankommenden Nachdenklichkeit verloren über einem erfrischenden Minimalismus, der durchaus eine willkommene Verschnaufpause zum übersättigenden Einheitsbrei darstellt.

Abseits davon kippt die Perspektive auf dem dritten Chvrches-Werk allerdings eklatant zu Ungusnten der Synthiepopper. Wo die immer schon polarisierenden Band auf ihren bisherigen beiden Hitschleudern bei aller Penetranz immerhin ein untrügerisches Gespür für schmissige Hooks und mehr als alles andere zwingende Hits hatte, herrscht nun ein glatter Blockbuster-Sound über stromlinienförmig zurechtgebogene Vorschlaghammer-Kompositionen, die einer nervenmalträtierenden Repetition durchsichtiger Ideen und Motiven ebenso viel Platz einräumen, wie banal mit Plattitüden um sich werfenden Lyrics.
Mehr noch: Im klischeebeladenen Fahrwasser von Ellie Goulding und Co. drohen Chvrches nunmehr in ihren schwächsten Momenten gar zu ihrer eigenen übersteigerten Karikatur zu  verkommen, indem sie Electro-Gefälligkeiten mit einer erschreckend austauschbaren Beliebigkeit an den seichtesten Ambitionen des mainstreamtauglichen Massenmarktes anbiedern.

Es gibt in diesem seichten Konstrukt zwar nur einige wenige Passagen, die dabei tatsächlich ärgerlich katastrophal ausgefallen sind – allen voran Miracle, ein grotesker Zeitgeist-Unfall mit wuchtigen Stadion-„Ohoho“-Chören, der selbst hartgesottene Chainsmokers-Anhänger mit seinem durch den Studiofilter geschickten Finale in den Wahnsinn treiben wird.
Doch präsentiert sich das Songwriting mit seiner charakterlosen Produktion über weite Strecken schlichtweg so unheimlich belanglos, dass sich Love is Dead entlang geschmackloser Tropen in einer generischen Egalität verliert, emotional höchstens peinlich berührt und trotz seiner eingängigen Melodien praktisch unmittelbar wieder vergessen ist.
Symptomatisch dafür ist gleich das eröffnende Graffiti: Ein verdammt solider Ohrwurm sicherlich. Doch wirkt die Single ganzheitlich eher wie der am Reißbrett eines auf Nummer Sicher gehenden Marketingexperten kreiert – eine fast seelenlos konstruierte Catchyness. Die Handclaps und Beats im euphorischen Get Out funkeln dagegen mit romantisch geschlossenen Augen auf die Tanzfläche für pathetische Teenie-Filme mit optimistischer Aufbruchstimmung, bleiben aber neben aufgeblasenen Blendern ala Never Say Die oder dem als plumper Stimmungsmacher auf der digitalen Überholspur eingesetzten Graves ebenso ambitionslose Stangenware, die das anvisierte Klientel ebenso effektiv beliefert, wie auch die mit ebenso totgelaufenen Schlagwörtern hantierenden Neon-Kitsch-Soundtracks Forever oder Heaven/Hell.
Vielleicht ist die beleidigte/trotzige Reaktion von Sängerin Lauren Mayberry auf eine keineswegs unfaire, aber eben nicht sonderlich wohlwollende Review ein durchaus ein adäquates Bild mit Symbolcharakter für eine prätentiöse Platte, die eine Band ablichtet, die den Bezug zu sich selbst und die Relation für das eigene Schaffen verloren zu haben scheint.

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