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Cloud Rat – Mother Tongue ~ Glitter Belly

Cloud Rat - Mother Tongue ~ Glitter Belly

Vielleicht mag irgendwann eine Zeit kommen, da man sich aufgrund der konstanten Klasse an die ständige Euphorie gewöhnt hat, die jede neue Veröffentlichung der Mehr-als-nur-Grinder Cloud Rat provoziert. Noch ist das mittels Mother Tongue ~ Glitter Belly allerdings nicht der Fall. 

Der ursprünglich im Rahmen der Adult Swim 2021 Singles Series veröffentlichte Achtminüter (“Recorded April 2021 at The Overlook -Rorik’s house – Engineered and mixed by Rorik”) ist nun auch via Bandcamp verfügbar und reiht sich zudem qualitativ (beinahe) auf eine Ebene mit der jüngsten Standalone-Single Faster sowie (locker) den zahlreichen Compilation-Beiträgen des Trios im vergangenen Jahr ein, indem Brandon Hill (Drums / Electronics), Madison Marshall (Vocals) und eben Rorik Brooks (Guitar/Bass) ihre über den Tellerrand drängende Spielweise beibehalten.
Zum Einstieg gibt es mit mit dem Mother Tongue-Part poltert-geifernderen Grind aus der Hardcore-Schule jedoch ein Schaulaufen in Sachen Kernkomopetenz, so eilig und schroff ballernd, dreckig produziert, und immer manischer und atemloser hetzend. Nach knapp zweieinhalb Minuten erfolgt ein plötzlicher Bruch in den gespenstischen Ambient, nur um ebenso unmittelbar mit Glitter Belly, dem zweiten Teil der Suite zu kurbeln – gewissermaßen als D-Beat-Sludge-Crust Punk, der sich mit psychedelischer Schlagseite und ätherischer Verführung charakteristisch färbt und später in aller Aggression auch noch finster growlt.

Im letzten Drittel der Single löst die Band jedoch alle Konventionen, kippt Mother Tongue ~ Glitter Belly in die verspulte Noise-Katharsis aus sedativen Samples und einem verhalten-wahnsinnigen Chaos im fiependen Rauschen, das sich irgendwann in transzendentale Hypnose begibt und in einem extraterrestrischen Synth-Score badet, experimentell über verspulte Beats hangelnd. Die Stimme von Marshall liegt dabei wie ein entrückter Schleier als atmosphärisches Halluzinogen über den Ausklängen der Nummer, sie transportiert eine ähnliche Faszination wie Grouper.
Dass die Übergänge zwischen den einzelnen Segmenten dabei vielleicht noch runder gestaltet hätten werden können, ist kein Malheur, weil die Kontraste für zusätzliche Spannungen sorgen und man einer Band, die längst in eigener Liga spielt, etwaige Schönheitsfehler durchaus nachsehen kann.

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