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Colin Stetson – Among the Stars

Colin Stetson - Among the Stars

Seit 2018 konzentriert sich Colin Stetson beinahe ausnahmslos auf seinen ertragreiches zweites Standbein als Soundtrack Komponist – mittlerweile rund zwei Jahre nun schon allerdings auf eine möglichst ambitions- und harmlose Weise. Among the Stars ist diesbezüglich ein relativer Tiefpunkt.

Sicher fällt es schwer, die Gebrauchsmusik Among the Stars als ebenso kompetenter wie generischer Ambient per se irgendwie schlecht zu finden: Die 52 Minuten oder 20 Tracks sind absolut angenehm zu hören, wenngleich sie nie auch nur ansatzweise aus dem Hintergrund auftauchen wollen, unverbindlich und austauschbar durch die äußeren Ränder der Wahrnehmbarkeit schweifen, schlichtweg sphärisch und schön sind, auf emotionaler Ebene harmlos funktionieren – eben wie eine zuverlässige Auftragsarbeit für eine familientauglich-nette Weltraumdoku von Disney es verlangt.

Dazu gibt auch genügend Variationen im homogenen Klangbild, um sich nicht im kantenlosen Synth-Kosmos zu verlieren. Where I Go addiert ein paar Streicher und Bound Away fidelt wie folkige Country-Elegien aus den friedlichen Sehnsüchten von Straight Story. Trapped in Forever bietet ein paar dunkel treibende Beats und An Open Road herzerwärmende orchestrale Nuancen, die Teamwork mit sanft pulsierender Elektronik weiterdenkt.

Tatsächlich hinterlässt abseits der Ästhetik allerdings eben keine Szenen wirklich einen nachhaltigen Eindruck abseits der gefälligen Berieselung, wenn alles so zwanglos ineinander fließend und unverbindlich plätschert.
Und wie absolut harmlos, leidlich inspiriert und nach formelhaft-typischen „Space-Ambient“-Tropen am Reißbrett konzipiert das alles ist, wäre dann an sich auch wirklich kein Problem – nur darf man im direkten Gegenhören mit dem Soundtrack zu Hereditary schon unheimlich enttäuscht sein, dass hierfür derselbe Mann verantwortlich zeichnet. Risiken, Ambitionen, Herausforderungen – all dies lässt Among the Stars jedenfalls reibungslos und zweckdienlich aus dem aktiv konsumierten Komos gleiten.
Unabhängig davon wäre es jedenfalls auch wirklich mal wieder Zeit für ein richtiges Studioalbum des Avantgardisten und Grenzgängers Colin Stetson.

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