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Continuum Of Xul – Falling Into Damnation

Continuum Of Xul - Falling Into Damnation

Oldschool Death Metal aus der Schule von Morbid Angel; so komplex wie zugänglich, so dissonant wie straight, unbarmherzig muskulös: Die italienische Allstar-Gruppe Continuum of Xul schindet mit ihrer ersten EP Falling Into Damnation wirklich ordentlich viel Eindruck.

Gut, dass man die Aktivitäten der vier Italiener von Ad Nauseam nach deren Meisterwerk Imperative Imperceptible Impulseimmerhin nicht nur bei uns das Album des Jahres 2021 – zwangsläufig auf dem Schirm behalten hat. Sonst hätte man die 18 Minuten von Falling Into Damnation (wie schon jene der ersten Promo MMXIX sowie der Split Rites of Morbid Death) wohl verpasst – obwohl sich hier durch die (seit den ersten Veröffentlichungen besetzungstechnisch veränderte) Beteiligung von Matteo Gresele, Tya, Void und Giulio Galati eine grundlegende Reihe an verdienten Szene-Musiker zusammengeschlossen hat.
Das eigentliche Spektakel ist dann aber eben weniger die Besetzungsliste, als die fünf Songs der Platte, die auf lange Sicht einen weiteren Hochkaräter aus dem Ad Nauseam-Umfeld versprechen und den verdammt guten Metal-Ruf Italiens weiter zementieren.

Hellmouth bereitet dafür als düsteres Intro aus angedeuteten gregorianischen Chants, orchestralem Score und elektronisch brutzelndem weißen Rauschen die Atmosphäre als eklektisches Amalgam vor, damit I Shall Be Thy Lord seine Riffs umso aktiver schnalzen und schlenzen und schleudern kann. Während die Saiten sich gegenseitig provozieren, zwischen Einigkeit und Dialog wechseln, tackern und ballern die tollwütigen Rhythmen, spastisch nervös und doch so erstaunlich griffig eskalierend, bis die Hatz später zum exzessiven Solo mutiert. Beachtlich ist dabei vor allem, wie extrem kompakt – und ja, auch irgendwo regelrecht catchy zugänglich! – die eigentlich so fiese, technisch herausfordernde Monstrosität geworden ist: das Songwriting steht der Performance und dem druckvollen, transparenten Sound eben auch in gar nichts nach, hebt das keinen Hehl aus seinen Referenzen machende Quartett unmittelbar aus dem Epigonentum in eine eigene Liga.

Noch ein Merkmal der Klasse dieser Band ist das überragende Pacing und Sequencing von dem mit einem Feststück ausbalancierten übergeordneten Spannungsbogen daherkommenden Falling Into Damnation. Dreaming in the Underworld brüllt etwa sludgiger in einen zähen Kaninchenbau hinab, ist ein stoisches Ringen mit der gnarligen Rezitation, zieht und windet sich im Kampf mit sich selbst, derweil ein diffus-hirnwütiges, triumphales Solo den gordischen Knoten dahinter löst. Blasphemous Redemption (Praise the Flames) tritt manisch auf das hibbelige Tempo-Pedal, flimmert und tackert schwindelfrei als atemlose Kaskade aus hyperventilierenden Gitarren, denen die Drums wie scharfe Klinge im Nacken sitzen, als Wirbelsturm, dessen greinende Masse mit fetter Breitseite rockt, bevor der Closer A Equinox of Fathomless Disheartenment sich beim Repertoire von Absu bedient, die Power der nackenbrechenden Nummer aber ansatzlos in den eigenen Sound übersetzt, und sich mit atonaler Kante zum blastenden Exzess steigert.
Wie sehr alles hier auf den Punkt findet ist dann auch Teil des extrem kurzweiligen Unterhaltungswertes hinaus, der über das relative Fade-Out (oder: eine Abkehr von etwas vorhersehbaren Solo als strukturellen Klimax) hinweg ordentlich Eindruck schindet, zu einem weiteren Juwel im Lavadome Productions-Stall wird und den ersten Langspieler der Band mit brutalem Verlangen auf dem Radar der meist-herbeigesehnten Veröffentlichungen der nahen Zukunft positioniert.

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