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Converge – All We Love We Leave Behind

Converge haben die Platte gemacht, die ihrer Vorreiterrolle und Allmachtstellung im Spannungsfeld zwischen extremen Hardcore-Punk und rasendem Metal wiederspiegelt. Das zerdrückt die Konkurrenz mühelos, obwohl man eigentlich bloß die letzten vier Studioalben Revue passieren lässt.


Und sich damit hemmungslos in den Errungenschaften all der Meiterwerke seit dem bahnbrechenden ‚Jane Doe‚ wild und ohne Rücksicht auf sich selbst oder Fan-Erwartungen austobt. Das fängt beim Gesang an: mit nach kräftezehrenden 39 Minuten trotz allem blutig-geschundenen Stimmbändern malträtiert Jakob Bannon sein Organ nicht nur im eröffnenden Vorabtrack ‚Aimless Arrow‚ wohldosierter, beinahe an klaren Geschreilinien entlang, variiert sein beispielloses Gekeife ohne es dadurch abzuschwächen – eine Facette, die man spätestens seit ‚Last Light‚ auf ‚You Fail Me‚ kontinuierlich beobachten konnte, niemals aber geschickter als hier, im Querschnitt durch die eigene Vergangenheit.

Von eben jenem ‚You Fail Me‚ borgen sich Songs wie das rasende ‚Vicious Muse‚ oder ‚Sparrow’s Fall‚ dann auch ihre kompakte, rotzräudig verdreckte Punk-Attitüde, ‚Trespasses‚ ist nicht nur wegen seiner angedeuteten Ballou-Soli das Dakapo von rockigen Hassklumpen a la ‚Reap What You Saw‚. Das Grindinferno der ‚No Heroes‚ Eingangsphase hat es ‚Tender Abuse‚ mindestens so sehr angetan, wie die Achterbahnfahrt ‚Dead Beat‚, das überragende ‚Coral Blue‚ ist dann das Rufzeichen hinter allen Post-Metal Ausflügen der letzten Jahre, vom Titelsong des 2004er Kotzbrockens über ‚Grim Heart/Black Rose‚ bis zum fremdgehenden  ‚Axe To Fall‚-Finale. Nur diesmal aber eben ungefiltert, Converge pur, zu jeder Sekunde.

Converge klammern alle externen Einflüsse, jedweden Gastbeitrag ganz im Gegensatz zu ‚Axe To Fall‚  aus und tun gut daran sich an einer Platte zu versuchen, welche die Livestimmung der Band besser einfängt: wo der Vorgänger mit Pulling Teeth-Gitarren den Sludge seiner Mitbewerber im Vorbeigehen in Perfektion überragte, den Post-Metal von Neurosis und Co. im ausladenden Endspurt beleuchtete, reflektieren Jacob Bannon und Co. die Essenzen aus über 20 Jahren Converge. Das hastige Iron Maiden-Riffing in ‚Sadness Comes Home‚ ist dabei gleichzeitig Ausdruck einer 2012 näher denn je am Metal ausgerichteten Band, wie auch jener der abermals atemlos hinterlassenden Virtuosität der vier Musiker – alleine Kurt Ballou übertrifft sich bei jeder Gelegenheit zweckdienlich und unverkennbar. Das erinnert in vielen Momenten an vergangene Pioniertaten, ohne sich freilich dafür im eigenen Erbrochenen suhlen zu müssen, ‚All We Love We Leave Behind‚ klingt vertraut, aber tatsächlich wie keine Converge-Platte zuvor.

Dem großen Mantra folgend, die Dinge auch über zwei Dekaden nach der Bandgründung für alle Beteiligten spannend halten zu wollen, folgt ‚All We Love We Leave Behind‚ bedingungslos. Der Fokus geht in die Breite, Converge zielen absichtlich nicht derart konsequent und nachdrücklich in bestimmte Richtungen wie zuletzt, sondern lassen 14 Songs betont weitläufig durch all ihre unerschöpflichen Möglichkeiten randalieren, destillieren daraus den bisher kompaktesten Albumfluss aus sich duellierenden knackigen Wutbomben sowie den längeren Songs als mittlerweile unbestritten agierende Hauptattraktionen – das verlangt dafür aber auch mehr Geduld als bei den Vorgängerplatten: ‚All We Love We Leave Behind‚ ist ein langsamer Grower, dafür aber ein stetiger, unaufhaltsamer. Einer, der in seinen ansatzweise schwächsten Momenten die Vorzüge der Band souverän in die Auslage stellt und in den besten – wie dem vor melancholischer Emotionalität förmlich berstenden Titelsong – mitunter zum Großartigsten gehört, was Converge je abgeliefert haben.

Erinnerungen an das gerne unter Wert verkaufte 2003er Album der Deftones werden wach, weniger musikalisch, als aufgrund der in etablierten Hochphasen verweilenden Makellosigkeit der beiden Platten. Ebenso wie bei der ebenso unbeugsamen Institution des Metal um Chino Moreno wäre auch das mittlerweile achte Converge-Album ein sich klassisch anbietender Fall einer selbst- bzw. unbetitelten Platte gewesen, ‚All We Love We Leave Behind‚ straft seinem Namen deswegen in vielerlei Hinsicht Lügen, würde, wenn Converge nicht hungrig wie am ersten Tag wüten würden in pechschwarzer Atmosphäre auch als ultimative Abschiedsplatte funktionieren: Fragen bleiben hiernach jedenfalls keine mehr offen. Converge bleiben unfehlbar.

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