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Converge – The Poacher Diaries: Redux

Converge - The Poacher Diaries: Redux

Das ursprüngliche Randy Ortiz-Artwork war cooler, die Agoraphobic Nosebleed-Songs fehlen komplett und die immer schon aus dem Nichts kommenden Samples in den Converge-Beiträgen ebenso – ansonsten ist das Redux-Facelift, das Kurt Ballou der 1999er-Split-EP The Poacher Diaries verpasst, allerdings eine rundum gelungene Bereicherung für den Converge’schen Bandkatalog.

Die Redux-Klammer um Jane Doe schließt sich weiter: Nach die 2016er-Überarbeitung von You Fail Me ist nun also auch die einzige Converge-Veröffentlichung mit John DiGiorgio (Mean Jesus, The End of the Universe, Canephora) an der Reihe.
Was diesmal allerdings kaum Skepsis hervorruft. Schließlich litt die Split mit Agoraphobic Nosebleed immer schon unter einem muffigen Mix und indifferenten Sound. Wie viel mehr Potential das Material an sich hatte, wurde alleine schon durch unzähliche Live-Versionen verdeutlicht.

Dennoch bleibt eine gewisse Ambivalenz bestehen, was sich etwa ausgerechnet im progressiven Fiebertraum They Stretch for Miles nachvollziehen lässt: Die Texturen sind gleichzeitig melodischer, aufgeräumter und akzentuierter, während gerade das brutale Backinggebrüll von Nate Newton eine mittlerweile bekannte Stiernacken-Physis entwickelt – doch Jake Bannons effektverfremdete Gesangs-Vocals winden sich nun (sicher auch durch die mit Wear Your Wounds gewonnene Selbstsicherheit) zu exaltiert gekünstelt: einen Teil der ursprünglichen Seele und Charakteristik kann der wertigere Sound eben nicht aufwiegen.

Allerdings ist die klangtechnische Anpassung an den heutigen Standard von Converge in Summe eine dezidierte Bereicherung für The Poacher Diaries. Muskulöser und transparenter kommt gerade das Geschrei nun präsent zur Geltung wie nie, die Gitarrespuren haben mehr Details, der Rest einfach mehr Punch und Dynamik.
Die Balance von My Great Devastator zeigt eine verdiente Breite ohne dumpfes Chaos. Die Instant-Klassiker Locust Reign, This is Mine und The Human Shield sind endlich die tollwütigen Brecher, die wie die Steilvorlagen auftreten, die Jane Doe ermöglichen sollten, bevor das abschließende, delirante Minnesota als Slo-Mo-Walze mit seinen heulenden Gitarren als angepisster Maericana-Post Metal den nicht mehr so heimlichen Vorboten zu jenen Auswüchsen darstellt, die Converge vom Titelsong ihrer 2001er Klassikers bis zuletzt etwas mit Blood Moon zelebrierten. Den besonderen Platz im Herzen, den The Poacher Diaries besitzt, wird Redux damit zwar wohl nicht einnehmen – allerdings in Zukunft vielleicht doch die zuerst gewählte Version beim Griff ins Plattenregal darstellen.

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