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Desert Sessions – Vols. 11 & 12

Unverbindliche Unterhaltung, die Konsequenzen tragen könnten: Es macht durchaus Sinn, dass Josh Homme für diese 32 zum Unfug tendierenden Minuten seine legendären Desert Sessions reanimieren wollte.

Immerhin könnte sich diese Entscheidung erst rückwirkend wirklich nachhaltig auszahlen. Schließlich waren die Alben der Queens of the Stone Age immer dann aber besten, wenn sie sich auch aus dem Pool an Ideen der personell imposant besuchten Wüstenorgien bedienen durften. Und man weiß ja: Teil 9 und 10 der mittlerweile traditionell im Doppel auftretenden Desert Sessions erschienen vor über eineinhalb Jahrzehnten. Eine Zeit, der keines der seit 2003 veröffentlichten Alben der Queens-Band restlos zu überzeugen wusste, während meist nur noch rückwirkend überarbeitete Versionen von Rancho De La Luna-Nummern für einsamen Highlights verantwortlich waren, während ausgerechnet das vollkommen ohne Desert Session-Rückenwind neue Wege gehen wollende Villains endgültig einer fragwürdig verleiteten Enttäuschung gleichkam. Der Zeitpunkt für die Wiedergeburt der Sessions macht also Sinn.

Anstelle von Mark Ronson als kreativen Reibungspunkt findet Josh Homme nun also zum Kollektiv als kreative Keimzelle zurück und tut gut daran. Man muss sich nur in Erinnerung rufen, dass man weder Part 11 (alias Arrivederci Despair)  noch Part 12 (alias Tightwads & Nitwits & Critics & Heels) nach gängigen Kriterien bewerten sollte, da die zwei zerfahrenen Songsammlung alleine aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte unausgegoren zusammengetragenes Stückwerk bleiben, und eher wie Rohdiamanten in doppelter EP-Compilation-Form funktionieren.
Dann hat Homme mit einer (die Linernotes sprengenden) Allstar-Kombo um Billy Gibbons (ZZ Top), Les Claypool (Primus), Stella Mozgawa (Warpaint), Jake Shears (Scissor Sisters), Mike Kerr (Royal Blood), Carla Azar (Autolux, Jack White – und vor allem unbekannt für Torn), Matt Sweeney (Chavez), Dave Catching, Matt Berry und Libby Grace hier insgesamt acht mal mehr, mal weniger aufzeigende Fingerübungen veröffentlicht, die wie nebenbei entstandene Skizzen vor allem den ungezwungenen Spaß destillieren, den alle Beteiligten am spontanen Momentum hatten.

Move Together verlässt sich auf ein minimalistisches Drumcomputer-Gerüst im Stile von John Maus und souligen Gesang von Gibbons im Falsett. Irgendwann fällt eine in rumpelnder Schieflache torkelnde Bluesrock-Band organisch über den Song her, relativiert den Einsatz jedoch wieder und setzt noch einmal in der Lavalampen-Lounge der Arctic Monkeys an, wo man zu einem bauchigen Kompromiss findet. Noses in Roses, Forever ist vertrauter Wüstenrock, auch wenn hinter dem relaxten Groove mehr Beach-Psychedelik schimmert und ein relaxtes Solo zu einem surftrockig twistenden Gitarren-Contest gniedelt. Homme fächert das Szenario immer zwangloser in den Lo-FI-Jam auf und drückt die Fäden kompakt über die Ziellinie, wo die halluzinogene Orientalik des Instrumentals Far East For the Trees im Zusammenspiel aus organischer Drum-Impro und unaufdringlichen Akustikgitarren verträumt mäandert, eine angenehme Flowerpower-Nonchalance ohne Ziel anbietet.
If You Run beendet die erste Hälfte als wunderbar sehnsüchtige gezupfte Ballade mit Grace am Mikro, in der der Zusammenschluß so klassisch nach den Queens im Tarantino-Western-Modus klingt. Im Hintergrund brodelt es, behände steigt die Band ein, akzentuiert das Geschehen nur vorsichtig aus, bis sich das Grundmotiv friedlich in den aufmüpfig gegen den Strich gebürsteten Kontext legt und die Nummer kratzbürstig streichelt.

Crucifire übernimmt dort als straighter Rocker unter der stimmlichen Ägide von Kerr an der Front, zieht mit Coolness und Unbekümmertheit nach vorne und hat vielleicht keinen relevanten Tiefgang, ist dafür aber ein verdammt catchy daherkommender Ohrwurm.
Chick Tweetz fällt hingegen komplett aus dem Rahmen, klingt wie ein absurdes Slapstick-Cover eines undefinierbaren Evergreens, in dem Homme unter seinem neuen Alias Töôrnst Hülpft  als Entertainer in der Fußgängerzone mit gepitchter Cartoon-Stimme und Fake-Akzent Gaga-Texte vorträgt. Bei einer so kompakten Gesamtlänge, wie die beiden Hälften der Platte sie an den Tag legen, scheint derartiger Nonsense wie Zeitverschwendung.  Dabei kann man schon übersehen, dass hinter dem nervigen Schwachsinn im Kern ein durchaus griffiger Popsong schlummert – der aber schon alleine aufgrund des angehängten Studiogespräch-Mitschnittes zukünftig wohl kaum noch jemand hören wollen wird.
Konventioneller und besser ist da schon Something You Can’t See als wunderbar unaufgeregt schillernder 60s-Transzendenz-Pop, wie ihn Foxygen oder MGMT grundsätzlich machen wollen, bevor Easier Said Than Done den Bogen zum Beginn der Platte mit reduziert raschelnden Beats und einem schweren Moll/Piano zieht, zu dem sich Homme immer weiter in die Dramatik legt, ohne den anschwellenden Klimax aber tatsächlich zu erzwingen.
Das bleibt dann ja vielleicht Sache der kommenden Queens-Platte, muß es aber nicht: Part 11 und 12 der Desert Sessions haben auch für sich selbst stehend genug Reiz, um eine Wiederbelebung der Reihe zu rechtfertigen und sich mit einer typischen Ambivalenz in den Kanon einzufügen.

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