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Divide and Dissolve – Gas Lit

Divide and Dissolve - Gas Lit

Das australische Duo Divide and Dissolve zelebriert auch auf dem Drittwerk Gas Lit jazzig verzierten Drone Metal als avantgardistischen Soundtrack, bekommt dafür in der Nachbarschaft von Aaron Turner und Co. aber nun mehr Aufmerksamkeit als bisher.

Wenn das abschließende We Are Really Worried About You (als einen üblichen MO der Kompositionen) erst eine Bühne aus der alptraumhaft schillernden Schönheit des Bläserinstruments beschwört, die dann das Podest für den mächtigen Minimalismus von Takiaya Reed (guitar, saxophone) und Sylvie Nehill (drums) bietet, nur um nach einigen Minuten einfach und abrupt vorbei zu sein, ist das ähnlich symptomatisch (aber noch schwerwiegender frustrierend) für die Probleme von Gas Lit, wie das aus dem Nichts kommende Sample-Interlude Did You Have Something to Do with It, das mit synthetisch rezitierender Stimme nicht die Atmosphäre der Platte bricht, aber den Spielfluss: Divide and Dissolve haben eine vor Potential strotzende, letztendlich aber seltsam ziellos anmutende Platte zusammengetragen, deren einzelne Elemente als selektive Score-Abgründe an den formoffenen Grenzen des instrumentalen Jam-Metal gerne erschöpfender erforscht hätten werden können, deren unmittelbares Finale aber auch spätestens vorführt, dass man sich auf diese Reisen eingelassen hat, ohne eine tatsächliche Erkenntnis oder gar Epiphanie gewonnen zu haben.

Vermutlich werden die einzelnen Stücke von Gas Lit erst live und mit erschöpfender Hingabe wirklich funktionieren, wenn der beschrittene Weg der Band zudem nicht ohne physische Erfahrung verlaufen muss. Dafür macht das Doppel aus Down Under aber bereits jetzt einnehmen Werbung in Eigensache.
Wenn Oblique nach dem sedativ Wellengang aus nebulösen Trance-Saxofon-Schwaden in den scheppernden Noise- und Dronerock mit somnambuler Heaviness aufbricht, und diesen Rahmen ebenso schließt, wie auch das strukturell gleich geplante Denial (dessen operettenhafte Bläser im Effekte-Rausch etwas absolut faszinierendes transportieren, vor allem wenn orientalisch verträumte Streicher mit einsteigen, bevor die Nummer wieder in das Verlangen für sludgy Grooves und mahlende Riffs mit doomiger Konsequenz kippt, durch monströsem Schub sägend und fräsend), und kompositorische Schwächen dabei mit der Intensität der Dynamik aufwiegt.
In Prove It schleppt sich gnarzendes Feedback mit stoisch-schweren Rhythmus durch eine bedrohliche Aura, während Far from Ideal wütend und punkig nach vorne preschend als impulsive Momentaufnahme verglüht. It’s Really Complicated ist ein böser Morast, der seine Gangart neu anrührt, sich seine zähflüssige Finsternis aber stet behält, bevor Mental Gymnastics als kurze freejazzige Ahnung in den ambienten Abgrund blickt.

Dass die prolongierte politische Ebene der Platte („Gas Lit is our fight for Indigenous Sovereignty, Black and Indigenous Liberation, Water, Earth, and Indigenous land given back. Gas Lit is fighting against the dispossession of our people, land, water, and spirit. Gas Lit is a call to transformation and freedom. Gas Lit seeks to make a contribution to undermining and destroying the white supremacist colonial framework.„) dabei stets eher theoretischer Natur bleibt, ist übrigens kein Problem.

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