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Dragged Into Sunlight – Terminal Aggressor II

Dragged Into Sunlight - Terminal Aggressor II

Dragged Into Sunlight befinden sich derzeit im Krieg mit ihrem (ehemaligen) Label Prosthetic Records. Was man hinter dem Ausnahmezustand dieser Schlammschlacht beinahe übersehen kann: Terminal Aggressor II ist als Scheidungskind zwischen den Fronten ziemlich großartig geraten.

Die Perspektive der Band auf die verhärteten Feindeslinien kann man etwa hier, hier, hier oder hier ausführlicher nachlesen. Doch in aller Kürze zusammengefasst scheint es mehr oder minder so, als würde das Label aus amerikanische nach Streitigkeiten Material von Dragged Into Sunlight im rechtlichen Rahmen eines zu erfüllenden Vertrags ohne deren Einverständnis oder finanzielle Rückvergütung veröffentlichen. Dass die Gruppe aus Liverpool derweil mit Go Fund Me-Aktionen schadlos gehalten werden soll, während sie selbst zu illegalen Downloads der hinterrücks veröffentlichten EP Terminal Aggressor II aufruft, ist dann wohl adäquat sich selbst zerfleischender Ausdruck der hässliche Fratze der Industrie, die die vorliegenden 30 Minuten purer Misanthropie dann auch kaum hoffnungsloser und abscheulicher hervorwürgen können. Denn der Nachfolger zu einem vor knapp elf Jahren mit Kas Mana veröffentlichten Tape hat dann auch absolut keine Nuance an Menschlichkeit, Hoffnung oder Nächstenliebe parat.

Terminal Aggressor II wächst als morbider Dark Ambient mit eiterndem Drone und Noise mit sich selbst im Reinen aus dem garstigem Feedback, ist eine so beklemmend finstere wie unbehagliche Klanginstallation, die in ihrer Schwärze dennoch vereinnahmend in ihre Texturen und Sphären zieht. Langsam scheint eine Gitarren-Melodie – in etwa: der Korpus von Earth – in der unwirtlichen Gegend zu gedeihen, entpuppt sich als ein ausgemergeltes Nachtschattengewächs.
Der harsche Black Metal scheint über ein infernal verzerrtes Gebrüll immer wieder aus dem Morast hervorzubrechen, wird jedoch erst noch an der Leine gehalten, schickt Sprachsamples voraus, unterwandert in Schüben, die näher an den Power Electronics-Albträumen von Pharmakon aus der Psychose brutzeln.

Nach knapp einer Viertelstunde beginnen Dragged Into Sunlight mit schwerem, basslastigen Groove zu hypnotisieren, holen den Death Doom aus dem Sumpf – und stürzen sich plötzlich mit einer nihilistischen Verzweiflung kotzend in einen Mahlstrom des Hasses, lassen brutale Gitarren-Schlachten rasende Blastbeats foltern. Wenn sich die Nummer in einen atmosphärisch lauernden, kontemplativ sinnierenden, der ausgebluteten Atmosphäre folgenden Weg zurückzuziehen beginnt muß man deswegen auch nicht auf das infernale Gemetzel am Ende vorbereitet sein. Terminal Aggressor II steigert sich in den letzten 5 Minuten zu einem solch aggressiven Wahnsinn explodierend, der seine Intensität immer weiter anzieht, die Grenzen der Extreme verdichtet und umschichtet. Dabei agieren Dragged Into Sunlight nicht blind vor Raserei und Wut, sondern mächtig und dominant, setzen diesem halbstündigen Trip die schmerzhafte Krone auf.
Und so leid es einem für die Band und ihre aktuelle Situation auch tut: Das ist dann im Ganzen endlich nahe dran an dem, was Dragged Into Sunlight seit dem bärenstarken Einstand mit Hatred for Mankind versprochen haben. Was die Vorfreude auf ein neues Studioalbum dann trotz aller Ambivalenz doch ziemlich steigert. Auch, wenn man es wohl nicht von Prosthetic Records erwerben wollen wird.

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