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Duma – Duma

Duma - Duma

Experimenteller Wahnsinn aus Nairobi: Duma zelebrieren auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum (weitaus mehr als oder minder) eine verstörend-exotische Melange aus Cybergrindcore, Power Electronics, Industrial, digitalem Hardcore und Black Metal-Attitüde – so faszinierend wie frustrierend.

Frustrierend insofern, weil das aus Uganda stammende Duo Sam Karugu (ehemals: Seeds of Datura; nun an Gitarre und Produktion) und Martin Khanja (aka Lord Spike Heart; ehemals: Lust of a Dying Breed; nun als Brüllwürfel aktiv) hinter einem der imposantesten Artworks des Jahres praktisch jeden der aufgefahrenen neun Tracks zu abrupt beenden, oft sogar billig ausfaden lässt, und die Nummern so gerne ohne erreichtes Ziel (oder gar nachvollziehbare Entwicklung) wie episodenhafte Skizzen oder Fragmente unter ihrem eigentlichen Wert verkauft werden.
Vielleicht muss man sich aber auch einfach mit dem Gedanken anfreunden, dass Duma (Kikuyu für Finsternis) eben keine Songwriter, sondern unkonventionelle Ästheten sind; offene Strukturen und bisweilen chaotische Formen aus zerschossenen Ideen deswegen entstehen lassen, ohne sie dabei zu kultivieren.

Ein Ansatz, der zusammen mit der für westliche Ohren auch exotisch anmutenden Textur afrikanischer Kultur zu einem eventuell zwangsläufig desorientierend machen wollenden, sich stilistischen Definitionen weitestgehend entziehenden Amalgam verknüpft, das erst das immense Potential von Duma andeutet, als es bereits auszuschöpfen, dabei aber eben eine in ihrer aggressiven Ambivalenz und chaotisch-akribischen Intensität absolut originären Platte provoziert.
Angels and Abysses trägt in seinem Kern anziehende Tribal-Percussion, die von einer manisch unter Strom ballernder Elektronik jedoch Kerosin eingeimpft bekommt, die dystopische Atmosphäre des Instrumentals wird von den rasselnden Beats förmlich massakriert. In Corners in Nihil installieren Duma dann die metallisch Vocalperformance im Derwisch-Delirium, Lord Spike Heart schreit sich verzweifelt fauchend selbst an, growlt manisch im schizoiden Schauspiel, über ein zerfressenes Ambientminenfeld aus hämmernden Störgeräuschen. Omni taucht pointilliert-pulsierend, oszillierend-flimmernd und rasselnd-catchy in die Dunkelheit, während der IDM-Stammestanz Lionsblood schnell alle Regler in den roten Trap-Bereich dreht und die kohärente körperliche Verausgabung abverlangt.

Uganda with Sam krächzt erst beinahe poppig-luftig, konterkariert diesen Eindruck aber mit demdrangsalierenden Alptraum von terrorisierenden Schreibmaschinen. Kill Yourself Before The Kill You klingt wie der Drone- und Industrial-Remix eines gutturalen Metalcore-Gebildes, dem Säure die Schaltkreise zersetzt hat und Pembe 666, als würde Jabba the Hut sedierte Spoken Word-Gedichte vor der Kulisse von außer Kontrolle geratenen Presslufthämmern und einem stellaren Esoterik-Synth-Nebel vortragen.
Sin Nature zeigt dagegen ein Stroboskop aus trippigen Überblendungen, das im Techno landet und wahlweise die Jagdmusik eines Predator oder Dread im Otherland, bevor das erst noch treibende The Echoes of the Beyond als somnambuler Klanginstallation ein beinahe versöhnliches Ende für diesen homogenen Sprengsatz von einem Einstandswerk bietet, ausnahmsweise keine unberechenbare Tempowechsel im Sekundentakt anvisiert. Ob Duma nach diesen Ausklang in Zukunft radikaler oder runder weitermachen werden, ist trotzdem nicht abzusehen. Dass sie sich für das eine oder andere Extrem entscheiden dürften scheint jedoch gewiss – so oder so werden sie wohl eine Band bleiben, die wie keine andere da draußen auftritt, und alleine deswegen jeden Respekt der Welt verdient.

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