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Durand Jones & The Indications – Private Space

Durand Jones & The Indications - Private Space

Alleine aufgrund der Verneigung vor David Bowie im Vorjahr sollte es eigentlich keine schockierende Überraschung sein, dass Durand Jones & The Indications ihren Retro-Philly Soul nun mit Private Space in die Disco führen.

Dass Aaron Frazer sich mit seinem Debütalbum Introducing… mittlerweile eine eigene Spielwiese als kreatives Ventil geschaffen hat, bedeutet nicht, dass seine Präsenz bei den Platten mit den Indications leiden würde. Im Gegenteil: Die Falsett-Zweitstimme des Drummers bekommt mittlerweile mehr alleinstehendes Rampenlicht denn je. (So weit gehend, dass Durand Jones selbst gefühlt gar bisweilen aus der Sicht verschwindet.) Und daher Frazers helle Bee Gees-Kopfstimme auch wie gemacht für die Disco der frühen 80er ist, scheint es nur als logische Konsequenz, dass es die Band aus Bloomington knapp zehn Jahre nach ihrer Gründung auf dem Drittwerk Private Space immer wieder und immer weiter dorthin führt.

Das kann entweder subtil, smooth und relaxt wie in der mit schillernden Streichern ausgekleideten Lounge Love Will Work It Out zurückgelehnt passieren, oder sehr ausführlich wie im mit Beat und Bass groovenden Witchoo, das sein verträumt-jazziges Ambiente mit knackiger Call-and-Response-Wechselgesang sogar beinahe Richtung skandierten Rap führt und neben Sexy Thang (in dem sich die Gruppe zwischen Bruno Mars und Anderson .Paak im Geiste von Prince platziert, vom politischen zum persönlichen als Plattitüde im Funk wechselt) den mitunter markantesten Zug nach vorne für die Indications markiert – und auch die hartnäckigsten Hooks in einer seine Melodien diesmal auch oft nur im Hintergrund plätschern lassenden Platte bietet.

In diesem Spannungsfeld kann der gefühlte Fokus hin zu Frazer nämlich schon ein wenig auf Durchzug schalten lassend übersättigen, weil Jones im typisch warmen, hoffnungsvoll nostalgischen und auch ein bisschen sentimental umarmenden Sound der Gruppe der per se bessere, zwingendere Sänger ist. Wo zumindest die Synergie oder der ergänzende Kontrast der beiden Stimmen jedoch immer reizvoll ist, zeigt sich diesmal allerdings auch, dass die Gesangsharmonien in den Arrangements manchmal nicht sonderlich variabel geraten sind, der Songfluss aufgrund der Gewichtsverlagerungen zudem etwas weniger homogen ausgefallen ist als bei den beiden Vorgängeralben – was auch daran liegt, dass der sich leger treiben lassende Closer I Can See ein wenig in der Luft hängend verabschiedet.

Wo das Songmaterial nicht ganz das Niveau von vor allem American Love Call (2019) erreicht, erscheint Private Space wie ein kurzweiliges Übergangsalbum. Der kontemplative Titelsong schillert ruhig, der Soul von More Than Ever setzt dagegen auf Ladies im Backingchor und eine sporadische Flöte. Ride or Die geht romantisch beschwingt, flott und munter zu Werke, wohingegen die Licks in The Way That I Do nicht kaschieren können, dass der Style diesmal über dem Inhalt steht.
Es ist dann zwar eigentlich egal ob ein Reach Out wie eine sich nonchalant zurücklehnende Verneigung vor Simply Red auftritt oder Sea of Love von Jones geschmeidig zum Upbeat dirigiert wird – das unterhaltsame Ergebnis überzeugt kurzweilig, ohne deswegen notwendigerweise emotional wirklich zu packen. Schade nur, dass sich die euphorisierend-berauschende Wirkung des Disco Soul dabei (ohne etwaige Pastiche-Vorwürfe freilich!) so oder so nicht einstellen will.


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