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Elder, Triptonus [08.06.2022: Orpheum Extra, Graz]

Elder 1

Ganz Österreich pilgert zum diesjährigen Nova Rock Festival. Ganz Österreich? Nein! Eine unbeugsamer Genre-Hybrid namens Elder leistet schließlich triumphalen Widerstand und füllt das Orpheum Extra.

Die Show eröffnen zur weitestgehend allgemeinen Begeisterung Triptonus aus Wien, deren instrumentaler Rock am Ende eines rund 40 minütigen Sets zahlreiche Rufe nach einer Zugabe provoziert haben wird.
Warum dem so ist, bleibt subjektiv aber ein Rätsel: Drei auf der Bühne frontal platzierte Percussion-Elemente (was die Performance nebenbei auch optisch wenig aufregend macht) kleistern den Sound des zumindest an diesem Abend als Septett agierenden Kollektivs in praktisch jedem Augenblick zu, lassen den so überladen wirkenden Songs kaum Luft zu atmen oder den nötigen Raum für Variable – ohne deswegen aber rhythmisch wirklich raffiniert zu sein.
Daher der Fokus im permanenten Elan dieser trommelnden Elemente jedoch jedweden anderen gesetzten Akzenten gegenüber abstumpft, klingt jede Nummer gefühlt monoton, gleichgeschalten und  zu konstruiert. Am besten funktionieren deswegen noch die solide angetriebenen, straight nach vorne gehenden Abfahrten inmitten einer enervierenden Übersättigung.
Eine Wahrnehmung, die aber wie gesagt relativ exklusiv zu sein scheint: Triptonus kommen beim weiten Teilen des Publikums einfach großartig an.

Worüber es dann hingegen keine zwei Meinungen geben dürfte, ist die Fulminanz der Live-Band Elder, die auf der Bühne den Spagat schafft, gleichzeitig eine kleine Spur vogelfreier und doch auch kompakter aufzutreten, als auf ihren Studioaufnahmen.
Ohne die ausschmückenden (mittlerweile teils retrofuturistischen Synthie-)Arrangements der Tonträgerr-Originale konzentrieren sich Nick DiSalvo und Co. ästhetisch auf die gemeinsamen Wurzeln der Nummern, den nach allen Seiten ausfransenden, aber immer wieder spektakulär eingefangenen Rock. Die Gitarren dürfen umhertollen und malen texturierend aus, übersetzen die schwelgenden Stimmungen etwaiger Tasteninstrumente in eine verschwitztere Atmosphäre – und dass die fundamentale, gewitzte Bassarbeit von (dem die Blicke immer wieder auf sich ziehenden) Jack Donovan zum besten gehört, was das Genre zu bieten hat, ist spätestens jetzt überdeutlich.

DiSalvos (im Mix des – tontechnisch wie immer rundum überzeugenden Orpheums – leider etwas zu zu leise geratenen) Gesang tritt dazu weniger melodisch-weich auf, was gerade den neueren Nummern wunderbar steht: da ist ein nonchalanter Biss, ein entspannter Druck, mit dem die Kaskaden wachsen.
Trotzdem – oder gerade deswegen – ist das modulierte Finale von Halcyon der absolut überragende Höhepunkt einer Show, in der Elder ihre weitläufigen Landschaften im kraftvollen Sound mit gut aufgelegten Spielwitz, tightem Groove, verspieltem Auslauf und zwingenden Riffs als headbangende Ankerpunkte in trippige Jam-Orgasmen ausbreiten.
Dazu trägt auch die grandiose Zusammenstellung der Setlist bei. Lore (2015), Reflections of a Floating World (2017) und (das bereits vorab angeteaserte) Omens (2020) werden vor einem epischen Rückblick auf den Titelsong von Dead Roots Stirring in der Zugabe mit fein selektiertem Highlight-Gespür abgedeckt, vermessen die Entwicklung der Band vom Stoner und Doom zum psychedelischen Prog wie aus einem Guss aufeinander abgestimmt.

Alles in allem also eine extrem runde Sache, die das heterogen durchgemischte, erfreulich zahlreich erschienene und durchaus enthusiastische (aber Geburtstagskind DiSalvo nicht überschwenglich gratulierende) Publikum beim ersten Graz-Gastspiel des Quartetts über verdammt kurzweilige 70 Minuten von merklich gut aufgelegten Musikern geboten bekommt – tatsächlich hätte die phasenweise an den transzendentalen Rausch reichende Session gar noch gerne zumindest eine Nummer draufpacken können.
Was nicht als Kritik zu verstehen sein soll: Ohne eine Sekunde Langeweile ist die Lust, Elder später im Jahr in der Killer-Kombination mit Pallbearer  abermals zu erleben, nach diesem süchtig entlassenden Auftritt nur schlichtweg noch einmal gestiegen. Das nächste Studioalbum kann derweil freilich trotzdem auch nicht früh genug kommen.

 

Setlist:
Compendium
In Procession
Blind
Legend
Halycon

Encore:
Dead Roots Stirring

 

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