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Employed To Serve – Conquering

Employed To Serve - Conquering

This is a funeral“ brüllt Justine Jones zur Eröffnung des Titelsongs. Ganz so drastisch sind die Zustände auf Conquering dann nicht, subjektiv entwickeln sich sie Dinge aber tatsächlich nicht in die richtige Richtung für Employed to Serve.

Gut möglich, dass man mit dieser Meinung nach dem vierten Studioalbum der Briten in der Unterzahl ist. Immerhin tun Employed to Serve hier so viel, um ein breitete Klientel anzusprechen, massentauglich zu werden und einen Konsens anzubieten. Man könnte gar so weit gehen, zu mutmaßen, dass das neue Märkte erobern wollende Conquering phasenweise wie ein Bewerbungsschaulaufen anmutet, um den Job als Support auf der nächsten Tour von Slipknot zu bekommen und den dortigen Fans genügend Überschneidungpunkte im Alternative Metal zu liefern, um mit ihrem weiterhin im Groove/ Metal- und Hardcore verwurzelten Song niemanden vollkommen zu zerstören.

Eine Justierung, die das Niveau der drei bisherigen Studioalben mit einer grundlegenden Ambivalenz zwar in weite Ferne rückt, dann aber doch einigermaßen funktioniert. Sun Up to Sun Down gönnt den Signaturen der Band eine orchestrale Synth-Patina und der druckvolle Standard The Mistake droht am Ende in den Nu Metal zu kippen.
Anderswo holt We Don’t Need You mit seiner Call-and-Response-Brachialität erst alle an Bord und entscheidet sich dann für einen herrlich zähflüssigen Stoizismus in Zeitlupe, während Set In Stone die Weichen für einen konsenstauglichen Emo-Refrain legt, diesen dann aber konsequent verweigert – die unangenehmen Tendenzen erst in der Bridge durchlässt. World Ender pocht Richtung Converge und praktiziert letztendlich doch lieber eine Variation des nackenbrechend-schrubbenden Uff-Zack-Grundmotivs, derweil die gefälligen Schraffuren des Posthardcore immer dominanter werden.

All das würde man Employed to Serve an diesem Punkt ihrer Karriere wohlwollend zugestehen. Das Problem ist allerdings, dass von Conquering vor allem jene Momente Erinnerung bleiben werden, in denen die Entwicklung der Band aus der Balance kippt und man plötzlich cheesy und anbiedernd wirkt.
Der Einstieg von Universal Chokehold beginnt noch melodisch in die Härte und Heaviness tackernd, brüllt manisch und macht klar, dass ein Album, das mit einer Justine Jones aufwarten kann, immer über dem Mittelmaß reüssieren wird. Und Sammy Urwin beherrscht urgewaltige Growls, gerade im Verbund mit Jones. Tendiert er jedoch zum klaren Gesang oder Geschrei, verliert er den Kampf gegen eine latente Austauschbarkeit.
Sobald Employed to Serve die Nummer für einen generischen Chorus lüften, ist die Büchse der Pandora insofern geöffnet, woran auch das reizvoll verabschiedende Wah-Wah-Highway-Solo nichts ändert. Exist setzt den Vorschlaghammer so simpel hardrockend bis zur Banalität an, auch weil das Songwriting mittlerweile so viele Passagen integriert, die gefühlt primär zur reinen Interaktions-Animation auf Tour dienen sollen.

In den schwächsten Fällen hat Conquering dann auch nur noch am Rande mit den Qualitäten zu tun, die man bisher an Employed to Serve schätzen gelernt hat.
Twist the Blade stampft als charaktervariabel einkochender Alternative Metal, klingt wie eine Nachgeburt zu Code Orange. Mark of the Grave verschiebt die Schwerpunkte sogar so weit in den formatfreundlichen Mainstream, dass alle Wut drumherum nur noch Pastiche auf dem Corey Taylor-Altar zu sein scheint, wo Stand Alone sogar als gallig-pathetische Ballade beginnen darf.
Während sich die Präsenz von Jones und die aggressive Gewalt des Gespanns dabei mal mehr, mal weniger gegen die Beliebigkeit auflehnen, muss man zwar zähneknirschend feststellen, dass die Band in ihren neuen Zielsetzungen zumindest sehr effektiv und ergebnisorientiert auftritt. Aus den Eklektikern sind hier aber dennoch auch Kopisten geworden, die einen Teil ihrer Identität opfern – dass jene Momente, die nicht auf Expansion sondern auf die Verwaltung der angestammte Spielwiese ausgelegt sind, nun verwässert und nicht mehr derart zwingend bedient werden, ist insofern zumindest frustrierend.
So fühlt sich Conquering zwar nicht nach einer Sackgasse für Employed to Serve an, stellt aber auch keinen Eroberungsfeldzug dar, sondern eher Pyrrhussieg.

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