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Explosions in the Sky – Big Bend

Nun also auch Explosions in the Sky mit Big Bend: Als hätten sie sich die ganze Szeneveröffentlichungstechnisch abgesprochen, platzt der Postrock-Jahrgang endgültig aus allen Nähten.

Egal ob hinsichtlich ewiger Geheimtipps (Kauan), grandioser Newcomer (Bruit), zuverlässiger alter Hasen (Mono) oder ewiger Könige (Godspeed You! Black Emperor, Mogwai) ließen die 2020er-Monaten wohl jeden Genre-Fan zumindest nominell mit der Zunge schnalzen.
Im Gegensatz zu den genannten Kollegen legen Explosions in the Sky mit Big Bend jedoch nur bedingt ein reguläres Studioalbum vor, also zumindest nicht den vollwertigen Nachfolger zum auch schon fünf Jahre alte The Wilderness, sondern den überarbeiteten Soundtrack einer Nationalpark-Dokumentation – also gewissermaßen eine modifizierte Auftragsarbeit: „That documentary, Big Bend: The Wild Frontier of Texas, premiered on PBS in the United States as well as on a variety of networks in other countries in early 2021. The hour-long film intimately follows the lives of native animals amid expansive aerial views of the iconic desert landscape that makes up one of the grandest natural wonders in the world. The band set these sights to an inspired, melodic, and meaningful blend of acoustic guitar, slide guitar, strings, piano, bells, and drums that feels as alive and diverse–and vast and lonely–as the place it depicts. 

Tatsächlich will sich Big Bend jedoch gefallen lassen, in Unkenntnis der dazugehörigen Bilder für sich alleine stehend als Erweiterung des amtlichen Explosions in the Sky-Kanons beurteilt zu werden.
Big Bend (An Original Soundtrack for Public Television) takes that mesmerizing score and recontextualizes it as a standalone album. Those brief cues have been expanded and transformed into a thoughtful, gorgeous full-length album that recalls some of the band’s most magical and memorable moments from their storied history.
Was insofern auch schlüssig sein kann, weil beispielsweise das Gitarrenspiel in Cubs so typisch für Explosions in the Sky ist, dass man es blind der Band zuordnen kann, oder nicht nur ein Sunrise alle Stärken der Texaner quasi im Zeitraffer komprimiert darstellt.
Dennoch bleibt die Trennung zwischen theoretischem Haupt- und Nebenstrang der Diskografie in der Arbeitsweise praktisch spürbar. Vom getragen wiegenden, zu Streichern findenden Chisos weg schreibt die Band die Stücke näher am formoffenen Indiefolkrock, die Patente des Postrock begleiten hier eher in den Texturen. Climbing Bear assimiliert subtil begleitende Elektronik und die Signaturen sind erkennbar, doch auf Nylonsaiten gezupfte Melodien suchen im sanften Sonnenlicht wärmende Morgenstunden.
Eine dezent beschwingte Lockerheit liegt luftig über den zurückgelehnten Unaufgeregtheit, lässt das Ambiente beinahe nebensächlicher wirken, als es ist, doch so kann Flying einen beinahe poppig-saloppen Beat pflegen. Kleine Happen von dem, was sein könnte.

Trotz einiger weniger ambienter ausgelegter Momente (etwa das kammermusikalische Autumn oder die spacige Trance-Collage Winter) ist Big Bend kein klangmalender Teppich für den Hintergrund, sondern mit knappen Spannungsbögen und kurzen Songlängen konzipiert relativ kompakt und konventionell (auch in dieser Hinsicht nicht an die Maße der üblichen Bandstandards heranreichend) komponiert – nur wollen die 56 Minuten eben gleichzeitig als ausgewiesener Score und begleitende Stimmungsmusik agieren. Sie funktionieren auf diese Weise allerdings nur bedingt, und kaum beim Blick auf die Einzelstücke, weil in der Form und Struktur beim Inhalt stets das Gefühl hinterlassen wird, als würde mit zu knapper Aufmerksamkeit das gewisse Etwas fehlen.
Vor allem die kurzen Stücke (wie Camouflage oder Swimming und besonders das seine treibende Spannungrhythmik frustrierend im Nichts verlaufen lassende Nightfall) vermitteln sogar etwas unbefriedigend fragmentarisches, skizzenhaftes, wirken ohne Doku-Kontext ausschnitthaft und in diesem prolongierten Album-Rahmen keineswegs voll ausformuliert oder zu Ende gedacht. Es entsteht vor einem szenischen Mosaik bei aller Homogenität einfach nicht die nötige kohärente Tiefenwirkung.
Dass es auch in diesen Szenen und ganz generell schön ist, endlich wieder von Explosions in the Sky zu hören, die zudem auch in einem solchen Jahrgang ganz vorne mitspielen, muss dabei wohl nicht explizit erwähnt werden.

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