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Fawn Limbs – Darwin Falls

Schon paradox, dass Darwin Falls zuallererst weniger mittels der Stärken des dritten Fawn Limbs-Albums an sich beeindruckt, als dass vielmehr der Fokus darauf  geschoben wird, mit welch einer variablen Ausnahmeband man es hier ganz allgemein und auf die übergreifende Diskografie gemünzt gesehen zu tun hat.

Dass das Trio aus Pennsylvania sich mit jeder Platte rund um den konstanten Grindcore-Kern stilistisch neu erfindet, ohne dabei auch nur ansatzweise unentschlossen, willkürlich oder opportunistisch zu wirken, ist in der konsequenten Hingabe des Formwandelns aber auch einfach ein unberechenbares Spektakel, dass Eeli Helin (Vocals/Guitars/Noise), Lee Fisher (Drums) und Samuel Smith (Bass) stets als Meister des assimilierenden Darwinismus zeigte.
Nur ein Jahr nach der von der Frontierer-Doppelspitze geprägten Mathcore-Hatz Sleeper Vessels bedeutet dies jedenfalls auch, dass Glitches, Whammy Pedale und die übersteuerte Lautheit der Heaviness Spuren im Wesen der Band hinterlassen haben (vgl.: Twitching, Lapsing), Fawn Limbs ihren Sound für Darwin Falls aber in den Avantgarde führen, die Ästhetik radikal mutieren lassen: Fisher agiert über weite Strecken der Platte als alptraumhaft greinender, in den kühl-distanzierten Horror des Suspense entrückter Erzähler, der das Spoken Word-Narrativ über Flächen aus noirjazzigen Flächen führt, von einem Gastquintett am breiten Instrumentarium (Electric cello, Trombone, Piano/Wurlitzer/MikroKorg/Mellotron, Oboe, Trumpet, Viola und Saxophone) eingerahmt.

Das Ergebnis ist eine schizoid mit sich selbst im Einklang stehende Platte, die ihre Klangdesign nicht als kosmetischen Effekt, sondern als tiefschürfende Intensivkurs im puren Kontrast versteht. Darwin Falls wechselt radikal zwischen introspektiven, ambienten Passagen und ballernden Geschwindigkeitskollern, abrupte Vollbremsungen prallen auf irre Beschleunigungen, immer von null auf hundert eskalierend, keine bekömmlichen Übergänge zugestehend.
Spätesten wenn Dissolver wie eine Horrorgeschichte beginnt, die man sich am Lagerfeuer erzählt, bevor eine röchelnde Deathdoom-Stampede hereinbricht und der mit immensen G-Kräften reibende Wechsel zwischen den beiden Polen danach schon auch mäandernd und gleichförmig passiert, wird dieser MO dazu beitragen, dass Darwin Falls gefühlt keinen übergeordneten Spannungsbogen oder Klimax für das Gesamtwerk bietet.

Es trägt aber auch dazu bei, dass die 35 Minuten als zutiefst kohärent in sich selbst geschlossene Collage aus Einzelszenen ein homogenes Ganzes bilden, als Hybrid der Extreme im Spannungsfeld zwischen Swans und Insect Warfare mit einer Ganz-oder-Garnicht-Einstellung keine Kompromisse anbietend, gerade auch durch seine eigenwillige Stimmung fasziniert und über diese eben (bis zu einem gewissen Grad auch leider) mehr Eindruck hinterlässt, als durch das Songwriting an sich.
Der Reiz, auf den Schleuderstühlen Platz zu nehmen ist so ohne restlose Befriedigung immanent. Von Nesting Lumens weg fesseln die düstere Kontemplation nebulös und sinister, schleppen sich in kaputter Entschleunigungausgemergelter Outlaw-Gitarren durch ein klaustrophobisches Wester-Hörspiel der Postapokalypse, durch die Trümmer dessen, was nach den ballernden, entmenschlichten Eruptionen aus Blastbeats und kakophonischem Gebrüll über geblieben sind. Einzelne Szenen wie das fiebrige Zappeln im würgenden Bolzen der heavy Schübe von Dead Horse Cavern oder das gespenstische Summen von Ceasura bleiben im malerischen Nihilismus hängen, aber eben -das besticht vor allem im tollwütigen Kontext des restlichen Fawn Limbs-Kataloges. Wozu übrigens auch das exzellente Artwork von Helin und Labelboss/Szenelegende Paul Pavlovich seinen Teil beiträgt.

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