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Fossilization – He Whose Name Was Long Forgotten

Fossilization - He Whose Name Was Long Forgotten

Ritualistic, Primeval Death Metal from Brazil. Featuring members of Jupiterian. For fans of Dead Congregation & Portalbewerben Fossilization ihre Debüt EP He Whose Name Was Long Forgotten. Eigentlich per se verdammt gute Verkaufsargumente.

Dass man sich den 25 Minuten dennoch mit einer gewissen Vorsicht nähert, hat dann weniger damit zu tun, dass Thiago Vakka V Oliveira alias V (Vocals, Gitarre, Bass, Synths) und Paulo Pinheiro Fornazza alias P (Drums) die Erwartungshaltung an neues Material vom Zirkel aus São Paulo mit ihrem sehr guten Stammband-Drittwerk Protosapien 2020 ein weiteres Mal nach oben geschraubt haben, sondern damit, dass Death Doom-Kombos in den vergangenen Jahren wie Pilze aus einem Boden sprießen, wo die Quantität freilich nicht gleichbedeutend mit konstanter Qualität ist.
Abgesehen davon, dass Fossilization das Genre-Rad nun freilich nicht neu erfinden, kann dann eine diesbezügliche Vorsicht durchaus abgelegt werden; mittels dieser fünf ersten Songs ist sogar durchaus Grund zur Euphorie gegeben, was diese Nebenspielwiese von Jupiterian angeht.

Im direkten Vergleich zu ihrem Mutterschiff dirigiert das Duo den Sound hier nun weiter von den atmosphärischen Sludge-Tendenzen weg, direkt hinein in eine nasskaltes Höhlensystem, in dem die Growls von V vielleicht sogar effektiver und synergetischer aufgehen, und damit Assoziationen zu Spectral Voice und ähnlichen Maßstab-Kombos erlaubt. Immerhin ist die brutale Stimmung, die Inszenierung und vor allem das bestechende Songwriting auf einem beeindruckenden Niveau.
Neanderthal Tombs pflügt mit apokalyptischer Majestät, dicht und heavy, mahlend und zermürbend, aber auch so hungrig und getrieben. Das Duo taucht an und tackert, heult, lauert und bremst, bis das Ende wie im Rausch losballert. Blight Cathedral ändert seine Tempi als fiebrig-kalibrierende Tortur, speit mit dissonant anzentuierzen Gitarren, öffnet sich einer sakralen Finsternis und gibt den Texturen mehr Raum. Den nutzt Caronte als Herzstück, um einen Slo Mo-Blackened-Hummelschwarm in manischen Schüben zu reizen, letztendlich aber in ambienter Trance der Repetition unterzutauchen, und die Schlüssigkeit des Gesamtgefüges ganz allgemein zu vertiefen.

Der Titeltrack eskaliert im radikalen Kurswechsel so unmittelbar umso wahnsinniger, kurbelt mit der Attitüde des Crust. Das Riff ist catchy, die zügig nach vorne gehend Struktur zugänglich und spätestens das thrashigen Solo ein Fest. Die triumphalen Gitarrenlinie steigen aber auch dank des generell superben Basssymbionten auf, bevor die Nummer am (exemplarisch zu abrupt vollzogenen) Ende vor verzweifelter Intensität schlichtweg implodiert. Selbst wenn es nur wohldosiert eingeführt wird, ist das emotionale Spektrum der Platte faszinierend und fesselnd.
A Deplorable Epoch verschreibt sich im kohärenten Fluß einer dynamisch konzipierten EP als Finale mit martialischer Gangart jedenfalls der epochalen Geste und findet irgendwann gar Synthie-Fanfaren – nur um diese kurzerhand mit aller archaischen Brutalität und okkulten Dreckigkeit sofort wieder aus dem Klangkosmos zu prügeln. Was dann doch ein schönes Bild dafür ist, wie gnadenlos He Whose Name Was Long Forgotten mit Erwartungshaltung und Konventionen umgeht: ein furioser Einstand!

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