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Groza – The Redemptive End

Groza gehen keine Risiken ein, um all die naheliegenden Mgła-Vergleiche loszuwerden, zeigen aber drei Jahre nach dem Debüt Unified in Void auf The Redemptive End eine mehr als nur überzeugende Trittsicherheit im epigonenhaften Windschatten.

Dass Diskussionen über Groza immer noch leicht in Grundsatzdebatten über Mgła ausarten können, vielleicht auch einfach zwangsläufig müssen, endet nicht mit den Bandfotos des Quartetts, beginnt aber definitiv bei der Namenswahl und setzt sich über die stilistischen Ähnlichkeiten fort.
Während Groza sich den Vergleichen mit den populären Polen also weiterhin ganz bewusst aussetzen, sich das Zweitwerk der Deutschen dabei auch den Vorwurf gefallen lassen muß, dass es mit einigen weniger konventionell an den verfolgten Idealen festhaltenden Verhaltensmustern per se interessanter und origineller hätte werden können, dreht sich The Redemptive End aus dieser unbedingten Referenz keinen wirklichen Strick: Die Gruppe aus aus Mühldorf am Inn kann einfach, was sie tut, spielt ihren Black Metal zudem mit einer beinahe rockigen Kompaktheit und eingängigen Griffigkeit, zeigt immer wieder Passagen, die wohl kein Geheimnis daraus machen, dass Groza auch den Thrash-, Speed- und vor allem Post Metal mögen.

Überdeutlich wird gerade letzter Faktor, wenn Nil mit angespanntem Nacken gebrüllt eine vage Ahnung davon gibt, wie Cult of Luna mit eingespritzen Kerosin, Blastbeats und Tremolo-Gitarren klingen könnten – und dann auch noch ein ein packendes Riff mit einer solchen Power von der Leine lassen, dass man selbst unter der Maske ein feistes Grinsen erkennen kann.
Dass die Nummer generell etwas zu lang ausgefallen ist, weil der eklektische Sound gerade im Tremolo-Gebrauch zu diesem Zeitpunkt der Platte eine gewisse Gleichförmigkeit in der Wahrnehmung erzeugt hat, lässt sich übrigens verschmerzen, weil der Closer Homewards danach seinen Auslauf knapp elf Minuten perspektivisch umso ergiebiger nutzt, wie eine Frischzellenkur anmutet und eine fesselnde Intensität und packende Spielwut zeigt – so dass der akustisches Appendix fast schon zu abrupt herbeigerufen scheint.

Auf dem Weg zu diesem Finale überzeugt The Redemptive End praktisch ansatzlos, gerade wenn die kristallinen Melodien in der Vordergrund treten, wie schon das atmosphärische Sunken in Styx – Part I: Submersion vorwegnimmt.
In Elegance of Irony darf sie eine beinahe pathetische Sehnsucht im aggressiven Streben nach oben eine hymnische Subtilität erzeugen, bevor das überragende Titelstück erst eine herrliche Dringlichkeit zeigt, sich mit Call and Response-artigen Vocals das Momentum zuwirft und im Kontrast dazu die ruhige Einkehr in die Melancholie, hin zum friedlichen Postrock, geradezu bestürzend schöngeistig ausmalt – bevor der folgende Ausbruch diese imaginative Tiefenwirkung nutzt, um auf einer noch breiteren Ebene zu zünden.
Insofern gilt: Groza arbeiten auf The Redemptive End womöglich wirklich zu eigenständig – wiegen dies aber mit starkem Songmaterial auf und machen in dieser Ausrichtung genau genommen auch einfach verdammt wenig falsch.


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