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Iotunn – Access All Worlds

IOTUNN - Access All Worlds

Dass die Dänen von Iotunn fünf Jahre gebraucht haben, um ihrer Einstands-EP The Wizard Falls nun den mit über einer Stunde an theatralischen Sci-Fi-Progressive/Power-Metal mit Melo-Death-Ornamenten vollgepackten Debüt-Langspieler Access All Worlds folgen zu lassen, hat primär personelle Gründe.

Seit 2019 hat die Gruppe mit Eskil Rask zwar auch einen neuen Bassisten, das Scheinwerferlicht liegt jedoch am Besetzungswechsel hinter dem Mikrofon: seit drei Jahren hat den Posten mit Jón Aldará (Barren Earth, Clouds, Hamferð, Hatursvart, Solbrud) ein in Szenekreisen nicht unbekannter Mann übernommen.
Was auch gleich zum subjektiven Zankapfel von Access All Worlds führt: Sein Wechsel zwischen wenig individuellen, bisweilen aber auch etwas dünn, schwach und heiser anmutenden Growls sowie superpathetischen, immer die absolut heroische Epik beschwörenden cleanen Vocals, die vor kitschigem Powermetal-Pathos bis in den makellosen Kitsch triefen, sind sowieso Geschmacksache, über den Einstieg mit Voyage of the Garganey I und dem Titelstück aber auch ein aus der Balance geratenes Kontrastprogramm – die irgendwo zwischen Willkür und konstruierter Bemühtheit liegende Ambivalenz beiden Gesangsstile will auf intuitiver Ebene erst gar nicht funktionieren.

Mit Fortdauer gewöhnt man sich jedoch nicht nur an das Werken von Aldará, der Frontmann findet im Verlauf auch zu einer ausgewogeneren, natürlicheren Praxis.
Gerade wenn das kompakt ballernde Laihem’s Golden Pits ein bulliges, kerniges Hardcore-Gebrüll als Bindeglied zwischen den dualistischen Facetten einführt, die Growl von hier weg ohnedies akzentuierter eingesetzt werden, und das Finale der Nummern nicht nur wegen ihrer herrlich gniedelnden Abfahrt eine Freude ist.

Ab diesem Zeitpunkt kann man sich weitestgehend auf die Stärken von Access All Worlds konzentrieren. Das knödelnde Waves Below hebt seine Melodien auch über astrale Synth-Texturen auf ein Podest und zeigt, wie kurzweilig das Songwriting von Iotunn selbst über zehn Minuten Laufzeit ausfällt. The Tower of Cosmic Nihility wird mit Hardrock-Tendenzen und einer schwülen Scott Walker-Intonation gewürzt, starke Riffs gehen Hand in Hand mit Blastbeats und vogelfreien Soli – wenngleich hier im Speziellen wie ganz Allgemein nichts so erinnerungswürdig hängen bleibt, wie es theoretisch der Fall sein sollte. Spezieller ist da schon das geradezu Creed‚eske Gitarrenspiel in The Weaver System, das zudem mit tollen Hooks aufwarten kann.
Schade nur, dass der Mix und die Produktion einen Gutteil der Dynamik töten und vor allem der gallige Schlagzeug-Sound (wohlgemerkt: die Rhythmussektion der Band ist an sich wirklich spitze!) spätesten im nach den Sternen greifenden Monolithen Safe Across the Endless Night für eine gewisse Übersättigung sorgt. Das kann den nach anfänglichen Sympathie-Schwierigkeiten letztendlich doch (sehr) guten Eindruck von Access All Worlds doch frustrierend trüben.

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