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Jon Hopkins – Piano Versions

Jon Hopkins - Piano Versions

2020 hat Jon Hopkins mit dem Meditationsstück 1/1 Singing Bowl (Ascension) im Ambient und Drone reflektiert, nun widmet er sich auf der EP Piano Versions – dem wenig kryptischen Titel folgend – seiner Vorliebe für Cover-Interpretationen am Tasteninstrument.

Das kann in einer von Hopkins gezauberten minimalistischen Reduktion auf stille Klavierakkorde, den dazugehörigen Raumklang und einige wenige subtil knisternde Effekte, eine geradezu klärende Wirkung auf etwaige Originalkompositionen haben – man nach den zauberhaften Asleep Versions spätestens seit auch seit I Remember weiß, in dem der Brite direkt zum Kern der Yeahsayer-Nummer vorgedrungen war und dessen Melodie ohne jedes Brimborium feinfühlig hervorhob.
Piano Versions mag nun genau genommen inszenatorisch exakt auf die die selbe Weise ausgelegt sein, funktioniert aber doch anders, wenn Hopkins keine die jeweiligen Essenzen destillierenden Interpretationen liefert, sondern die Motive der Originale eher wie geisterhafte Erinnerungen aufgreift, die ihm melancholisch zwischen den Fingern zu zerrinnen scheinen. Hopkins‘ Adaptionen bewegen sich bisweilen doch spürbar von den Ursprüngen und addieren durchaus eigene Perspektiven.

Einzig: die Ergebnisse erreichen nicht die Wirkung, die die Werke in den Version ihrer Urheber besitzen – sie sind interessant, aber eben schlichtweg weniger gut.
Nachvollziehabr ist das am deutlichsten gleich in Dawn Chorus. Hopkins findet die natürliche, klassische Anmut in einer der schönsten Yorke-Solonummern, er spielt das ätherische Stücke ohne Abstraktionen und rekonstruiert die Traurigkeit, addiert zudem kaum merklich chorale Texturen, kann aber die überwältigende Bestürzung nicht aufwiegen, die der Radiohead-Sänger erst durch seine Stimme und Texte über der bisher avantgardistischeren Digital-Klanglandschaft beschwor. James Yorkstons Heron tröpfelt verträumt, leise und hoffnungsvoll hinten schaben bespannte Federn, Vögel und sonstige Field Recordings – als elementarer Teil der EP.
It seems to me that melody is universal and the ones that I really connect to shine out irrespective of genre or context, whether from techno, folk or whatever. I loved the simplicity of having my old upright piano be the centre of a whole record for the first time. But the importance of letting the outside world into the recordings is as present for me as ever, so there are layers of incidental noise, bird song, the sound of someone washing up in the studio kitchen – whatever was going on outside my room is included and even accentuated. I want people to hear not just the recordings but to feel how it felt to be there and make them. It was a deep experience.

Diese tiefgreifende Erfahrung will sich allerdings nur bedingt transportieren lassen. Zu oft tendiert die EP dazu, ihre imaginative Wirkungsweise nur flüchtig einzusetzen. Der Sound von Piano Versions ist zwar grandios warm, einladend und so absolut distanzlos nahbar, doch mäandert Hopkins, verliert sich mit einem wirklich feinen Händchen für das Einfangen von ambiente Passagen und der Umgebungsatmosphäre neben dem betörend zurückhaltendem Pianospiel ohne zwingende Präsenz oder unterbewusste Sogwirkung.
Modern Driveway (Luke Abbott) als am Stillstand darbender bekümmerter Epilog, der mit einem schüchternen Optimismus zum Horizont blickt, sowie das versöhnlich körperlos-verschwindende Wintergreen (Roger & Brian Eno) machen so in ihrem Understatement nichts falsch, erzeugen dann aber auch kaum Gravitation und können sich nicht gegen der Eindruck erwehrn, dass der emotionale Impact anhand vierer Kleinode voller Grandezza diesmal seltsam unbefriedigend ausfällt.

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